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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 25. Dezember 2011
Elke Heidenreich – Gedanken zum Tierschutz
An Weihnachten oder Silvester werfen viele Menschen einen Rückblick auf vergangene Ereignisse. Alte Gewohnheiten kommen auf den Prüfstand und werden kritisch überdacht. Die Literaturkritikerin, Autorin und Journalistin Elke Heidenreich, die bekanntlich gerne Klartext spricht, hat uns in einem Interview anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Tiere suchen ein Zuhause erzählt, was sie in Sachen Tierschutz bewegt.
Elke Heidenreich beschäftigt sich mit dem Verhältnis Mensch-Tier und der Frage, was Tierliebe ist. „Wenn ein Tier niedlich ist, dann lieben die Menschen es, wenn es nicht niedlich ist, dann ist es sofort ein Hai, ein Krokodil, ein Killerwal oder die armseligen Stadttauben, die totgeschlagen werden“, kritisiert die Autorin die unterschiedliche Bewertung von Tieren. Wir Menschen seien mit unserer Tierliebe so „dusselig“ und so sentimental, dass Elke Heidenreich das Wort „Liebe“ an dieser Stelle nicht mehr benutzen möchte. „Die Menschen sind alle Teil der Biologie, und die Tiere sind ebenso Teil der Biologie. Alle sind Geschöpfe, und wir Menschen“, so Elke Heidenreich, „sind nicht die Krone der Schöpfung.“ Sie respektiere Tiere und leide darunter, was Menschen ihnen antun. Elke Heidenreich hat Tiere sehr gern und behandelt ihre eigenen Tiere mit Respekt, aber liebt sie ihre Tiere? „Ich liebe meinen Freund“, findet Elke Heidenreich. „Ich kann nur sagen, dass kein Tier auf dieser Welt, auch nicht die, die ich am wenigsten leiden kann, wie zum Beispiel Krokodile mit ihren großen schrecklichen Rachen, so grundböse sind wie der Mensch. Tiere sind nicht böse, Tiere machen Dinge zum Überleben oder im Rahmen von Machtkämpfen in ihren Rudeln. Der Mensch ist gezielt böse. Er entwickelt eine Idee, einen Plan, er schlachtet, er quält, er misshandelt und missachtet. So etwas tut kein Tier. So gesehen sind wir das Letzte in der Schöpfung und nicht das Beste.“
„Der Mensch ist ein Monster. Er beschließt für sich, wen er leiden und wen er nicht leiden kann. Wir beschließen also, was lebenswert ist und was nicht. Einerseits haben wir unseren Hund, ‚verpimpeln’ diesen bis zum geht nicht mehr, andererseits essen wir jeden Tag Fleisch. Wenn wir ins Restaurant gehen, dann sehen wir ein oder zwei ‚pampige’ vegetarische Gerichte, weil sich kein Mensch damit Mühe macht. Fast alle Tiere, die wir essen, wurden unter unfassbaren Umständen gehalten, gemästet und geschlachtet. Das heißt, der Mensch unterscheidet: Das ist niedlich, das will ich essen, und da hört die Liebe auf.“ Außerdem, findet Elke Heidenreich: „Wir haben ja schon lange aufgehört, den Tieren ihren Lebensraum zu lassen. Die Menschen werden immer mehr, sie brauchen Anbaufläche, sie roden die Wälder ab, machen Sumpfgebiete kaputt, sodass die Zugvögel keine Orte mehr finden, wo sie nisten können. Wir sind gerade dabei, alles gründlich auszurotten.“
„Ich bin absoluter Gegner der Todesstrafe. Der Mensch hat nicht das Recht, über Leben zu bestimmen – über gar kein Leben. Das steht uns nicht zu“, mahnt Elke Heidenreich. „Aber das maßen wir uns immer an. Und diese Einteilung in niedliche und nicht niedliche Tiere, die ist sehr subjektiv. Ich finde Spinnen wunderbar – was für Baumeister, was für Architekten. Natürlich mag ich es nicht so gerne, wenn sie auf mir herumkrabbeln, aber wenn ich sehe, was sie schaffen, kann ich mich doch vor Erfurcht nur verneigen.“
Elke Heidenreich empfiehlt, sich nur dann ein Haustier anzuschaffen, wenn man auch die Zeit hat, sich darum zu kümmern. „Die einsame Sekretärin, die sich eine Katze hält, damit jemand da ist, wenn sie abends nach Hause kommt – dabei handelt es sich genauso um Tierquälerei und ist genauso wenig in Ordnung“, schimpft sie. „Damit es mir selber gut geht, sitzt das Tier zwölf Stunden am Tag herum und darf abends ein bisschen schnurren.“
Für Elke Heidenreich ist die Sache klar: „Ich glaube, dass sich die meisten Menschen über ihre biologischen Wurzeln keine Gedanken machen. Wir bestehen auch nur zu 70 Prozent aus Wasser“, sagt sie und lacht. „Ich finde, man darf sich als Mensch nicht so furchtbar überschätzen. Unsere Zeit ist begrenzt, und in dieser Zeit sollte man möglichst wenig dummes Zeug anrichten“, lacht sie. „Ich gebe mir zumindest Mühe!“
Katharina Hadem
Stand: 25.12.2011
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