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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 08. Januar 2012
Der Sheriff von Petra
Fred W. ist 58 Jahre alt und ein waschechter Cowboy mit deutschen Vorfahren und eigener Ranch in Arkansas. Er hat die besondere Gabe, die Sprache der Pferde zu verstehen. Dabei liest Fred W. die Körpersprache der Tiere und deutet auch die leisesten Signale. Das macht ihn zu einem echten „Pferdeflüsterer“. „Pferde sind wundersame Geschöpfe“, erklärt er. „Sie sind stark, schnell, neugierig und dickköpfig – aber sie sind vor allem Fluchttiere.“
Für die Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) leistet Fred rund um den Globus Entwicklungshilfe in Sachen Pferde, vornehmlich in Arabien. Petra, die steinerne Königsstadt der antiken Nabatäer, Weltwunder und Weltkulturerbe, lockt jedes Jahr Hunderttausende Besucher in den Südwesten Jordaniens. Weil der Weg zu den 60 Meter hoch in den Fels geschlagenen Tempeln, Gräbern und Palästen lang und beschwerlich ist, bieten Beduinen hier ihre Pferde und Esel als Reittiere an. Da die Tiere bis heute nicht sehr pfleglich behandelt werden, benötigen die Beduinen „Nachhilfe“ in Sachen Tierschutz und Pferdepflege.
Das jordanische Landwirtschaftsministerium hat dafür die US-Regierung um Hilfe gebeten, und die hat Fred geschickt. Der Pferdefreund reist dreimal im Jahr für jeweils sechs Wochen nach Jordanien und berät die Beduinen. Das macht er auf unnachahmliche Weise: ein bisschen wie ein Sheriff in „Wildwest-Manier“, aber sehr charmant und zwölf Stunden am Tag.
So hält er Reiter oder Kutschen freundlich an, erkundet sich erst nach ihrem Befinden, hält ein Schwätzchen, bevor er den Finger in die Wunde legt: Hat das Tier heute schon Futter bekommen? Warum ist es so dreckig, wurde es nicht gebürstet? Wie lange ist das Tier schon im Einsatz?
Freundlich, aber mit Nachdruck weist er die Pferdebesitzer darauf hin, Missstände abzustellen. Aber er hilft den Beduinen auch bei Problemen mit ihren Tieren, trainiert ihnen beispielsweise etwaiges Fehlverhalten ab. Haben die Tiere Verletzungen, bringt Fred sie in eine nahegelegene Tierklinik, in der er auch selbst Hand anlegt, Spritzen verabreicht oder Salben aufträgt, falls wieder einmal zu wenig Personal anwesend ist. Aber der Pferdefreund hat auch ein wachsames Auge auf die vielen Touristen.
„Das größte Problem ist, den Pferdehaltern und Besuchern den Unterschied zwischen Nutzen und Ausnutzen eines Tieres beizubringen“, erklärt Fred. So duldet er es nicht, wenn sich ein 100 Kilogramm schwerer Mensch auf ein kleines Reittier setzen will. Andererseits rührt er aber auch die Werbetrommel für seine Schützlinge und animiert zuweilen Besucher persönlich, sich ein Pferd zu mieten. „Denn davon leben hier Mensch und Tier“, meint Fred, „nur sollen sie die Pferde nicht überbeanspruchen.“
Die Beduinen haben ihn längst ins Herz geschlossen und ihm ein Pferd geschenkt, mit dem er nun die Wege nach Petra patrouilliert. Wenn Fred das Tier nicht reitet, vermietet es sein bisheriger Besitzer weiterhin an Touristen. „Ja, so läuft das hier“, lacht der Cowboy. Eine besondere Freundschaft pflegt er mit dem 20-jährigen Imad, der drei Pferde besitzt und diese zu Distanzpferden ausbildet. Die Tierklinik, in welcher der Junge aushilft, trägt den Namen von Prinzessin Alia, der ältesten Tochter des langjährigen Königs Hussein (und Halbschwester des amtierenden Königs Abdullah).
Nina Schumacher
Stand: 08.01.2012
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