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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 15. Januar 2012
Unterwegs mit den Tierrettern
Die Feuerwehr ist der Retter in der Not. Das gilt nicht nur für die Rettung von Menschen, auch Tiere brauchen ihre Hilfe. Ob verletzte Wildtiere, ausgebüchste Reptilien oder verunfallte Haustiere: Befindet sich ein Tier in einer Notlage, sind die Tierretter der Feuerwehr gefragt. Aber wie sieht ein ganz „normaler“ Tag eines Tierretters aus? Und vor allem: Wie gehen die Männer mit dem Schicksal verletzter oder sogar sterbender Tiere um?
Michael L. ist seit über 30 Jahren Feuerwehrmann. Der 52-Jährige fährt in seiner 24-Stunden-Schicht regelmäßig den einzigen Tierrettungswagen der Bonner Feuerwehr. Denn für die Einsätze eines Tierretters ist Michael besonders qualifiziert: Er hat nicht nur ein Herz für Tiere, sondern hat auch viele Lehrgänge über Reptilien oder bissige Hunde besucht und ist damit für jeden Einsatz gewappnet.
Erreicht ihn ein Notruf über die gängige Nummer der Feuerwehr – die 112 – bekommt Michael über die Leitstelle der Feuerwehr per Computer oder über Funk nähere Informationen zum Tierart, zur Notlage und zum Einsatzort. Ist die Notlage des Tieres akut, darf Michael mit Sonderrechten, also mit Sirene und Blaulicht, fahren. Für jeden Einsatz hat der erfahrene Tierretter in seinem Gerätewagen das richtige Equipment: Tiertransportboxen in allen Größen, Kescher und Schlinge zum Einfangen entlaufener oder verletzter Tiere und sogar spezielle Haken für Würge- oder Giftschlangen. Wenn nötig, kann der ausgebildete Rettungssanitäter am Einsatzort auch Erste Hilfe leisten. In jedem Fall bringt Michael verletzte Tiere schnellstmöglich zu einem diensthabenden Tierarzt. Ausgewählte Veterinäre stehen bei der Stadt Bonn unter Vertrag und können von der Tierrettung in Anspruch genommen werden. So ist eine tierärztliche Versorgung rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr gewährleistet.
In manchen Fällen kommt Michaels Hilfe allerdings zu spät. Dann bleibt ihm nur noch, das tote Tier zu bergen und zu einer Tierkadaversammelstelle zu bringen. Kann der Halter beispielsweise durch einen Mikrochip ermittelt werden, übergibt Michael das Haustier seinem Besitzer. Auch bei derart traurigen Einsätzen ist Michael Profi: Er empfindet zwar Mitleid für das Tier und seine Menschen, aber in seiner achtjährigen Laufbahn als Tierretter hat er gelernt, mit dem Tod professionell umzugehen.
Im Laufe eines Jahres fährt Michael L. rund 800 bis 900 Tierrettungseinsätze, meist drei pro Tag. Auch wenn er nie weiß, was ihn am Einsatzort erwartet, besteht der Job als Tierretter auch aus Routine, Büroarbeit und Warten.
Bei seltenen Einsätzen wie der Bergung eines verunfallten Pferdes mithilfe eines Krans und einer 15-köpfigen Einsatztruppe im April 2011 muss ein Tierretter einen kühlen Kopf bewahren. Denn nur dann kann eine Rettungsaktion erfolgreich sein. Die meisten Fälle der Tierrettung sind allerdings weniger spektakulär. Für entlaufene Hunde oder eine Katze im Baum rücken die Tierretter am häufigsten aus. Je nach Jahreszeit geraten auch bestimmte Tierarten in Gefahr, die auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen sind. Während im Frühjahr besonders Entenfamilien oder junge Wildtiere vor dem Straßenverkehr geschützt werden müssen, sind es in den dunklen Jahreszeiten eher die nachtaktiven Tiere, die auf ihren Beutezügen von Autos oder sogar Bahnen angefahren und verletzt werden.
Ob ein Tier nun verstirbt oder gerettet werden kann, es fallen immer Kosten für den Einsatz, den Transport oder die Entsorgung an. Wer diese übernimmt, ist je nach Fall geregelt. Die Tierretter unterscheiden zwischen Dienst- und Hilfeleistung. Von Dienstleistung spricht man dann, wenn der Notruf von dem Besitzer selbst getätigt wird. In diesem Fall hat er auch die Kosten des Einsatzes zu tragen. Wird die Tierrettung allerdings von Passanten oder Anwohnern gerufen, denen das Tier fremd ist, so werden die Kosten von der Stadt Bonn übernommen.
Um später jede Rettung genau nachvollziehen zu können, muss jeder Einsatz genauestens dokumentiert werden. Dafür bekommt jeder Fall eine Einsatznummer, und es wird ein ausführlicher Bericht über den Ablauf der Tierrettung geschrieben. Büroarbeit gehört nämlich auch zu den täglichen Aufgaben eines Tierretters, genauso das Warten. Und manchmal warten die Tierretter auch eine ganze Schicht lang auf ihren Einsatz.
Ob Wartungsdienste am Einsatzwagen und am Equipment oder Übungsdienste zur Weiterbildung: Es gibt jede Menge Arbeit für einen Feuerwehrmann zu erledigen. Auch wenn die Einsätze sicherlich das Spannendste an Michaels Job sind, ist ein Tag mit Nullrunde ein guter Tag. Denn wird die Hilfe der Tierretter nicht gebraucht, ist auch kein Tier in Gefahr. Aber wenn Tiere in Not geraten, ist es gut zu wissen, dass es Tierretter wie Michael gibt, die alles tun, um Tieren zu helfen.
Kati Kolbe
Stand: 15.01.2012
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