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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 22. Januar 2012
Amtsveterinäre in der Kritik – ein Beispiel aus der
Eifel
Bis auf die Knochen abgemagerte Kühe, die in aller Öffentlichkeit sterben, schwer kranke Katzen, deren Besitzer sich nicht um sie kümmern, Animal-Hoarding-Fälle, bei denen Menschen Dutzende oder sogar Hunderte Tiere halten und verwahrlosen lassen – all das erleben Tierschützer im Kreis Euskirchen seit Jahren. Obwohl sie immer wieder das zuständige Veterinäramt informieren und eindringlich um Abhilfe bitten, passiert in vielen Fällen kaum etwas – eine Erfahrung, die Bürger und Tierschützer auch in anderen Teilen der Bundesrepublik machen.
Der Tierschutzverein Kall und Umgebung e. V. will diese Umstände nicht länger hinnehmen. Der Verein hat ein Disziplinarverfahren gegen den obersten Amtsveterinär im Kreis Euskirchen beantragt – das gab es wohl noch nie. Dazu hat der Verein 65 Tierschutzfälle dokumentiert und bei der zuständigen Aufsichtsbehörde – dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) – eingereicht.
Der Hauptvorwurf der Tierschützer ist die Tatenlosigkeit des Amtsveterinärs und seiner Mitarbeiter. Häufig würden diese auf Hinweise nicht reagieren, obwohl sie nach Paragraf 16a des Tierschutzgesetzes dazu verpflichtet sind. Wenn die Veterinäre reagierten und den Tierhaltern Auflagen machten, würden diese häufig nicht weiter kontrolliert. Und so werden die Tierschützer immer wieder mit den gleichen Fällen von Tierquälerei konfrontiert, in einem Fall sogar seit 20 Jahren. Das Veterinäramt will sich zu den Vorwürfen nicht äußern, solange die Aufsichtsbehörde ermittelt. So wurde auch die Anfrage des Tiere suchen ein Zuhause-Teams, die eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Tierschützer anforderte, abgelehnt.
Das Disziplinarverfahren in der Eifel hat Aufsehen erregt und wirft die Frage auf, warum häufig so wenig passiert. Dass in vielen Bezirken nur zwei oder drei Amtsveterinäre ein riesiges Aufgabengebiet bewältigen müssen, ist einer der Gründe dafür. Zu den Aufgaben der Amtsveterinäre gehören Fleischuntersuchungen, Lebensmittelhygiene, Tierseuchenbekämpfung und Tierarzneimittelüberwachung sowie die Kontrolle der landwirtschaftlichen Betriebe, Tiertransporte und Schlachthöfe. Da bleibt für Tierschutzfälle meist wenig Zeit. Zusätzlich erschweren lückenhafte oder unklar formulierte Gesetze und eine aufwendige Bürokratie die Umsetzung tierschutzrechtlicher Maßnahmen.
Die vielfältigen Aufgaben bedeuten auch, dass Amtstierärzte in Interessenskonflikte zwischen Lokalpolitik, Agrarbetrieben und Tierschutzbelangen geraten. Insbesondere junge Amtsveterinäre haben es häufig schwer, sich gegen wirtschaftliche Interessen und Vetternwirtschaft durchzusetzen. Fehlt dann noch die Rückendeckung des Vorgesetzten und der Dienstbehörde, verzagt so mancher Amtsveterinär dabei, tierschutzrechtliche Maßnahmen durchzusetzen. Versucht er es dennoch, sieht er sich vor Gericht oft Juristen gegenüber, die an der Uni kaum etwas über Tierschutz gelernt haben und diesen Bereich oftmals als nicht so relevant erachten – obwohl der Tierschutz seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist.
Ein weiteres Problem ist, dass den Amtsveterinären häufig wenig Geld für die Beschlagnahmung von Tieren zur Verfügung steht. Schon die Versorgung und Unterbringung einer kranken Katze oder eines Wurfes kann Hunderte Euro kosten. Und gerade bei Landwirten, die ihre Tiere vernachlässigen, oder Fällen von Animal-Hoarding, bei denen auf einen Schlag zahlreiche Tiere untergebracht werden müssen, stellt sich die Frage: Wohin mit den Tieren?
Amtsveterinäre, die mit Tierschutzvereinen zusammenarbeiten, können am besten agieren. Diese finden immer eine Möglichkeit, auch kurzfristig viele Tiere unterzubringen. Doch viele Amtsveterinäre nutzen diese Chance nicht und haben Berührungsängste mit Tierschützern.
Der Tierschutzverein Kall und Umgebung e. V. freut sich sehr über die positive Resonanz vieler Bürger und anderer Tierschutzorganisationen, die einen Vorstoß, etwas gegen die Untätigkeit ihres Veterinäramtes zu unternehmen, unterstützen. Das zeigt, wie wichtig vielen Menschen die Umsetzung des Tierschutzgesetzes ist und dass nicht nur eine Handvoll Tierschützer einen dringenden Handlungsbedarf sehen.
Christiane von Schwind
Stand: 22.01.2012
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