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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 05. Februar 2012
Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Hund
Wenn Herrchen oder Frauchen eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Hund haben, wurde dies in der Vergangenheit oft als Zufall abgetan. Doch wie das alte Sprichwort „Wie der Herr, so’s Gescherr“ zeigt, sind äußerliche oder charakterliche Ähnlichkeiten zwischen Hunden und ihren Besitzern schon immer aufgefallen. Jetzt konnte eine amerikanische Studie diese Beobachtung bestätigen – vor allem für reinrassige Hunde.
Die US-Psychologen Nicholas Christenfeld und Michael M. Roy von der University of California in San Diego konnten in einer Untersuchung nachweisen, dass es tatsächlich Ähnlichkeiten zwischen Halter und Hund gibt.
Die Wissenschaftler hatten in einem Hundepark wahllos Hunde und deren Besitzer ausgewählt und fotografiert – Hund und Herrchen jeweils vor unterschiedlichem Hintergrund, um eine mögliche Zuordnung zu vermeiden. Dann baten sie Testpersonen, die passenden Paare zu finden.
Als ähnlich galten Paare, wenn mindestens die Hälfte der Testpersonen die echten Paare zuordnen konnte, berichteten die Forscher in der Fachzeitschrift „Psychological Science“.
Allerdings gelte dies nur für Rassehunde, nicht für Mischlinge, meinen die Wissenschaftler. Sie schließen daraus, dass die Ähnlichkeit sich nicht in der Zeit des Zusammenlebens entwickle, sondern vom Menschen – ob bewusst oder unbewusst – beim Kauf des Hundes entschieden würde.
„Es scheint, dass Menschen ein Geschöpf wollen, das so ist wie sie“, erklären die Psychologen. Beim Aussuchen eines Hundes, so die Forscher, „suchen sich Menschen auf gewisse Art einen, der ihnen ähnelt, und wenn sie einen Rassehund wählen, bekommen sie genau, was sie wollen.“
Marcus S. trainiert mit seinem Flatcoated Retriever Thai bei der Hundetrainerin Madeleine Garzorz. Hund und Herrchen haben schwarze Haare und ein längliches Gesicht. Doch zu den äußeren Ähnlichkeiten kommen auch charakterliche: Beide sind eher zurückhaltend und vorsichtig. „Thai ist nicht so ein ‚Haudrauf’, sondern eher so wie ich!“, erzählt Marcus S. Für Madeleine Garzorz gibt es sogar noch mehr Ähnlichkeiten: „Beide haben den gleichen Gang: etwas geduckt!“ Sie kennt einige Hundebesitzer in ihrer Hundeschule, die ihrem Hund ähneln. Zum Beispiel auch Axel S. und sein Golden Retriever Finn. „Beide sind blond, beide schlaksig, für fast jeden Unsinn zu haben und sehr lieb!“, beschreibt die Hundetrainerin das Hund-Halter-Gespann amüsiert.
Der Kölner Psychologe Dr. Ingo Bögner kennt die amerikanische Studie und kann aus seiner eigenen Praxis bestätigen: Jeder sucht sich den Hund aus, der am besten zu ihm passt. Hunde übernehmen heutzutage viele Funktionen. Waren sie früher vor allem Hüte- oder Wachhunde, so sind sie laut Dr. Ingo Bögner heute entweder ganz normale Familienhunde, aber häufig auch Ersatz für einen Partner oder Kinder, ein Statussymbol oder Modeaccessoire. Hundewahl ist Partnerwahl, daher ist die Wahl des richtigen Hundes so entscheidend.
„Männer achten bei der Hundewahl auf andere Eigenschaften als Frauen“, erklärt Psychologe Bögner. „Männer fragen danach, was der Hund bringt, was er leistet, wie gefährlich er ist. Frauen suchen mehr nach Gefühl aus: ‚Der ist süß, kuschelig und hübsch, so wie ich, und zusammen sehen wir noch schöner aus!’“
Kater Sunny, ein reinrassiger Britisch Kurzhaar, und seine Besitzerin Karin M. haben einige Gemeinsamkeiten: Beide „tragen“ dunkle, graue Farben, beide zwinkern mit den Augen, beide essen gerne. Lord Sunny ist ein sehr selbstbewusster und durchsetzungsstarker Kater, genau wie seine Besitzerin. Dennoch ist diese Beobachtung rein zufällig und wird von keiner wissenschaftlichen Studie gestützt.
Für Hundetrainerin Madeleine Garzorz ist klar: „Wir suchen uns einen Hund, der uns spiegelt. Er kennt uns so gut, dass er uns unsere wahren Gefühle zeigt. Und das ist auf jeden Fall magisch!“
Fest steht, dass keine Wissenschaft diese Magie erfassen kann. Die „Chemie“ zwischen Hund und Halter bleibt letztendlich ein Geheimnis.
Katharina Hadem
Stand: 03.02.2012
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