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Ratgeber
Tiere suchen ein Zuhause
Sendung vom 12. Februar 2012
Wohin mit Abgabepferden?
Pferde sind teuer, egal, ob man sie in einem Pensionsstall oder in Eigenregie hält. 400 Euro monatlich kommen da schnell zusammen. Doch das verdrängen viele Menschen, die sich unbedingt den Traum von einem eigenen Pferd erfüllen wollen. In den letzten Monaten haben sich die Heu- und Strohpreise verdoppelt und viele Pensionsställe ihre Mieten angehoben. Spätestens jetzt können zahlreiche Pferdehalter das Geld für die monatlichen Kosten nicht mehr aufbringen und wollen beziehungsweise müssen ihre Pferde abgeben.
Das Naheliegende ist, sein Pferd weiterzuverkaufen. Doch der Markt ist voll, auch weil Züchter über den Bedarf hinaus immer weiter Pferde „produzieren“. Bei dem Verkauf an Pferdehändler besteht die Gefahr, dass „Ladenhüter“ irgendwann beim Schlachter landen. Besonders schwer zu verkaufen sind alte, kranke und nicht mehr reitbare Pferde. Doch bei Tierheimen und Gnadenhöfen anzurufen, lohnt sich kaum – diese sind mittlerweile hoffnungslos überfüllt. Manche Pferdehalter sind so verzweifelt, dass sie ihr Pferd als Beistellpferd zum Geschenk anbieten. Doch Vorsicht: Auf solche Angebote haben sich einige Pferdehändler spezialisiert, die sich als private Pferdeliebhaber ausgeben.
Nicht nur ist es schwierig, einen guten Platz für das Pferd zu finden. Es fällt vielen Pferdehaltern auch schwer, sich von ihrem Tier zu trennen, auch wenn dies dringend geboten wäre. Aus diesem Grund sparen sie lieber – am Hufschmied, am Tierarzt und manchmal sogar am Futter. Immer häufiger müssen Amtstierärzte hungernde und verwahrloste Pferde beschlagnahmen. Neben finanziellen sind aber auch private oder psychische Probleme ein Abgabegrund. Insbesondere Animal-Hoarding-Fälle, bei denen Menschen krankhaft Tiere sammeln und keine mehr abgeben wollen, stellen die Amtsveterinäre vor große Probleme. Hier sind sie gleich mit Dutzenden von Pferden in Not konfrontiert.
Die gestiegenen Heu- und Strohpreise machen auch Reitställen schwer zu schaffen. Manche kommen sogar an den Punkt, wo sie aufgeben müssen. Auch hier stehen Insolvenzberater und Amtsveterinäre vor dem Problem, dass sie gleich Dutzende Pferde retten müssen. Der Grund für die Insolvenzen sind Missmanagement, hohe Steuern und Versicherungen, gestiegene Energie- und Futterpreise und häufig auch zu viele Pferde auf dem Hof, die nicht mehr für Einnahmen sorgen können. Doch viele Reitstallbesitzer scheuen sich, ihre Preise für Reitstunden und Boxenmiete auf ein kostendeckendes Maß zu erhöhen, aus Angst, Kunden zu verlieren, die ebenfalls bereits am finanziellen Limit sind.
Bevor ein Pferd seinem Besitzer weggenommen wird, erhält dieser in der Regel Auflagen. Erst wenn sie nicht erfüllt werden und/oder es dem Tier sehr schlecht geht, holt das Veterinäramt das Pferd ab. Manche Ämter versuchen, die Notfälle über Tierschutzvereine weiterzuvermitteln oder sie auf Gnadenhöfen unterzubringen. Einige kooperieren auch mit Händlern.
Für das Veterinäramt Kleve ist das keine Option. Die Amtsveterinärin Dr. Sylvia Heesen und ihre Kollegen geben sich große Mühe, jedes Tier ideal unterzubringen. In letzter Zeit hatten sie so viele Fälle von verwahrlosten Pferden, dass das Veterinäramt Boxen bei einem Landwirt gemietet hat, um jederzeit Notfälle unterbringen zu können. Hier werden die Tiere aufgepäppelt und dann an Pferdefreunde weitervermittelt. Dazu veranstaltet das Veterinäramt Auktionen auf dem Hof, wobei es die neuen Halter genau prüft. Dazu gehören auch Nachkontrollen bei den neuen Besitzern.
Auch das im Beitrag vorgestellte Pony musste unter den Problemen seiner Besitzerin leiden. Willi ist 30 Jahre alt und nicht mehr reitbar. Der Wallach ist jedoch gesund und freut sich seines Lebens. Das Veterinäramt sucht nun Pferdehalter mit Erfahrung und dem nötigen Geld, um Willi ein neues Zuhause zu geben.
Tel. (0 28 21) 85-720 (werktags zwischen 9.00
und 12.00 Uhr)
E-Mail: vet-verwaltung@kreis-kleve
Christiane von Schwind
Stand: 10.02.2012
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