Zahnpflege bei Hund und Katze

Studiogespräch mit dem Tierarzt Dr. Klaus Eckert

  • Sonntag, 24. Juni 2012, 18.15 - 19.10 Uhr

Moderatorin unterhält sich mit Tierarzt

Zahnpflege bei Hund und Katze

(55:00)

Sonntag, 24. Juni 2012, 18.15 - 19.10 Uhr

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Zahnpflege beim Hund

Mechanische Reinigung

Sowohl beim Hund als auch bei der Katze unterscheidet man zwischen mechanischer und antibakterieller Reinigung. Beim Hund funktioniert die mechanische Reinigung über Kaustangen und -knochen, Gummistangen, sogenannte Ochsenziemer und auch Kaustricke, die im Idealfall wie Zahnseide funktionieren. Beißt und kaut der Hund auf essbaren Kaustangen oder Kauspielzeug herum, werden Zahnhälse und Zahnschmelz auf natürliche Art und Weise abgerieben und von Futterrückständen befreit. Kaustangen mit einer gröberen Oberfläche bieten hier den besseren Reinigungseffekt. Denn Futterrückstände in Zahnzwischenräumen lassen bakterielle Fäulnisprozesse entstehen, die neben Zahnstein im schlimmsten Fall auch Karies, sprich Zahnfäulnis provozieren.

Kaustange für Hunde

Eine andere Methode der mechanischen Zahnreinigung bei Hunden ist das Zähneputzen. Mittlerweile gibt es sowohl Hunde-Zahnbürsten als auch Hunde-Zahnpasta. Allerdings lassen sich die wenigsten Hunde gerne die Zähne putzen, und somit gestaltet sich diese Praxis im Alltag eher schwierig.

Antibakterielle Reinigung

Die andere Art der Zahnreinigung basiert auf einer antibakteriellen beziehungsweise desinfizierenden Lösung – einer Chlorhexidin-Lösung, welche beim Tierarzt erhältlich ist. Die Lösung wird auf einen Wattebausch aufgetragen. Mit diesem benetzt man Zahnschmelz und Zahnhälse. Die in der Chlorhexidin-Lösung enthaltenen Inhaltsstoffe wirken desinfizierend. In verdünnter Form angewandt ist diese Lösung für Tiere vollkommen ungefährlich und kann ergänzend verabreicht oder alternativ nach Packungsbeilage auch tröpfchenweise dem Trinkwasser beigefügt werden. Sinnvoll ist eine Kombination aus beidem: der mechanischen Reinigung, welche Futterreste aus den Zähnen entfernt, und der antibakteriellen Reinigung.

Alle Zahnpflegeprodukte

Darüber hinaus gibt es Trockenfutter, das mit Enzymen versetzt ist. Diese Enzyme werden beim Knacken der Pellets durch den Speichel aktiviert und erzielen eine antibakterielle Wirkung in der Mundhöhle. Weitere Auskünfte bekommen Sie bei Ihrem Tierarzt oder im Zoofachhandel.

Übrigens neigen kurz- und mittelköpfige Hunderassen wie der Cockerspaniel oder der Mops eher zu Zahnstein und entzündlichen Veränderungen am Gebiss als langköpfige Hunderassen wie etwa der Schäferhund. Dieser hat eine längere Kieferplatte, sodass die Zähne weiter auseinander stehen. Auch die Zunge ist länger, und der Speichel kommt besser zwischen die Zähne und kann somit antibakteriell wirken.

Modell eines Hundegebiss

Ganz wichtig: Unabhängig von viel oder wenig betriebener Zahnpflege sollte jeder Hund etwa jedes halbe Jahr beim Tierarzt zum Zahncheck vorgestellt werden. Bereits vorhandener Zahnstein muss vom Tierarzt professionell entfernt werden, um Entzündungen vorzubeugen.

Zahnpflege bei der Katze

Auch bei der Katze ist rein theoretisch eine mechanische Reinigung möglich. Allerdings gibt es für Katzen längst nicht so viele Spielzeuge oder Kaustangen auf dem Markt, aus einem simplen Grund: Katzen beißen einfach weniger gerne und noch weniger ausdauernd auf etwas herum. Auch das Zähneputzen ist bei Katzen hypothetisch, oder besser gesagt rein theoretisch eine Möglichkeit: Probieren Sie es aus!

Sollte dies nicht glücken, ist die desinfizierende Reinigung bei der Katze eine stressfreie und praktikable Lösung. Wie beim Hund kommt hier eine Chlorhexidin-Lösung zum Einsatz, die antibakteriell wirken kann. Entweder auf einen Wattebausch geben und manuell auf die Katzenzähne auftragen oder nach Packungsbeilage ins Trinkwasser dosieren. Geben Sie die Lösung ins Trinkwasser, sollten Sie genau beobachten, ob Ihre Katze weiterhin wie gewohnt trinkt. Manche Stubentiger haben so eine empfindliche Nase, dass sie die Lösung riechen. In diesem Fall einfach eine noch niedrigere Dosierung ausprobieren. Auch für Katzen gibt es entsprechendes Trockenfutter.

Katzengebiss wird mit Wattebausch abgerieben

Katzen sollten ebenfalls regelmäßig dem Tierarzt zur Zahnkontrolle vorgestellt werden. Sie sind ebenso anfällig für Zahnstein wie kurzköpfige Hunderassen. Außerdem werden Katzen oftmals vermehrt oder sogar ausschließlich mit Nassfutter gefüttert, welches sich im Gegensatz zum Trockenfutter leichter zwischen den Zähnen festsetzt und Bakterienbildung und Zahnstein begünstigt.

Regelmäßige Kontrolle beim Tierarzt

Die regelmäßige Kontrolle der Zähne durch den Tierarzt ist deshalb wichtig, da nicht jede entzündliche Veränderung dem Halter sofort auffällt. Schreitet eine Entzündung am Zahn jedoch unbemerkt voran, kann es gefährlich werden. Die Giftstoffe des entzündlichen Prozesses werden über die Blutbahn zum Herzen transportiert und können dort eine Herzklappenentzündung hervorrufen. Nicht selten führen solche Fortsetzungen zu Nierenbeckenvereiterungen bis hin zum Leberabszess. Dies kann sowohl durch den regelmäßigen Blick des Halters auf die Zähne verhindert werden als auch ergänzend durch die Kontrolle beim Tierarzt.

Ist der Zahnstein beim Tierarzt entfernt worden, ist die Zahnpflege im Alltag unerlässlich für die weitere Gesunderhaltung des Gebisses. Wird nichts unternommen, bildet sich der Zahnstein innerhalb von zwei bis drei Monaten nach und muss erneut entfernt werden.


Stand: 24.06.2012