Tourwork Klinomobil
- Sonntag, 18. November 2012, 18.15 - 19.10 Uhr
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Wer als Tierfreund aus privater Initiative Tieren hilft und Notfälle bei sich aufnimmt, steht oft vor finanziellen Problemen, denn Tierschutz ist teuer.
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Der Gnadenhof Komet hat das Projekt Tourwork initiert. Dabei hilft eine Tierärztin mobil mit Rat und Tat.
Tourwork
Der Gnadenhof Komet hat deshalb vor vier Jahren das Projekt Tourwork ins Leben gerufen. Unterstützt wird die Tour durch ganz Deutschland auch von der Tierschutzorganisation „tierwork e. V.“. Beide Organisationen entscheiden über die genaue Route der Tourwork. Zwei- bis dreimal im Jahr fährt die Hamburger Tierärztin Corinna Mick auf einer Strecke von Hamburg bis Kaiserslautern verschiedene Stationen ab und steht den Tierschützern mit Rat und Tat zur Seite. Sie führt Check-ups durch, impft, kastriert und behandelt Tiernotfälle. Alle Stationen, die auf der Tour angefahren werden, sind den Organisatoren bekannt, und es wird im Vorhinein geprüft, ob die Tiere dort auch artgerecht gehalten werden. Die Auswahl der Stationen erfolgt nach der Dringlichkeit und den Kosten der Behandlungen. So sollen finanzielle Löcher, die durch eine Behandlung bei einem ortsansässigen Tierarzt entstehen würden, verhindert werden.
Blutegeltherapie
Und hohe Kosten sind nicht selten. Auf dem Pferdeschutzhof Fort Knox in Köln stehen derzeit sieben Pferde, die alle versorgt werden müssen. Drei davon sind über den Gnadenhof Komet dorthin gekommen. So auch der 28-jährige Trakehner Angelo: Aufgrund einer unbehandelten Verletzung hat der Hengst eine chronische Durchblutungsstörung – ein sogenanntes Elefantenbein. Sein ehemaliger Besitzer wollte Angelo verhungern lassen, weil er nicht mehr reitbar war. Im Dezember 2011 kam er halb verhungert auf den Hof von Jaqueline N. Tierärztin Corinna Mick möchte Angelo mit Blutegeln behandeln. Sie fertigt dafür einen Verband an, der wie eine Art Nest um das Bein des Pferdes gebunden wird. Dann werden die Blutegel auf das Bein gesetzt. Schon nach kurzer Zeit beißen sich die Blutegel fest und saugen die Entzündungssekrete aus dem Bein heraus. Dadurch wird das Blut gereinigt. Etwa eine Stunde dauert die Behandlung. Die Blutegel dürfen erst dann wieder entfernt werden, wenn sie sich von selbst lösen. Die Bisswunden bluten noch einige Zeit nach. Das ist ebenfalls wichtig für die Blutreinigung.
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Der Trakehner Angelo hat ein sogenanntes Elefantenbein, das von der Tierärztin Corinna Mick mit einem Verband und Blutegeln behandelt wird.
Tierärztliche Gebührenverordnung
Die Kosten für Medikamente und die Arbeitszeit der Tierärztin übernimmt der Verein. Laut Paragraf 1 der Gebührenverordnung für Tierärzte dürfen Tierärzte in Deutschland nicht kostenfrei arbeiten. Sie müssen Gebühren zwischen dem einfachen und dreifachen Satz nehmen. Um die Kosten während der Tour so gering wie möglich zu halten, rechnet Tierärztin Corinna Mick nur den einfachen Satz ab.
Altersherz
Das rechnet sich, besonders auf Tierschutzhöfen, wo viele verschiedene Tiere zu versorgen sind. So auch auf Gut Steinhausen in Wermelskirchen. Vor vier Jahren hat die Besitzerin Martina B. den Hof gekauft, und seitdem nimmt sie dort immer wieder Tiernotfälle auf, die ohne ihre Hilfe sterben müssten.
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Die Mischlingshündin Alma atmet sehr schwer. Grund ist ein starkes Altersherz, welches nicht mehr gut pumpt und unregelmäßig schlägt.
So war es auch bei der zwölfjährigen Mischlingshündin Alma, die vor zwei Jahren zu Martina B. kam. Die ehemalige Zuchthündin hat Beschwerden beim Laufen, da sie ihr ganzes Leben ohne jegliche Bewegung in einer Box stehen musste. Außerdem ist ihre Atmung sehr schwer. Die Tierärztin diagnostiziert ein starkes Altersherz. Das bedeutet, dass es nicht mehr gut pumpt und der Herzschlag der Hündin auch nicht mehr regelmäßig ist. Allerdings ist ihr Zustand stabil, und Medikamente braucht Alma noch nicht. Kritisch wird es, wenn sie keine Luft mehr bekommt oder sogar Wasser aus ihrer Nase beziehungsweise dem Mund läuft. Dann muss sofort gehandelt werden und ein Besuch bei einem Tierarzt oder in einer Tierklinik wird nötig. Für solche Behandlungen kann die Tierärztin aufgrund der Entfernung zwar nicht mehr zur Stelle sein, aber sie steht für eine telefonische Beratung auch über die Tour hinaus zur Verfügung.
Katzenkastration
Auf der Tour werden zwar nur bestimmte Stationen angefahren, aber bei telefonischer Anmeldung übernimmt die Tierärztin auch die Behandlung akuter Notfälle oder die Kastration von Streunern. Denn diese Tierschutzarbeit ist für die Organisatoren der Tour Ehrensache, um die Population der freilebenden Katzen einzudämmen. Schließlich sind die Katzenhäuser in den Tierheimen immer noch voll, und viele Tierheime verhängen deswegen einen Aufnahmestopp.
Die Kastration von Katzen ist keine sehr zeitaufwendige Behandlung. Die Kastration eines Katers dauert gerade mal fünfzehn Minuten, für eine Katze benötigt die Tierärztin eine knappe halbe Stunde.
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Da die Katzenhäuser in den Tierheimen sehr voll sind, ist es sehr wichtig, herumstreunernde Katzen zu kastrieren.
Bei einem Eingriff mit Vollnarkose sollte das Tier zwölf Stunden vorher nicht mehr fressen. Wasser kann jederzeit getrunken werden. Auch nach dem Eingriff sollten man auf Folgendes achten: Die erste Mahlzeit sollte erst wieder nach vier bis fünf Stunden eingenommen werden. Außerdem sollte das Tier in einem ruhigen Plätzchen untergebracht sein. Dieser sollte nicht erhöht sein, da aufgrund der Nachwirkung der Narkose erhöhte Verletzungsgefahr besteht.
Sommer-Ekzem
Auch Pferde sind auf dem Hof von Martina B. untergebracht. Eines davon ist das anderthalbjährige Shetlandpony Amadeus. Der Hengst kam erst vor ein paar Monaten nach Wermelskirchen, da ihn sein ehemaliger Besitzer schlachten wollte. Denn die Kosten für seine Kastration wollte dieser nicht übernehmen. Mittlerweile hat Amadeus schon ein neues Zuhause gefunden, allerdings soll er vorher kastriert und geimpft werden.
Bei der Untersuchung des Ponys entscheidet sich Corinna Mick gegen eine Kastration, da sie bei Amadeus ein sehr ausgeprägtes Sommer-Ekzem entdeckt, das ihrer Meinung nach dringender behandelt werden muss. Diese Erkrankung kommt im Sommer häufig bei nordischen Pferden wie Isländern oder Shetlandponys vor. Es ist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Insekten. Es zeigt sich am häufigsten am Mähnenkamm. Symptome sind kaum zu erkennen. Erst wenn sich der Juckreiz einstellt und sich die Pferde scheuern, fallen die Haare aus und es entstehen teilweise eitrige Wunden.
Um die Entzündung zu bekämpfen, wird Amadeus ein Antibiotikum verabreicht. Das soll die Entzündung hemmen und damit auch den Juckreiz verschwinden lassen. Außerdem wird er mit einer Emulsion behandelt. Die wird auf die geschädigten Stellen gerieben, damit sich die Wunden schließen und der Juckreiz nachlässt. Ein guter Schutz gegen das Sommer-Ekzem sind spezielle Pferdedecken oder Fliegenmasken. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Weidegänge der betroffenen Pferde eher tagsüber bei Hitze oder starkem Wind stattfinden. Denn dann sind die Insekten weniger aktiv.
Autorin: Kati Kolbe
Stand: 18.11.2012
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