Gefahr für Fledermäuse

Das unterschätzte Risiko Windräder

  • Sonntag, 25. November 2012, 18.15 - 19.10 Uhr
  • Montag, 26. November 2012, 03.45 - 04.40 Uhr (Wdh.)

In der Natur stehende Windkraftwerke

Gefahr für Fledermäuse

(55:00)

Sonntag, 25. November 2012, 18.15 - 19.10 Uhr

  • Sendung verpasst?
  • Livestream
  • Vorschau
  • Spezial

Seit gut 20 Jahren sieht man sie in Deutschland: Windräder. Dass sie eine tödliche Gefahr für Eulen, Greif- und Zugvögel sind, wurde früh erkannt. Mittlerweile versucht man, die Gefährdung durch Mindestabstände der Windräder zu Brutplätzen und den Flugrouten der Zugvögel zu minimieren. Doch Fledermäuse sind ebenfalls betroffen und das offenbar mehr als bisher angenommen.

In der Natur stehende Windkraftwerke

Das unterschätzte Risiko

Die Gefahr für die nachtaktiven Tiere wurde lange vernachlässigt, obwohl alle Fledermausarten unter strengem Schutz stehen. Erste Studien aus Süddeutschland haben gezeigt, dass durchschnittlich etwa 21 Fledermäuse pro Windrad im Jahr sterben – entweder durch eine Kollision mit den Rotoren oder an inneren Verletzungen aufgrund der starken Turbulenzen. Die hohen Opferzahlen erstaunten selbst Fachleute. Sie befürchten, dass gerade kleine Populationen die hohe Sterberate nicht durch Geburten ausgleichen können.

Es gibt kaum Schutzmaßnahmen

Zwar laufen Versuche, Windräder in Gegenden mit vielen Fledermäusen vorübergehend abzuschalten – zum Beispiel nachts, wenn diese jagen. Tierschützer halten eine Betriebszeitenbeschränkung jedoch für wenig praktikabel, weil sie aufwendig und teuer ist.

Außerdem sind Fledermäuse wenig erforscht, und man müsste viel mehr über die lokalen und wandernden Populationen, ihr Jagdverhalten, ihre Flughöhe usw. wissen, um zu entscheiden, wann das Abschalten einer Anlage sinnvoll ist. Da man bisher keine weiteren Schutzmaßnahmen kennt, gilt die sorgfältige Auswahl der Standorte für Windräder als entscheidend, um das Risiko für Fledermäuse zu minimieren.



Die beiden Fledermausschützer

Kritik der Tierschützer

Doch auch für die Auswahl geeigneter Standorte braucht es fundierte Studien, die bisher fehlen. Die Experten Dr. Henrike und Holger Körber vom Arbeitskreis Fledermausschutz Aachen kritisieren das rasante Tempo, in dem Windräder aufgestellt werden. Inakzeptabel finden sie vor allem die Pläne, weitere Anlagen in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Eifel zu bauen. Der hätte sich schließlich in besonderem Maße dem Schutz der Tierwelt verschrieben und sei schon jetzt umzingelt von Windrädern.



Die Gutachten, die weitere Anlagen für unbedenklich erklären, halten die Körbers für unzureichend, da sie häufig in kurzer Zeit und nur auf Stichproben basierend erstellt würden. Sie fordern mehr Zeit und Geld für Studien, damit der Mensch nicht Tiere in ihrer Existenz gefährdet, die er gerade erst kennenlernt.

Eine Fledermaus bekommt von einem Menschen etwas zu trinken

Windkrafträder im Wald – für Tierschützer ein Tabu

Vehement wehrt sich das Ehepaar Körber auch gegen die Überlegung einiger Eifelgemeinden, ihre bisher gesperrten Wälder für Windräder freizugeben, um Geld einzunehmen. Im Wald leben besonders viele Fledermäuse. Auch andere Natur- und Tierschützer sehen darin einen Tabubruch, ist doch der Wald das letzte Rückzugsgebiet für viele seltene Tiere. Die Risiken für Fledermaus, Wildkatze, Schwarzstorch und Co. seien unabsehbar und die Errichtung von Anlagen im Wald beim derzeitigen Forschungsstand unverantwortlich. Fortschritt und erneuerbare Energien ja, aber mit Rücksicht auf die Natur.



Autorin: Christiane von Schwind


Stand: 25.11.2012