Menschenaffen im Zoo
Schlechte Noten für deutsche Zoos
- Sonntag, 09. Dezember 2012, 18.15 - 19.10 Uhr
- Montag, 10. Dezember 2012, 03.45 - 04.40 Uhr (Wdh.)
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Seit Jahrzehnten gelten sie als Publikumsrenner. Kaum ein Zoobesucher, der beim Anblick eines Menschenaffen nicht ins Schwärmen gerät. Die Faszination für die nächsten Verwandten des Menschen ist verständlich, und ein Zoo ohne Gorillas oder Schimpansen ist für viele Besucher kein richtiger Zoo.
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Menschenaffen sind ein Renner im Zoo. Doch erfahren die Tiere dort eine artgerechte Haltung?
Der Zoo als geschütztes Refugium
Tatsächlich wird durch Abholzung und Brandrodung der Lebensraum von Gorillas, Schimpansen und Orang Utans zunehmend eingeschränkt. Ein Großteil der Menschenaffen ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Und der Zoo, so der Verband der Deutschen Zoodirektoren, schaffe den Menschenaffen ein geschütztes Refugium. Doch kann ein Zoo den Tieren auch eine artgemäße Haltung bieten?
Great Ape Project testet Zoos in Deutschland
Genau das wollte Colin Goldner herausfinden. Im Auftrag der internationalen Tierschutzorganisation „Great Ape Project“ untersuchte er in Deutschland sämtliche Zoos, die Menschenaffen halten. Gegenstände der Bewertung waren die Größe des jeweiligen Geheges, aufgeteilt nach Grundfläche und Höhe, sowie Ausstattung und Materialbeschaffung. Außerdem wurde untersucht, ob ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere vorhanden waren. Goldner versuchte zusätzlich herauszufinden, ob die Menschenaffen Symptome psychischer Störungen und Erkrankungen zeigen.
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Die internationale Tierschutzorganisation „Great Ape Project“ untersuchte sämtliche Zoos in Deutschland auf ihre Haltung von Menschenaffen.
Schlechte Bewertung für die Haltung von Menschenaffen
Das Ergebnis der Studie erschien im Juli 2012 in der deutschen Ausgabe von „National Geographic“. Der Großteil der 38 Zoos erhielt die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Nur sechs Zoos erhielten die Note „ausreichend“. Darunter auch der Kölner Zoo.
In NRW erhielten zwei Zoos ein „ungenügend“
Psychische Erkrankungen von Menschenaffen konnte das „Great Ape Project“ im Kölner Zoo nicht beobachten, laut Studie jedoch in anderen Zoos. In Nordrhein-Westfalen erhielten allein deshalb zwei Zoos die Note „ungenügend“, darunter auch die Schimpansenhaltung des Wuppertaler Zoos. „Ungenügend“ bedeutet, dass die Zoos unter den gegebenen Umständen keine Menschenaffen halten dürften. So kritisiert Colin Goldner, dass die beiden im Wuppertaler Zoo gehaltenen Schimpansen Ipolo und Kitoto bis zum heutigen Tag kein Außengehege haben. So habe Ipolo, der inzwischen 42-jährige Schimpanse, sein Leben lang noch nie einen Grashalm unter den Füßen oder einen Sonnenstrahl auf der Nase gespürt.
Mittlerweile plant der Wuppertaler Zoo ein Außengehege für seine Menschenaffen. Angeblich sollen sich dann auch Ipolo und Kitoto dort aufhalten dürfen. Ein Außengehege erfordert jedoch den nötigen Raum und vor allem viel Geld. Oft fehlt beides. Und selbst wenn eine Anlage erweitert wird, kann sie laut Studie des „Great Ape Projects“ allenfalls ein „ausreichend“ erreichen. Für Colin Goldner ist ein Zoo nur dann „gut“ oder „sehr gut“, wenn er den Menschenaffen ihren natürlichen Lebensraum bietet, sprich: den Urwald. Doch das ist in Deutschland allein schon aus klimatischen Gründen nicht möglich. Nach Colin Goldner haben „Menschenaffen in Zoos nichts verloren“.
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Ein Außengehege braucht einiges an Platz und kostet viel Geld, stellt aber auch eine Mindestanforderung bei der Haltung dar.
Eine optimale Lösung für die Menschenaffen wird es in absehbarer Zeit wohl nicht geben – weder im Zoo noch in der freien Wildbahn. Doch in den Zoos man kann bessere Lösungen finden. Zum Beispiel, indem man die Mindestanforderungen für die Haltung von Menschenaffen deutlich erweitert. Die Note „ausreichend“ sollte nicht das Ende der Fahnenstange sein, aber zumindest sollte sie von allen deutschen Zoos erfüllt werden.
Autor: Jörg E. Mayer
Stand: 09.12.2012
- Tierschutzverein Great Ape Project Homepage
- Verband Deutscher Zoodirektoren (VDZ) Homepage
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