Spenden für den Tierschutz

Darauf sollte man achten

  • Sonntag, 09. Dezember 2012, 18.15 - 19.10 Uhr
  • Montag, 10. Dezember 2012, 03.45 - 04.40 Uhr (Wdh.)

Verschiedene Prospekte unterschiedlicher Tierschützer

Spenden für den Tierschutz

(55:00)

Sonntag, 09. Dezember 2012, 18.15 - 19.10 Uhr

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220 Millionen Euro Spendengelder gehen in Deutschland jährlich an den Tierschutz, Tendenz steigend. Seit dem Wegfall des Sammlungsgesetzes in NRW Anfang 1998 kann jeder für den Tierschutz sammeln – ohne einer staatlichen Aufsicht oder gar dem Spender Rechenschaft ablegen zu müssen. Während Rheinland-Pfalz seit 2003 insgesamt 74 Sammlungsverbote verhängte, wovon rund ein Drittel Tierschutzorganisationen waren, fällt diese Kontrolle in NRW weg. Das birgt Gefahren: Nicht nur unter Straßensammlern gibt es schwarze Schafe; das Geschäft mit dem Mitleid ist längst eine lukrative Verdienstquelle geworden, wobei das Geld nicht zwangsläufig beim Tier ankommt.



Verschiedene Prospekte unterschiedlicher Tierschützer

Seriöse Ansprache

„Mögen Sie Tiere?“ – Wer in diesen Tagen durch die Innenstadt läuft, kennt diese Frage nur zu gut, denn Weihnachtszeit heißt Spendensammelzeit. Häufig bekommt der potenzielle Spender dann Fotos von leidenden und gequälten Tieren unter die Nase gehalten und fühlt sich schlecht, wenn er dem Sammler die kalte Schulter zeigt. Dazu gibt es jedoch keinen Grund, denn wer mit einer Sammelbüchse und mitleiderregenden Fotos emotionalen Druck ausübt, arbeitet nicht seriös. Gerlinde Waschke von der Verbraucherzentrale NRW sieht diese Art der Spendengewinnung als untrügliches Zeichen dafür, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Seriöse Sammler seien eher zurückhaltend, weil sie von einer guten Sache überzeugen wollen, so Waschke.



Gemeinnützigkeit

Ein weiteres wichtiges Kriterium für Seriosität ist die Gemeinnützigkeit. Wird eine Organisation als gemeinnützig eingestuft, so zielt sie darauf ab, das Gemeinwohl zu fördern. Doch längst nicht jeder eingetragene Verein ist auch als gemeinnützig anerkannt. Die Gemeinnützigkeit wird alle drei Jahre durch das zuständige Finanzamt geprüft und neu vergeben. Für den spendensammelnden Verein bedeutet die Gemeinnützigkeit vor allem Steuervergünstigungen.

Ein Frau lässt sich beim Tierschutzbund beraten

Transparenter Umgang mit Finanzzahlen

Seriöse Vereine und Organisationen gehen transparent mit ihren Finanzen um und legen dem interessierten Spender auf Nachfrage auch Geschäftsberichte offen. Wer auf Nachfrage keine Informationen zu der Verwendung der Mittel erhält, sollte von einer Spende absehen. Doch auch Geschäftsberichte muss man als Spender zu lesen wissen. Bei Organisationen mit einem großen Verwaltungsapparat beispielsweise, sollten Werbungs- und Verwaltungskosten 30 Prozent nicht übersteigen (Richtwert des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, DZI).



DZI-Spendensiegel

Das DZI-Spendensiegel ist das Gütesiegel für Seriosität bei spendensammelnden Organisationen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen vergibt das Siegel an gemeinnützige Organisationen, die überregional Spenden sammeln. Das Spendensiegel muss jedes Jahr neu beantragt werden. Trägt eine Organisation das Siegel, ist durch das DZI garantiert, dass eindeutig und sachlich geworben, sparsam gewirtschaftet und die Verwendung der Spendengelder nachprüfbar offengelegt wird. Trägt eine Organisation kein Spendensiegel, ist das noch kein Anzeichen mangelnder Seriosität: Die jährliche Prüfung ist mit hohem Aufwand und Kosten verbunden, die sich kleinere Vereine und Organisationen oft sparen.



Das DZI-Spendensiegel

Auf der Internetseite des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen können sich Spendenwillige in einer Datenbank-Suche über entsprechende Organisationen informieren. Unter dem Punkt „Das DZI rät ab“ findet man außerdem Organisationen, die das DZI als nicht förderungswürdig einstuft und vor denen es warnt.



Buchtipp:

  • Stefan Loipfinger
    Die Spendenmafia
    Schmutzige Geschäfte mit unserem Mitleid

    Knaur TB, 2011
    ISBN 9783426784983
    Preis: 8,99 Euro


Autorin: Anna Böer


Stand: 09.12.2012