Training gegen Silvesterpanik
Ein Geräusch-Training kann Hunden helfen
- Sonntag, 16. Dezember 2012, 18.15 - 19.10 Uhr
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Hunde haben empfindlichere Ohren und Nasen als Menschen. Für viele Hundebesitzer ist Silvester deshalb immer mit Stress verbunden – weil ihre Hunde unter den Böllergeräuschen leiden, manchmal sogar panisch reagieren. Die Anwesenheit des Halters und der Rückzug ins Haus lindern das Problem. Für eine nachhaltige Wirkung kann man ein Training gegen die Silvesterpanik in Angriff nehmen. Es beginnt mit der Frage nach den Ursachen der Angst.
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Manche Hunde geraten regelrecht in Panik, wenn sie die lauten Böller an Silvester hören. Doch dem kann man durch Training vorbeugen.
Ursachen
Angst ist ein überlebensnotwendiges Gefühl und darf nicht wegtrainiert werden. Das Ziel ist ein angemessener Umgang mit den angstbesetzten Reizen. Die negative Verknüpfung hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Genetische Prägung: Die Selektion auf ein kommunikativ sensibles Verhalten, zum Beispiel bei Hütehund-Rassen, verstärkt die Empfindlichkeit für Reize.
Individuelle Prägung: Wurde der Hund schon als Welpe behutsam an verschiedene Reize gewöhnt, ist er als erwachsener Hund duldsamer.
Alter: Ein junger Hund wird eine negative Erfahrung anders bewerten als ein erwachsener Hund.
Erziehungsmethoden: Geräuschintensive Verhaltensunterbrecher wie Wurfketten oder Sprüh-Halsbänder können ein Geräusch-Trauma erzeugen, weil der Hund lernt, unerwartete Geräusche negativ zu verknüpfen.
Vertrauen: Hat der Hund kein Vertrauen zum Halter, fühlt er sich nicht beschützt und reagiert nach eigenem Ermessen. Vermittelt der Halter dagegen, dass er die Situation kontrolliert und den Reiz neutral bis positiv bewertet, hat der Hund weniger Stress.
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Hat der Hund großes Vertrauen in seinen Halter, reagiert er meist schon entspannter. Auch diese Bindung kann trainiert werden.
Training im Freien
So ein Verhaltenstraining sollte nur unter fachlicher Aufsicht erfolgen. Außerdem ist das Vertrauen des Hundes zum Halter die notwendige Voraussetzung für ein Training, bei dem der Hund mit unerwarteten oder negativ verknüpften Reizen konfrontiert werden soll. Er sollte bereits gewohnt sein, dass der Halter den dabei benutzten Dummy (Jagdbeute) kontrolliert, der Hund sollte also auf Kommando apportieren können. Das Training sollte in vertrauter und reizarmer Umgebung beginnen.
1. Schritt: Gute Laune erzeugen und Spiel abbrechen
Das Training beginnt mit einem positiven Reiz, einem Jagdspiel, bei dem der Hund ein Erfolgserlebnis hat. Das hilft, die folgenden Erlebnisse zu verarbeiten. Wichtig ist, dass der Halter den Hund im Spiel abrufen kann. Denn was im Positiven – beim Spiel – nicht gelingt, wird auch im Negativen – bei der Konfrontation mit einem irritierenden Reiz – nicht gelingen.
2. Schritt: Konfrontation mit einem unerwarteten Geräusch
Zunächst wird das Geräusch vom Halter produziert, während der Hund aus sicherer Distanz das Geschehen beobachtet. Dies geht zum Beispiel mithilfe eines wippenden Rohrs, das die Jagdbeute enthält, die bei einem Schlag auf das Rohr herausfällt. Danach soll der Hund dieses Geräusch selbst produzieren und dabei die Jagdbeute finden.
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Das Geräusch-Training erfordert keine teuren Gerätschaften.
3. Schritt: Konfrontation mit einem dauerhaften Geräusch
Die Jagdbeute ist zum Beispiel an einen mit Kronkorken gefüllten Beutel gebunden, der auf einem Eimer liegt. Beim Herunter- und Hinterherziehen entstehen Geräusche, die den Hund verfolgen. Danach wird die scheppernde Jagdbeute zum Apportieren zurück zum Eimer geworfen, den Ort, an dem das Geräusch zuerst entstanden ist.
4. Schritt: Externer Knall
Während der Hund beschäftigt und durch eine lange Leine Fluchtreaktionen vorgebeugt wird, ertönt ein Knall, etwa erzeugt durch zwei kräftig aneinander geschlagene Hölzer. Der Knall wird nach einiger Zeit wiederholt, falls sich der Hund wieder dem Spiel mit der Jagdbeute zugewandt hat.
5. Schritt: Explodierender Böller
Auch dabei sollte der Halter den Hund gut beobachten, um ihn rechtzeitig ablenken und zum Apportieren auffordern zu können. Falls das Weiterspielen gelingt, sollte die Beute zum abgebrannten Böller hin geworfen werden. Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Neugier überwiegt und der Hund sich mit dem Geruch vertraut macht.
Training zu Hause
In den eigenen vier Wänden kann der Hund behutsam an die Reize Blitz, Geräusch und Geruch gewöhnt werden. Während der Übungen ist der Halter entspannt und verhält sich neutral oder verbindet den Reiz mit einer angenehmen Aktion (zum Beispiel Fellpflege oder Spiel). Der Halter kann zusätzlich Sicherheit geben, indem er sich zwischen Reiz und Hund platziert.
Wunderkerze im Glas: Der Hund hat die Möglichkeit, den Blitz und den Geruch kennen zu lernen.
Geräusch-CD: Von Hundetrainern angebotene Geräusch-CDs oder Audiodateien im Internet erzeugen nicht den Schalldruck von Silvesterknallern, helfen aber dem Hund, sich mit Geräuschen und Reaktionen des Halters vertraut zu machen. Die Lautstärke kann je nach Reaktion langsam gesteigert werden. An Silvester können die Geräusche aus der Konserve mit über den Tag steigender Lautstärke den Kontrast zwischen Drinnen und Draußen abmildern.
Rückzugsmöglichkeit: Der Hund sollte eine Höhle haben, zum Beispiel in Form einer Hundebox, in die er sich bei vermeintlicher Gefahr verkriechen kann.
Auch bei diesen Übungen muss der Halter darauf achten, dass die Gewöhnung behutsam geschieht. Es ist ratsam, einen Hundetrainer dazu zu ziehen.
Denn folgende Fehler beim Training können das Trauma noch verstärken:
Reizüberflutung: Pausen von ein bis zwei Stunden Dauer zwischen den einzelnen Trainingsabschnitten sind unbedingt nötig, damit der Hund die Reize während des Dösens oder Schlafens verarbeiten kann. Die Reaktion des Hundes, nicht der Zeitplan des Halters, bestimmen darüber, wie viele Trainingsabschnitte aufeinander folgen. Der Gradmesser ist bei jeder Übung die Begeisterung des Hundes beim Spiel, also die Fähigkeit, den negativen Reiz zugunsten des positiven zu ignorieren.
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Ganz wichtig ist, dass der Hund nicht überfordert wird. Regelmäßige Trainingspausen sind förderlich für den Erfolg.
Fressen als Belohnung: Ein gestresster Hund wird nicht fressen. Deshalb löst Leckerchen-Training das Problem nicht und erzeugt schlimmstenfalls ein neues, nämlich eine Sucht.
Körperverletzung: Bei den Trainingsabschnitten 4 und 5 muss die Geräuschquelle circa 30 bis 50 Meter vom Hund entfernt sein, um sein Trommelfell zu schonen.
Stress beim Halter: Der Halter muss neutral bis positiv gestimmt sein und bei Apportierspielen auf das Timing achten. Der Hund sollte beim Spiel ermutigt werden. Beruhigendes oder besorgtes Einreden auf ihn verstärkt seinen Eindruck, dass seine Angst berechtigt ist.
Fluchtreaktionen ignorieren: Ein Gradmesser für das Vertrauen des Hundes zum Halter ist die Richtung, in die der Hund flieht. Flüchtet er bei Konfrontation mit dem Reiz nicht zum Halter, muss das Vertrauensverhältnis verbessert werden.
Autorin: Katinka Schröder
Stand: 14.12.2012
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