AnimalsUnited
Der Kampf gegen die Pelzindustrie
- Sonntag, 06. Januar 2013, 18.15 - 19.10 Uhr
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Der alte Nerzmantel ist out, trotzdem boomt die Pelzindustrie. Das ist kein Widerspruch, denn Umsatz bringt vor allem Pelzdekoration an der Kleidung. Pelz an Krägen, Mützen, Handschuhen oder auch Schuhen ist gefragt wie nie und gilt als chic. Die Masse macht den Markt, die Nachfrage steigt naturgemäß in den Wintermonaten.
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Tiere suchen ein Zuhause begleitet die Tierschützer von AnimalsUnited bei einer Aufklärungsaktion gegen das Tragen von Pelz.
Melanie Reiner von AnimalsUnited erzählt, dass in den Straßen Münchens momentan fast jeder Zweite oder Dritte mit Echtpelzbesatz zu sehen ist. Der ideale Zeitpunkt für die Tierschützer von AnimalsUnited, auf die Straße zu gehen, um aufzuklären. Auf dem Odeonsplatz in München haben sie einen Infostand aufgebaut. Ein Bildschirm zeigt Videomaterial von PETA, grausame Undercover-Aufnahmen über die Zustände in Pelztierfarmen und über den Umgang mit den Tieren. Die Mitglieder haben Plakate umgehängt: „Wer Pelz trägt, trägt den Tod“ oder „Pelz ist peinlich“. Zielstrebig sprechen sie Menschen an, die mit Pelzaccessoires geschmückt sind.
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„Pelz ist peinlich!“ MIt solchen Plakaten möchten die Tierschützer Aufmerksamkeit erregen.
Auf die Argumente und Einwände der Pelzträger sind die Tierschützer eingestellt. Manche erklären, sie hätten den Pelz geschenkt bekommen – die Tierschützer erinnern dann daran, dass durch das Tragen solcher Kleidungsstücke erst recht die Lust auf Pelz geweckt wird. Andere glauben, dass Pelz ein umweltfreundliches Naturprodukt sei. Dabei werden Pelze mit unzähligen Chemikalien behandelt. Oft kommt auch der Einwand, dass nichts besser wärme als Pelz. Die Tierschützer zählen dann eine Reihe von Fasern auf, die noch wärmer halten. Manche Pelzträger verdrängen scheinbar einfach, wie viel Tierleid hinter der Pelzproduktion steckt.
Das Videomaterial, das auf dem Bildschirm gezeigt wird, ruft in Erinnerung, wie qualvoll die Tiere gehalten und getötet werden. Das Undercover-Material der Tierschutzorganisation PETA zeigt Bilder, die nur schwer zu ertragen sind: Tiere, die mit Knüppeln zu Tode geprügelt werden, dazu endlose Reihen von engen Käfigen mit Tieren, der Stromstoß in den Anus der Tiere und Berge von Tierleichen.
Fehlende Labels bei Pelz
Viele Menschen greifen deshalb auf Kunstpelz zurück. Doch auch hier gibt es ein großes Problem: Denn der vermeintliche Kunstpelz ist oft überhaupt kein Kunstpelz, sondern stammt von Hunden und Katzen aus China – laut Tierschützer ist eine solche Produktion teilweise billiger als das Imitat. Eine Kennzeichnungspflicht oder ein Label, das genaue Informationen bietet, gibt es bisher nicht. In Deutschland muss das Etikett nicht über die Herkunft beziehungsweise Herstellung des Pelzes informieren.
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Mit Kunstpelz auf der sicheren Seite? Mitnichten! Auch vermeintlicher Kunstpelz wird häufig aus Tierfellen gefertigt.
Für die Pelzindustrie ist das von Vorteil. In China beispielsweise gibt es keine Tierschutzbestimmungen. Hunde- und Katzenfelle werden von dort unter falscher oder gar keiner Deklaration eingeführt, sagt PETA – so werden Verbote umgangen.
Wie man Echtpelz von Kunstpelz unterscheidet
Die Tierschützer von AnimalsUnited nehmen sich Zeit, jedem Interessierten ausführlich die Unterschiede zu erklären: Bei Echtpelz stehen alle Haare einzeln und kleben – im Gegensatz zum Kunstpelz – nicht zusammen. Wer in Echtpelz hineinpustet, kann feststellen, dass alle Haare in verschiedene Richtungen wehen. Wer sicher gehen will, zieht die Fellhaare auseinander und schaut nach, ob sich Haut darunter befindet oder aber, wie im Falle von Kunstpelz, Stoff oder künstliches Gewebe. Auch der Geruchstest hilft: Ein paar Haare anzünden – wenn es nach verbrannten Haaren riecht, handelt es sich um Echtpelz. Ein synthetischer Geruch und Haare, die zu Klümpchen schmelzen, geben Hinweise auf Kunstpelz.
Aber nicht nur Aufklärung soll helfen. Nach Schätzungen der Tierschützer sterben weltweit jährlich mehr als 50 Millionen Tiere für die Modeindustrie. Es gibt hier zwar rechtliche Standards für die Pelztierhaltung in Farmen, doch diese werden nicht ausreichend kontrolliert. Und wie immer gilt: Die Nachfrage bestimmt den Markt.
Ob Kunstpelz ein Ersatz sein kann oder nicht vielmehr die Lust auf Echtpelz weckt, darüber sind sich Tierschützer uneinig. Wichtig ist ihnen eines: Verbraucher sollen ins Grübeln kommen, damit Pelzmode irgendwann wieder mehr Ächtung erfährt.
Autorin: Susanne d’Alquen
Stand: 04.01.2013, 10:36 Uhr
- AnimalsUnited e. V. Homepage
- „Bist du gelabelt?“ Anti-Pelz-Kampagne von AnimalsUnited e. V.
- Pelzinfo.de Internetseite der Tierschutzorganisation PETA
- „Zeig Haut. Gegen Pelz“ Kampagne von Vier Pfoten Deutschland
- „Fühl dich wie ein Nerz“ Anti-Pelz-Kampagne vom Deutschen Tierschutzbund e. V.
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