Schmuck aus Tierhaar
Einzigartig und emotional
- Sonntag, 20. Januar 2013, 18.20 - 19.10 Uhr
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Schmuck statt Müll: In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit großgeschrieben und alte Handarbeitstechniken wiederentdeckt werden, hat die Wuppertaler Künstlerin Beate Kuczera eine tolle Idee gehabt.
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Die Idee, Tierhaare zur Schmuckherstellung zu verwenden, stammt von der Wuppertaler Künstlerin Beate Kuczera.
Anstatt die Haare ihres Eurasierhundes Alvin im Müll zu entsorgen, hat sie mit uralten Filztechniken experimentiert. Aus Hundehaar fertigt sie einzigartigen Schmuck an, dabei ist natürlich jedes Schmuckstück ein Unikat. Inzwischen schicken ihr Hundeliebhaber aus ganz Deutschland die Tierwolle zu.
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Die tägliche Fellpflege liefert den Rohstoff für die Schmuckproduktion.
Daraus fertigt sie Perlen, Ketten, Anhänger, Armbänder, Decken und Wohnaccessoires an – und alles aus gefilztem Hundehaar. Was sich zunächst skurril anhört, hat einen bodenständigen Hintergrund: Langes Hundehaar lässt sich genauso wie die Wolle von Schafen, Lamas usw. verarbeiten. Durch das Filzen des Tierhaars entstehen kleine Gebilde oder auch textile Flächen. Diese kombiniert die Künstlerin dann mit Halbedelsteinen und Silberkugeln zu Ketten oder näht sie als grafische Flächen auf Lederarmbänder oder Handytaschen.
Viele Besitzer schicken der Künstlerin Fotos ihrer Lieblinge und deren Wolle zu. Daraus entsteht der Schmuck, der für die Hundebesitzer einzigartig und von hohem emotionalem Wert ist.
Das Filzen ist zeitaufwendig. Wer es dennoch einmal ausprobieren möchte, findet am Ende des Beitrages Tipps und eine Anleitung von Beate Kuczera.
Was beim Filzen mit Tierhaaren passiert
Angeblich ist Filzen die älteste Methode der Welt, um Textilien wie Kleidung und Decken herzustellen. So hat man Filzmützen in der Mongolei gefunden, die 4.000 Jahre alt sind, und auch in 3.000 Jahre alten Hünengräbern in Dänemark und Norddeutschland gab es schon Hinweise auf Textilien aus Filz.
Trocken- und Nassfilzen
Beim Trockenfilzen wird die trockene Wolle mit speziellen Nadeln, an denen kleine Widerhaken sitzen, bearbeitet. Dabei verschränken sich die Fasern miteinander, sodass je nachdem eine feste Fläche oder kleine Gebilde wie Kugeln, Perlen oder auch andere Formen entstehen.
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Der Schmuck wird im Trocken- und Nassfilzverfahren hergestellt.
In der Industrie wird trockener Filz anschließend mit Wasserdampf oder chemischen Zusätzen behandelt. Wenn man privat Schmuck oder kleine Gebilde herstellt, muss man ebenfalls zuerst Trocken- und erst danach Nassfilzen.
Beim Nassfilzen nimmt man die vorher bearbeitete Wolle und behandelt sie mit warmem Wasser und Seife. Bei kleinen Perlen wäscht man das Gebilde in der Hand und drückt und reibt es, denn erst durch dieses intensive Drücken und Reiben entsteht die kompakte Form. Die Seife muss man mit warmem Wasser wieder auswaschen.
Beim Nassfilzen stellt sich die oberste Schuppenschicht der Tierhaare auf, und die Schuppen verkeilen sich ineinander. Der ursprüngliche Wollbausch verliert an Volumen. Es entsteht eine kompakte Form, die man weiterverarbeiten kann.
Trend zur Nachhaltigkeit und zu Selbstgemachtem
Filzen galt etwa 30 Jahre als total out, wird aber seit mehreren Jahren neuentdeckt und in zahlreichen Handarbeitskursen angeboten. Im Internet findet man viele Anleitungen zum Filzen. Außerdem kann man sich in Blogs und Foren mit Gleichgesinnten über das Filzen von Tierhaaren austauschen.
Anleitung zum Selbermachen von Beate Kuczera
Filzperle mit Lederband
Material:
Tierhaar
Filznadel
Lederband
Silberstab zum Fixieren von Perlen oder Silberscheiben
eventuell 2 kleine Perlen oder Silberscheiben
Schere zum Umbiegen des Silberstabs zur Öse (braucht man
für das Lederband)
Anleitung:
Tipp: Beate Kuczera legt das Tierhaar vor der Weiterverarbeitung 24 Stunden ins Gefrierfach. So ist gesichert, dass nichts mehr in den Haaren ist, was man nicht in der Wolle haben möchte.
Das Tierhaar zuerst auseinanderzupfen. Das auseinandergezupfte Haar auf einer glatten Fläche mit der Filznadel mehrere Minuten durchstechen und bearbeiten. Aus dem bearbeiteten Haar Kügelchen in der Hand formen.
Die Hände einseifen und unter fließendem Wasser die Wolle noch weiter zur Kugel reiben und drücken. Die Seife auswaschen und die Kugel trocknen lassen.
Mit einer Nadel die Filzperle durchstechen und mit dem Silberstab fixieren. Nach Belieben kann man jetzt Perlen oder kleine Scheiben vor und hinter die Wollkugel setzen.
Den überstehenden Silberstab zu einer Öse biegen und eventuell überstehende Stücke abknipsen. Ein Lederband (oder alternativ einen schmalen Silberreifen) durch die gebogene Öse ziehen und fertig ist das Schmuckstück!
Buchtipps zum Filzen von Schmuck:
- Sylvia Ehrenstein
Schmuck filzen
Wolle mit der Nadel trockenfilzen
Books on Demand, 2005
ISBN 9783833430022
Preis: 6,50 Euro
- Petra Hassler, Uta Koßmagk
Das große Buch vom Filzen
Nassfilzen, Trockenfilzen, Bastelfilz
Christophorus, 2009
ISBN 9783838832968
Preis: 9,90 Euro
Autorin: Anja Friehoff
Stand: 17.01.2013
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