Aktuell: Die 'Bremen' auf hoher See; Rechte: WDR/ Caligari Film

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Deutsches Auswandererhaus lobt Windstärke 8

Ein Querschnitt der Bremen, Rechte: Klaus Andrews/Caligari Film In Bremerhaven, dem größten deutschen Auswandererhafen des 19. Jahrhunderts entsteht zurzeit ein spezielles Erlebnismuseum zu der Thematik von „Windstärke 8“ – das „Deutsche Auswandererhaus“. Die wissenschaftliche Leiterin, Frau Dr. Simone Eick hat die Entstehung von „Windstärke 8“ begleitet und spricht mit uns über die Herausforderung, ein komplexes Thema anschaulich darzustellen.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit „Windstärke 8“ gekommen?


Die Filmemacher sind auf die Stadt Bremerhaven und das Deutsche Auswandererhaus zugekommen, was sich ganz hervorragend mit unseren Plänen traf. Schon seit zwanzig Jahren wurde in Bremerhaven der Bau eines Auswanderer-Museums geplant. Jetzt, fast zeitgleich mit dem Filmprojekt, laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren und das Deutsche Auswandererhaus kann noch in diesem August seine Pforten öffnen. Wir waren mitten in der Konzeptionsphase der Ausstellungen, als die Produzenten von „Windstärke 8“ an uns herantraten.

Worin bestand die Kooperation?

Das Vorhaben war, die Protagonisten zu möglichst exakten Bedingungen von 1855 über den Atlantik segeln zu lassen. Das war eine große Herausforderung für uns Historiker. Wir wissen zwar von vielen allgemeinen Begebenheiten und Bräuchen, aber den genauen Alltag für das Jahr 1855 herauszubekommen, war eine besondere Rechercheleistung. Wir haben der Produktion von „Windstärke 8” in allen Phasen mit wissenschaftlichem Rat beiseite gestanden.

Können Sie ein Beispiel geben?

Konkret ging es darum, die Hilfsmittel und Gegenstände an Bord so authentisch wie möglich zusammenzustellen. Das begann mit einer Liste persönlicher Gegenstände und endete mit der Auswahl der Verpackungsmaterialien für den Proviant. Alles musste durch Quellen belegt werden – das war der erklärte Anspruch der Filmemacher.

Wo ist „Windstärke 8“ besonders authentisch?

Vor allem das Essen und die Kleidung sind wirklich hervorragend an den damaligen Stand angenähert worden. Alles, was an Bord zu sehen und zu schmecken war, haben wir in historischen Quellen nachweisen können. Sogar bei der Wassermenge, die mitgenommen wurde, haben wir uns an den historischen Vorgaben orientiert.

Wo mussten Abstriche gemacht werden?

Zum Beispiel beim Zähneputzen. Tatsächlich war es bei den Auswanderern damals nicht üblich, sich die Zähne zu putzen. Manche haben Holzstäbchen zur Reinigung der Zahnzwischenräume benutzt. Wir konnten natürlich keinem zumuten, dass er sich für „Windstärke 8“ die Zähne ruiniert. Unsere Recherchen ergaben folgendes: In wohlhabenden Schichten hat es 1855 bereits erste Zahnbürsten gegeben. Damals waren sie aus Holz mit Borsten aus Tierhaaren. Holzzahnbürsten mit Kunststoffborsten haben wir dann auf die Packliste geschrieben, damit es so historisch wie möglich aussieht – ohne Gefahr für die eigenen Zähne. Und abgesehen davon wurde bei „Windstärke 8“ natürlich auch auf moderne Sicherheitseinrichtungen nicht verzichtet.

Was wird nun aus den gewonnen Erkenntnissen?

Für uns war das ein ganz wunderbares Experiment. Die Rekonstruktion der Requisiten und Materialien hat uns viele nachhaltige Einblicke in die Welt der Auswanderer ermöglicht. Während der Reise auf der „Bremen“ haben viele der neu hergestellten Dinge eine ganz wunderbare Patina angesetzt. Sie werden deshalb zum Teil in unseren Ausstellungen im Deutschen Auswandererhaus zu sehen sein, als unter authentischen Bedingungen getestetes Anschauungsmaterial.

Frau Eick, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Torsten Fischer