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Es gibt sie noch, die „Traditionssegler“. Das sind Segelschiffe, bei denen möglichst viel von der traditionellen Substanz erhalten wurde und die bei Hafenfesten eine echte Attraktion sind. Doch oft hat auch dort die moderne Technik ihre Spuren hinterlassen, denn selbst der romantischste Seebär möchte heutzutage nicht mehr auf Sicherheit und Komfort verzichten. Für Windstärke 8 ein solches Schiff fast wieder in den Urzustand zu versetzen, hatte weitreichende Konsequenzen - auch für den Namen, der bis zu diesem Zeitpunkt am Bug zu lesen war.
Acht Wochen lang wurde das Schiff auf die Reise vorbereitet und umgebaut.
„Man glaubt gar nicht, wie viel Modernes selbst auf einem Traditionssegler noch zu finden ist“, sagt Markus Rinn, der
Szenenbildner von „Windstärke 8“. Bis zuletzt wurde noch am perfekten historischen „Look“ des Schiffs gearbeitet. „Tische,
Lampen, Plasikgegenstände, Stromkabel… all das haben wir von Bord geschafft. Das allein war schon eine Riesenarbeit.“
Doch manche Leitung und manches Rohr ließen sich nicht einfach ausbauen. Zum Beispiel die Metalltreppe in der Messe, wo
die Kamera immer wieder aufgestellt werden sollte. „Die Metalltreppe war unhistorisch“, erinnert sich Til Schönecker von
der Filmproduktionsfirma Caligari. „Doch wegen der Brandschutzbestimmungen durfte sie nicht einfach entfernt werden. Also
haben wir uns entschlossen, das Metall komplett mit Holz zu verkleiden.“
Umbau wird zur kreativen Herausforderung
Für das Unternehmen Windstärke 8 wurde die Innenausstattung der „Bremen“ in wesentlichen Punkten dem Standard des Jahres
1855 angeglichen. Es sollte kein elektrisches Licht, kein fließendes Wasser, keine Kühlschränke und keine Heizung geben.
Um das Schiff wirklich für über drei Dutzend Menschen „auswanderungstauglich“ zu machen, mussten auch zusätzliche Kojen
eingebaut werden. Der Thing-Raum im Schiffsbauch wurde komplett zu einer zusätzlichen Schlafstätte für die Passagiere
umfunktioniert. Auch in der Kombüse wurde alles bis zum Stand der Technik des vorletzten Jahrhunderts zurückgebaut. Nach
dem Umbau gab es hier nur noch einen Holzofen.
Szenenbildner, Ausstatter, Schiffsbauer, Schreiner: Eine ganze Busladung von Spezialisten arbeitete 8 Wochen am Umbau der
„Bremen“. Mit historischen Baumaterialien wie Jute, Segeltuch und Holz wurde verkleidet, abgedeckt und überbaut, was
vorher nicht zu entfernen war. „Es wäre natürlich grob fahrlässig gewesen, wenn wir die Rettungsinseln abgebaut hätten,“
grinst Markus Rinn im Nachhinein über die weißen Kapseln an Deck, in denen sich schwimmende Notzelte befinden, die sich im
Ernstfall von selbst aufblasen. „1855 hätten die sicher als Zauberwerk gegolten!“ Am Ende wurden sie vom Umbauteam
kunstvoll mit Holz und Jute verkleidet. Das war der Kompromiss zwischen 19. Jahrhundert und der Sicherheit an Bord.
Kompromiss zwischen historischem Vorbild und Sicherheit
„Es ist ein enormer Aufwand, wenn man für Film- und Fernsehen etwas umbauen will“, weiß Til Schönecker von Caligari.
„Lacke dürfen nicht glänzen, weil sich sonst Licht darin spiegeln könnte, Holz muss speziell behandelt werden, damit es
nicht wie frisch eingebaut aussieht.“ Bis zum Schluss haben die Umbauspezialisten an dem Schiff gearbeitet. „Der Umbau hat
einen großen Teil der Vorbereitungen ausgemacht.“
Und dann war da noch der Name des Schiffs: „Fridtjof Nansen“. Vielleicht hatten sich die Eltern des späteren
Polarforschers 1855 bereits überlegt, ob sie ein Kind haben wollen. Geboren wurde Nansen allerdings erst 1861. Die
Konsequenz war klar: Die „Fridtjof Nansen“ musste umbenannt werden. Da das Schiff in Bremerhaven starten sollte und
Schiffe mit diesem Namen historisch belegt sind, fiel die Wahl auf „Bremen“. In kleiner aber feierlicher Runde wurde die
zweite Taufe des Schiffs während den Umbauarbeiten vollzogen.



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