Inge Meysel

  • Samstag, 18. August 2012, 00.00 - 00.45 Uhr

Filmrolle abgewickelt

Als Kratzbürste war sie gefürchtet, als "Mutter der Nation" geliebt: Inge Meysel, die sich selbst gar nicht als mütterlichen Typ sah. Nicht nur, dass sie kinderlos blieb, auch ihre kämpferische Natur widersprach dem Mutterbild der Nachkriegszeit. Erst spät wurde die Schauspielerin öffentlich auch als streitbare Feministin wahrgenommen, die sich offen zu frühen lesbischen Erfahrungen bekannte.



Inge Meysel

Politisch engagiert war Inge Meysel von Anfang an. Schon mit 15 hält sie bei den Jungdemokraten eine Rede gegen die Todesstrafe. 1978 ist sie Klägerin im "Sexismus-Prozess" gegen den "Stern", zusammen mit Alice Schwarzer und anderen. Sie geht gegen den Abtreibungsparagraphen auf die Straße. Und setzt sich für den Kampf gegen Aids und für Sterbehilfe ein. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn sie dabei andere vor den Kopf stößt.

Berufsverbot und Schikanen der Nazis machen sie stark.

Das sei eine Folge der Nazizeit, so hat sie es selbst erklärt. Inge Meysels Theaterkarriere hatte gerade begonnen, da kam das Berufsverbot. Denn nach den Rassegesetzen der Nazis war sie "Halbjüdin". Viele Kollegen haben sich bereits 1933 geweigert, mit ihr zu spielen. Ihren Lebenspartner, den Schauspieler Helmut Rudolph, durfte sie nicht heiraten und musste sogar die gemeinsame Wohnung räumen. "Ich bin immer in Kampf- und Abwehrstellung, weil ich mit 23 wegen der Nazis nicht mehr arbeiten durfte. So habe ich eine Abwehr in mir hochgezüchtet, damit mich niemand mehr verletzen kann", sagte sie einmal über sich. Ihr Vater, der jüdische Kaufmann Julius Meysel, wurde enteignet und überlebte die Nazizeit im Versteck.

Eine Schauspielerkarriere ohne gleichen

Inge Meysel

Nach dem Krieg trennte Inge Meysel sich von Helmut Rudolph und heiratete den neun Jahre jüngeren Theateroffizier John Olden. Die Liebe ihres Lebens. Er wurde Regisseur und brachte sie zum Fernsehen.

Sowohl das Theaterstück „Fenster zum Flur“ als auch ihre Rolle als Mutter Scholz in der Fernsehreihe „Die Unverbesserlichen“ prägen Inge Meysels Bild als Mutter der Nation“. Oft spielt sie resolute Frauengestalten mit rauer Schale. So wurde sie zur beliebtesten deutschen Volksschauspielerin.

Auch die Demenz hindert sie nicht am spielen

Neben vielen Theaterstücken und Fernsehserien spielte sie in Filmen mit, von "Nasser Asphalt" 1958 und "Rosen für den Staatsanwalt" 1959 bis zu "Die blauen und die grauen Tage" 1999 und zuletzt 2001 - da war sie 91 Jahre alt - "Die Liebenden vom Alexanderplatz". Noch in ihrem Todesjahr war sie im "Polizeiruf 110" zu sehen: In der Folge "Mein letzter Wille", da war sie schon dement.

Ein Film von Ulrike Bremer | Christiane Hinz




Stand: 09.08.2012