Sozialdemokraten

18 Monate unter Genossen

  • Freitag, 05. Oktober 2012, 23.15 - 00.45 Uhr

Filmrolle abgewickelt

Bei den Bundestagswahlen 2009 errang die SPD ihr schlechtestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik: Sie erhielt nur 23 Prozent der abgegebenen Stimmen. Anlass für Grimme-Preisträger und Publizist Lutz Hachmeister, die Sozialdemokraten anderthalb Jahre lang zu beobachten, vom Dresdener Parteitag des Neubeginns bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg im März 2011.



Sigmar Gabriel, SPDParteitag 2009

Hachmeister ungewöhnliches Langzeit-Portrait zeigt die SPD und ihr Führungsteam auf der Suche nach der sozialdemokratischen Seele. Der Film begibt sich auf eine facettenreiche Reise ins Innere der Partei, mit ihren Flügeln wie „Seeheimern“ und „Netzwerkern“, einem neuen „Leitbild“ für die Mitarbeiter im Willy- Brandt-Haus und den Versuchen, wieder neue Allianzen mit den Gewerkschaften zu schmieden.

Die SPD gewinnt wieder Wahlen

Eine fulminante Rede des neuen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel verbreitet zunächst Aufbruchstimmung, und der SPD gelingen in diesen 18 Monaten durchaus Erfolge: Jürgen Rüttgers wird als CDU-Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen abgewählt, in Hamburg holt Olaf Scholz sogar die absolute Mehrheit für die Sozialdemokraten.

Dennoch wird im Film klar, wie schwierig es für die Traditionspartei ist, zwischen Linken, nunmehr etablierten „Grünen“ und einer sozialdemokratisierten CDU eine unverwechselbare Position für die Wähler zu entwickeln. Nach wie vor liegen die Schatten von „Hartz IV“ und „Agenda-Politik“ über der Partei. Zudem bleibt das Dauerproblem einer Öffnung für die jüngere Intelligenz, die sich eher nicht mit den altbackenen Formen und Begriffen der Parteiorganisation anfreunden will.

"Was würde Gabriel tun?"

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD l-r) spricht neben SPD Parteichef Sigmar Gabriel und dem SPD Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, am 28.09.2012 bei einer Pressekonferenz der SPD in Berlin. Steinbrück soll SPD-Kanzlerkandidat bei den nächsten Bundestagswahlen 2013 werden.

Hachmeister lässt seine Kamera-Beobachtungen unkommentiert. „Der Film will sich nicht über seine Protagonisten erheben“, so der Autor. „Es gibt für die in mehrfachem Sinne älteste deutsche Volkspartei keine einfachen Lösungen. Der Zuschauer steht vor der interessanten Frage, was er in einer solchen Situation machen würde, wäre er Sigmar Gabriel“. Neben Gabriel selbst äußert sich in den Interviews des Films die gesamte SPD-Führungsebene: Frank-Walter Steinmeier, Andrea Nahles, die Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug, aber auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der aus der SPD ausgetretene Wolfgang Clement und seine einstige hessische Widersacherin Andrea Ypsilanti und Peer Steinbrück.

Ein Film von Lutz Hachmeister |
Redaktion: Christiane Hinz und Enno Hungerland (WDR)


Stand: 01.10.2012