"Hoch auf dem gelben Wagen..."
Die Besten im Westen - Walter Scheel
- Samstag, 27. Oktober 2012, 00.00 - 00.45 Uhr
"Hoch auf dem gelben Wagen sitz' ich beim Schwager vorn" - dieses Lied machte Walter Scheel fast noch berühmter als die große Politik und zeigt zugleich seinen Platz: vorn. Dorthin drängte es ihn Zeit seines Lebens.
In der Schule saß er in der ersten Reihe, im Krieg flog er als Nachtjäger vorneweg - und als Politiker machte er eine beispiellos rasante Karriere: 1946 Stadtverordneter, 1950 Landtagsabgeordneter, 1953 Bundestagsabgeordneter, 1958 Europaparlamentarier, 1961 Bundesminister, 1968 FDP-Parteivorsitzender, 1969 Vizekanzler, 1974 Bundespräsident.
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Durch einen Gesangsauftritt im Fernsehen machte Scheel "Hoch auf dem gelben Wagen" zum Hit
Geboren 1919 in Solingen, wuchs Walter Scheel in eher ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Eltern glaubten an seine Talente und schickten ihn aufs Gymnasium. Schon mit zwölf Jahren machte er einer Fabrikantentochter einen Heiratsantrag. Zehn Jahre später wurde sie seine Frau. Mit seiner typischen Mischung aus Heiterkeit und eisernem Willen hatte er sein Ziel erreicht.
Ein Wegbereiter der sozialliberalen Koalition
Gleich nach dem Krieg ging Walter Scheel in die Politik. Als überzeugter Liberaler machte er als junger Abgeordneter in der kleinen FDP schnell Karriere. Scheel wurde zum Hoffnungsträger der Partei und führte sie als Vorsitzender zum neuen Koalitionspartner SPD. Zusammen mit Willy Brandt brachte er die CDU erstmals in die Opposition und schuf sich in der sozialliberalen Ära seinen Platz im Geschichtsbuch. Die von ihm als Außenminister mitgeführte, heftig umstrittene Ostpolitik der 70er Jahre wurde zur Grundlage für die deutsche Einheit.
Ein frohes Gemüt, trotz zahlreicher Schicksalsschläge
Heitere Gelassenheit, Fröhlichkeit, Optimismus - diese Ausstrahlung hielt er für seine Pflicht, obwohl der Stress schmerzhafte Nierensteine produzierte, er mehrfach operiert werden musste und zwei Ehefrauen durch Krebs verlor. Scheel konnte es nicht leiden, wenn sich jemand griesgrämig präsentierte - schon gar nicht er selbst.
Ein wenig amerikanisches Flair
Scheel war der jüngste Bundespräsident und zog als erster mit drei kleinen Kindern in die Villa Hammerschmidt; das offene Familienleben erinnerte an die Ära Kennedy im Weißen Haus. Der Einsatz seiner Frau Mildred für die Krebshilfe verstärkte das positive Bild der Scheels. So wurde sie während seiner Präsidentenzeit dreimal zur Frau des Jahres gewählt. Mit 59 Jahren wurde er zum jungen Pensionär und übernahm eine Vielzahl von Ehrenämtern, da er laut Gesetz als ehemaliger Präsident keinen Beruf mehr ausüben durfte. Walter Scheel lebt heute mit seiner dritten Ehefrau Barbara in Bad Krozingen im Breisgau.
Ein Film von Lothar Schröder | Redaktion Adrian Lehnigk
Stand: 19.10.2012
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