Dinge, die man tun kann, wenn man tot ist

  • Freitag, 23. November 2012, 23.15 - 00.06 Uhr

Filmrolle abgewickelt

Nach dem Tod in einem Grab verrotten? Bei der Vorstellung wollen es viele nicht bewenden lassen: In Deutschland, USA und Frankreich lässt sich weit mehr mit dem Körper anstellen, als man gemeinhin denkt. Doch erst einmal muss man bereit sein, den eigenen Körper herzugeben. Eine nicht ganz einfache Entscheidung.



Oberpräparator Günther-Rudolf Klaws vom Anatomischen Institut der Universität Kiel.

Das Anatomische Institut der Kieler Universität beherbergt eine der weltweit "schönsten" anatomischen Sammlungen. Hier kann ein Spender sowohl seinem Wunsch, der Wissenschaft zu dienen, nachkommen, wie auch seine eventuell zu Lebzeiten vorhandene exhibitionistische Neigung befriedigt wissen... Oberpräparator Günther-Rudolf Klaws ist der Pop Art-Künstler unter den Angehörigen seiner Zunft. Seine Kreationen sind ungewöhnlich farbenfroh und hoch ästhetisch. Für die Ausstellung nimmt er nur die schönsten Organe der Körperspender. Wer Pech hat und kein besonders attraktives Inneres vorzuweisen hat, wird nur für Lehrzwecke präpariert. Besonders gelungenen Exemplaren winkt dagegen die Reise zum alljährlichen Kongress bundesdeutscher Präparatoren.

Nach dem Tod in die Lehre

In der Universitätsklinik Maryland, Baltimore geht es schon weit handfester zu. Chirurgen üben in Seminargruppen oder einfach auch mal in der Freizeit an frischen Leichen ihre Fingerfertigkeit. Ronald Wade, der Leiter des Anatomischen Institutes, erklärt, es sei ja schließlich besser an Leichen Operationstechniken zu verbessern, als dies durch Assistenzen und bloßem Zuschauen bei "normalen" Operationen zu tun. So mancher Jung-Chirurg hätte da sicher gerne eine Leiche zu Hause.

Leichen im Crashtest

Crashtest-Dummy für einen Autotest.

In der Universität Marseille am Institut für angewandte Biomechanik steht Christian Brunet an der Spitze der Forschungsreihen. Europaweit können etwa 8.500 Menschenleben jedes Jahr durch die Ergebnisse biomechanischer Untersuchungen an Leichen gerettet werden. Ihnen ist die Sitzgurtpflicht zu verdanken und dass es heute möglich ist, mit 90 Kilometern pro Stunde gegen eine Mauer zu fahren und trotzdem zu überleben.

Auch beim Aufklären von Verbrechen können Leichen helfen

Am Anthropologischen Forschungsinstitut der University of Tennessee sind die Untersuchungsmethoden an Leichen weitaus weniger invasiv. Hier werden die Körper im Grunde sich selbst und den Kräften der Verwesung überlassen - selbstverständlich alles unter wissenschaftlicher Beobachtung. Die meisten Untersuchungsobjekte liegen auf der Wiese; manche bekleidet, andere unbekleidet. Ein paar Auserwählte erfahren eine Sonderbehandlung: Sie werden begraben, in Plastikfolie eingewickelt oder in einem Kofferraum verstaut. Alle "gängigen" Methoden der kriminellen Leichenbeseitigung werden hier an Testobjekten ausprobiert. Rachel Parkinson ist darauf spezialisiert anhand von Verwesungsbakterien den Todeszeitpunkt zu bestimmen. Sie findet: "Besser man verwest - stellt Euch vor, alle Toten würden einfach so rumliegen!", meint sie.

Ein Film von Tanja Hamilton | Redaktion Christiane Hinz




Stand: 13.11.2012