Meine Kindheit ...

... in der Schulzeit

  • Freitag, 25. Mai 2012, 20.15 - 21.00 Uhr

Grenzstein in NRW-Farben (Rechte: WDR)

Eine Kindheit in der Schulzeit: Damals, als man den Matheunterricht schwänzte und stattdessen im nahe gelegenen Wäldchen spielen ging. Als die Tage vor den Sommerferien die längsten im ganzen Jahr waren. Als der Spickzettel aus dem Ärmel und der Tischnachbar vom Stuhl fiel.



Paul Wascinski vor seiner alten Schule

„Meine Kindheit ... in der Schule“ erzählt von großen und kleinen Erinnerungen an die Schulzeit, die das Leben eines jeden von uns so sehr prägt. Aber Schule hat nicht nur mit der eigenen Geschichte zu tun. Die Schule ist und war auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen. Kaum eine andere Institution verrät mehr über unsere Werte und Moralvorstellungen als die Schule. Und kaum einer kommt an ihr vorbei. Die meisten lassen kein gutes Haar an ihr. Aber fast alle blicken irgendwann mit Wehmut auf sie zurück. Und in welchem Fotoalbum fehlt schon das Bild vom ersten Schultag?

Der erste Satz

Fiede Nissen mit Fischermütze, sitzend, schaut in die Kamera

“Tut, tut! Da kommt ein Auto“ war der erste Satz, den der Postschiffer Fiede Nissen gleich am ersten Tag lernen musste. „So etwas vergisst man sein Leben lang nicht“. Für Nissen, aufgewachsen auf der Hallig Langeneß, war Heimatkunde das schönste Fach. Mit vierzehn anderen Kindern besuchte er eine Zwergschule, die unmittelbar neben der Kirche untergebracht war.



Geschichte zum Anfassen

Dorothea Voigtländer am Rhein bei Bonn

„Ich war gerade fünf Jahre alt“, erinnert sich Dorothea Voigtländer aus Bonn, „aber ich kam mir schon sehr erwachsen vor“. Dass ihr Lieblingsfach Geschichte sein würde, erstaunt wenig. Denn als der erste Deutsche Bundestag am 7. September 1949 in Bonn in der Pädagogischen Akademie tagte, fand die Schulstunde gleich nebenan statt. Die Mädchen knicksten vor Konrad Adenauer, dem freundlichen älteren Herrn, der einem auch schon mal im Park begegnen konnte.



Mathe-Horror

Jan-Gregor Kremp sitzt lässig im Stuhl und schaut in die Kamera

Dem Schauspieler Jan-Gregor Kremp genügte es bei Mathearbeiten nicht, einzelne Zahlen abzuschreiben. Es mussten oft die kompletten Lösungswege sein, weil die Wissenslücken zu groß waren. Zeugnisse konnten allein durch die Mathenote „verunziert“ werden. Die schlimmsten Momente an der Tafel fanden auch bei Rebecca Siemoneit-Barum und Gerda Laufenberg während des Mathematikunterrichts statt.



Rebecca Siemoneit-Barum mit einem Mitschüler im Zirkuswagen

Reform-Schule?

In den Nachkriegsjahren und oft bis in die 60er Jahre hinein wurden kleine und größere Vergehen in der Schule hart bestraft. Meistens mit dem gefürchteten Rohrstock. Der uneingeschränkte Respekt vor dem Lehrer, der damals in den Augen der meisten noch mindestens dieselbe Autorität wie der Pfarrer hatte, war selbstverständlich.

Dass Kinder auch Spaß an der Schule haben, kam erst in den Reformbemühungen der 60er Jahre auf die Tagesordnung. Lehrer durften plötzlich geduzt werden, neue Lehrmittel wie Overheadprojektoren zogen in den Unterricht ein. „Für Schüler meiner Couleur“, glaubt Jan-Gregor Kremp, seien diese Bemühungen eher kontraproduktiv gewesen. Die Lehrer wurden nicht mehr ernst genommen. Vor allem im Sexualkundeunterricht mussten junge Lehrer erfahren, was es heißt, mit „Anschauungsunterricht“ zu scheitern.



Auch wenn sich die Unterrichtsmethoden über die Jahrzehnte grundlegend änderten, so haben die ehemaligen Schulkinder doch oft dieselben Erinnerungen. Das Schönste an der Schule, davon sind die meisten überzeugt, sei der Schulweg gewesen, denn dort habe die große „Freiheit“ begonnen.



Ein Film von Ulrike Brincker
Redaktion: Christiane Hinz (WDR), Carola Meyer (NDR)




Stand: 04.05.2012, 11:37 Uhr




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