Ein Riss geht durch Schermbeck

Rivalen zwischen Rhein und Weser

  • Freitag, 26. Oktober 2012, 20.15 - 21.00 Uhr

Grenzstein in NRW-Farben (Rechte: WDR)

Früher bestand das heutige Schermbeck aus zwei Orten, dam alten und dem neuen Schermbeck. Über Jahrhunderte waren sich die Nachbarorte spinnefeind, die Zusammenlegung der Gemeinschaften per Dekret im Jahr 1975 schloss den Graben nur notdürftig. Jedes Jahr beim Schützenfest bricht er wieder auf, dann marschieren zwei Schützenzüge durch den Ort.



Aufschrift

Meistens werden Begegnungen vermieden, manchmal knirscht es aber auch gewaltig. Böse Zungen nannten Schermbeck einst das Belfast am Niederrhein, so heftig war der Streit der Konfessionen. Noch in der frühen Neuzeit trennte die beiden Rivalen mindestens eine Pistolenschussweite. Das hatte einen Grund: Alt-Schermbeck ist Münsterland, ist katholisch und damit vor allem eins: Westfalen. Schermbeck dagegen ist Niederrhein, ist evangelisch und mit Stolz: Rheinland.

Grenzstein in Landschaft

Der Riss im Bindestrichland NRW

Wenn man genau hinsieht, dann zieht sich der Riss nicht nur durch Schermbeck. Noch heute verläuft er durch das gesamte Bindestrichland Nordrhein-Westfalen. Im Ruhrgebiet sind es vor allem die beiden Metropolen Essen und Dortmund - Essen die rheinische und Dortmund die westfälische - die sich um die Vorherrschaft in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland streiten.

Kulturelle Spaltung Karneval

Rüdiger Hoffmann auf Bühne

Weiter südlich, im Bergischen Land, ist es besonders der Karneval, der die Geister in Rheinländer und Westfalen scheidet. Zur Fünften Jahreszeit feiern die bergischen Rheinländer was das Zeug hält, während die westfälischen Nachbarn nur kopfschüttelnd über den imaginären Grenzzaun spähen. Apropos Grenzzaun: Noch heute zeugen die bergischen Landwehren, uralte Grenzbefestigungen mitten in der Landschaft, von der einstigen Anwesenheit einer echten Grenze.

Pils versus Kölsch

Jürgen Becker

Die ist auch heute noch in der unterschiedlichen Sprache spürbar, hier der rheinische Singsang, dort das hart rollende "R" der Westfalen. Und auch das Bier ist hier keine Zufallsliebe. Der Rheinländer trinkt selbstverständlich das liebliche Kölsch, der Westfale hingegen das herbe Pils. Und gegenseitig schüttelt man den Kopf darüber…

Rheinisch-westfälischer Fußballfrieden

Nur einmal im Jahr, da finden sich die Rivalen im Bergischen Land zusammen. Auf einem Acker treten zwei Fußballmannschaften gegeneinander an: Rheinländer gegen Westfalen. Im Vordergrund steht dabei natürlich der gemeinsame Spaß, aber auch das Überwinden alter Vorurteile. Und wenn anschließend gemeinsam getrunken wird, dann gibt es für kurze Zeit einen rheinisch-westfälischen Frieden. Ausgeschenkt wird natürlich beides – Kölsch und Pils!

Ein Film von Achim Scheunert und Luzia Schmid | Redaktion: Christiane Hinz




Stand: 04.10.2012




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