Die Schnapsbrenner aus Steinhagen

Dynastien in NRW: Familie Schlichte

  • Freitag, 23. November 2012, 20.15 - 21.00 Uhr

Grenzstein in NRW-Farben (Rechte: WDR)

Der Steinhäger, der nur im ostwestfälischen Steinhagen gebrannt werden darf, war einmal das Synonym für „The German Schnaps“. In der neuen Folge der WDR-Reihe „Dynastien in NRW“ erzählt die Familie Schlichte, wie es mit einem Schnaps gelingen konnte, den kleinen Ort Steinhagen weltberühmt zu machen.



Brennerei Gebäude Außenansicht

Die Erfolgsgeschichte begann schon vor 500 Jahren am Südhang des Teutoburger Waldes: Schäfer hatten beobachtet, dass ihre Schafe, wenn es ihnen schlecht ging, vergorene Wacholderbeeren aßen. Das half. Die Schäfer machten es den Tieren nach, sammelten die Beeren, pressten sie und destillierten daraus den sogenannten Wacholderlutter, ein Heilmittel gegen Magenschmerzen. Später versetzten sie das Konzentrat mit Kornalkohol und brannten es noch einmal. Das war die Geburtsstunde des Steinhägers. Der im Gegensatz zu Gin oder Genever doppelt gebrannte Wacholderschnaps startete Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Siegeszug. Immer vorne dabei: die Familie Schlichte.

Der "Schnaps der alten Leute"

Hans-Werner Schlichte bei der Abfüllung in der Brennerei

Die Schlichtes waren die ersten, die von ihrer Hausbrennerei auf eine industrielle Produktion umstellten. Ihr „Schlichte-Steinhäger“ war und ist die mit Abstand bekannteste Marke. Insgesamt gab es in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts rund 20 Brennereien in Steinhagen. Doch dann ging es bergab. Die Konkurrenz wurde größer und Billig-Produkte drängten in den Markt. Die Marke war nicht geschützt, jeder durfte Steinhäger herstellen. Erst seit 1987 gibt es einen Herkunftsschutz für den Steinhäger, vergleichbar mit Champagner oder Cognac. Aber die Produzenten in Steinhagen versäumten es auch, der Marke ein moderneres Image zu geben. Auch die Fusion der größten Steinhäger-Produzenten, die Familienbetriebe Schlichte und König („Schinkenhäger“), kam da zu spät.

Wenn auch die große Zeit vorbei ist, gebrannt wird er auch heute noch, zwar in etwas anderer Dynastie-Konstellation. Denn der Schlichte-Steinhäger kommt jetzt aus dem Hause „Schwarze & Schlichte“, einem der größten Spirituosenhersteller Deutschlands.

Rückblick auf die Familientradition

Winifred Schlichte im Steinhäger-Museum

Die Tradition aber bewahrt bis heute die Familie: Barbara Schlichte betreibt ein Restaurant in Steinhagen und kreiert immer neue Mix-Getränke mit dem Familienerzeugnis. Hans-Werner Schlichte junior ist selbst Schnapsbrenner. Ihm gehört einer der größten Spirituosen-Hersteller Österreichs. In der spannenden und berührenden Dokumentation erzählen sie zusammen mit ihrer Mutter Winifred Schlichte, der Frau des letzten Firmenchefs Hans-Werner Schlichte senior, über die letzten aufregenden Jahrzehnte der Dynastie, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft hat, ihr Familienprodukt bis heute zu erhalten.

Ein Film von Heiko Schäfer | Redaktion: Adrian Lehnigk




Stand: 14.11.2012




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