Die Printenkönige von Aachen
Dynastien in NRW: Lambertz
- Freitag, 21. Dezember 2012, 20.15 - 21.00 Uhr
Die Geschichte von Lambertz beginnt bereits 1688: Der "Rat des Königlichen Stuhles und des Heiligen Römischen Reiches" erteilt dem Bäcker Henry Lambertz die Konzession, am Markt zu Aachen ein Backhaus zu errichten. 1978 übernimmt der 27-jährige Dr. Hermann Bühlbecker, Neffe des damaligen Firmeninhaber, das Familienunternehmen und macht es zu einem weltweit tätigen Unternehmen.
-
-
Bild vergrößern +
"Haus zur Sonne": das erste Lambertz-Backhaus in Aachen
Im 19. Jahrhundert gelingt es seinem Nachfahren Henry Lambertz IV., eine breitere Käuferschicht für die braunen Printen-Leckereien zu begeistern. Er trifft den aktuellen Zeitgeschmack indem er als erster Bäcker den bislang eher geschmacklosen Lebkuchenteig mit Zuckersirup und Farinzucker süßt. Und Lambertz IV. revolutioniert die Herstellung: Aus der großen und teuren "Bildprinte" schafft er ein schlichtes braunes und vor allem mundgerechtes Rechteck - die "Lambertz'sche Kräuterprinte". Damit kann sich auch der "kleine Mann" das Gebäck leisten.
Vom Bäcker für den "kleinen Mann" zum Hoflieferanten
-
-
Bild vergrößern +
Früher Expansionskurs: Zahlreiche europäische Königshäuser wurden von Aachen aus mit Lambertz-Produkten beliefert
Mit der Erfindung des ersten deutschen Schokoladengebäcks, der Schokoladenprinte, gelingt einem weiteren Nachfahren 1872 der endgültige Durchbruch. Selbst der europäische Adel verlangt jetzt nach den süßen Naschereien aus Aachen: Lambertz avanciert zum Hoflieferanten der Könige von Preußen, Bayern, Belgien sowie der Niederlande und vergrößert sich stetig. Doch rund ein Jahrhundert später, Mitte der 1970er Jahre, steht das Unternehmen mit 300 Angestellten und einem Umsatz von umgerechnet acht Millionen Euro kurz vor dem Ruin. Die Produktpalette des ältesten deutschen Markenartikel-Unternehmens umfasst bis dahin nur Saisongebäck wie Printen und Lebkuchen, die lediglich zur Herbst- und Weihnachtszeit ihren Absatz finden.
Vom Adel zu den Stars aus Film, Mode, Musik und Politik
-
-
Bild vergrößern +
Krempelte das Unternehmen um: Dr. Hermann Bühlbecker zeigt Filmstar Nastassja Kinski die Produktion
Das ändert sich, als 1978 der 27-jährige Dr. Hermann Bühlbecker - ein Neffe des bisherigen Firmeninhabers - das Familienunternehmen übernimmt. In Rekordzeit krempelt er alles um: Er entwickelt ein Corporate Design für die Verpackungen, erschließt den Markt der großen Lebensmittelketten und erweitert das klassische Herbst- und Weihnachtssortiment um Jahresartikel wie Gebäckmischungen und Kleinkuchen. Bis Anfang der 1990er Jahre steigert er so den Umsatz des Unternehmens um das Zwanzigfache und wird zu einem der größten Gebäckhersteller Deutschlands. Mehr noch: zum größten Lebkuchenhersteller weltweit.
-
-
Bild vergrößern +
Dr. Hermann Bühlbecker setzt auf die persönliche Werbung: hier mit Hans-Dietrich (li.) und Barbara Genscher
Neben der Historie des Hauses Lambertz steht in dem Film von Peter Scharf auch insbesondere der jetzige Geschäftsinhaber Dr. Hermann Bühlbecker im Fokus, der die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens vom regionalen Anbieter zum internationalen Gebäckkonzern erst möglich gemacht hat. Der mehrfach ausgezeichnete Manager ist eine schillernde Unternehmerpersönlichkeit Deutschlands. Er feiert rund um den Globus glamouröse Promi-Partys, veranstaltet pompöse Charity-Galas und trifft sich mit den Großen dieser Welt, von der internationalen Politprominenz bis hin zu den Stars aus Film, Mode und Showbiz. "Ich vermarkte meine Produkte über Events", erklärt der ehemalige Profi-Tennisspieler seine Strategie. "Dafür habe ich noch nie eine Fernsehwerbung geschaltet. Früher haben wir die Königshöfe beliefert, heute die Film- und Popstars sowie die Politiker. Wir haben eigentlich nur die erfolgreiche Marketingstrategie von einst auf heute übertragen
Ein Film von Peter Scharf | Redaktion: Christiane Hinz
Stand: 19.11.2012
- Lebkuchen - Planet Wissen Vor mehr als 600 Jahren findet man in Nürnberg die erste urkundliche Erwähnung eines "Lebküchners". Warum die Nürnberger Honigkuchen "Lebkuchen" heißen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
- Die Schnapsbrenner aus Steinhagen Internetseite zu Teil eins "Dynastien in NRW"
- Die Pilsbrauer aus Essen Internetseite zu Teil zwei "Dynastien in NRW"
- Die Oetkers Internetseite zu Teil drei "Dynastien in NRW"
- Zwiebacklieferant Brandt Internetseite zu Teil vier "Dynastien in NRW"
Seite teilen
Über Soziale Medien