Als das Taxi noch als Käfer kam
- Freitag, 18. Januar 2013, 20.15 - 21.00 Uhr
- Samstag, 19. Januar 2013, 12.45 - 13.30 Uhr (Wdh.)
Die Idee war aus der Not geboren, nachdem der Berliner Polizeipräsident 1952 per Verfügung alle zweitürigen Taxen verboten hatte. Die Firma Rometsch schaltete am schnellsten und baute den VW Käfer einfach um. Später dann, im aufblühenden Wirtschaftswunder, setzten Taxiunternehmen zunehmend auf repräsentative Mercedeswagen. Bei VW war man ohnehin nicht begeistert vom Umbau der gelieferten Käfer und entschied, keine Chassis des Wagens mehr an Rometsch zu liefern.
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Marianne Tollas war in den 60er Jahren eine der ersten Frauen am Taxisteuer
Die Fahrer waren eine Mischung aus Chauffeur und Kutscher, oft mit Schirmmütze und Fuhrmannsjacke, mal höflich, mal ungehobelt, auf jeden Fall aber eine verschworene Gemeinschaft. Einer half dem Anderen. Denn sie alle fuhren mit der Angst im Nacken – Morde und Raubüberfälle häuften sich. Trauerfeiern für einen ermordeten Fahrer wurden zu politischen Demonstrationen mit langen Autokorsos und tausenden Teilnehmern. Das Gewerbe sah nur eine Lösung: die Todesstrafe. Bundesweit kam es zu Fällen von Lynchjustiz.
Die Angst fährt mit
Zum Schutz der Fahrer verordnete die Politik dann 1968 die schusssichere Trennscheibe. Zwar gab es nun weniger Überfälle, jedoch umso mehr Unfälle. Leidtragende waren oft die Fahrgäste. Bei plötzlichen Vollbremsungen kam es schnell zu schweren Verletzungen. Ein prominentes Opfer war Quizmaster Peter Frankenfeld mit einem Kieferbruch.
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Davon gab's nur wenige: der Käfer als Viertürer
Taxi fahren war bis in die 70er Jahre eine heiße Angelegenheit, denn die schwarzen Wagen heizten sich im Sommer schnell auf eine Temperatur von bis zu 55 Grad auf. Für die Fahrgäste eine Qual, denn die Fahrzeuge hatten damals noch keine Klimaanlage. Messungen in helleren Autos ergaben Unterschiede von immerhin zehn Grad. Ab 1970 fuhren die ersten Taxen dann im Farbton Hellelfenbein (RAL 1015), auch wegen der guten Sichtbarkeit in der Nacht. Bis 1980 durften die schwarzen Wagen noch genutzt werden. Doch dann war Schluss und die Ära der schwarzen Taxen, die auch mit dem VW Käfer begonnen hatte, nur noch Geschichte.
Für viele ist es ein Traumberuf
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Walter Weber aus einer Bonner Taxidynastie: Schon Vater und Großvater fuhren Taxi, jetzt auch sein Sohn.
In der Dokumentation von Lothar Schröder erzählen Taxifahrerinnen und Taxifahrer über die bewegenden Zeiten, als die Taxigilde noch eine Gemeinschaft mit eigenen Gesetzen und losem Mundwerk war. Das merkten auch die ersten Frauen, als sie sich am männlich dominierten Taxenstand durchsetzen mussten. Dort, wo die Männer geradezu um die Wette ihre Autos putzten. Jeder Wassertropfen, jedes Staubkorn war dem Fahrer auf der schwarz glänzenden Karosserie ein Dorn im Auge. Der Wagen war ihre Visitenkarte. Viele blicken zurück in Wehmut. Geblieben ist der Sehnsucht nach der freien Zeiteinteilung und der Möglichkeit des schnellen Geldverdienens. Viele, die zunächst nur nebenbei gefahren sind, blieben an dem Job hängen und machten ihn zu ihrem Beruf.
Ein Film von Lothar Schröder | Redaktion: Adrian Lehnigk
Stand: 10.01.2013
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