Urlaub im OP
Doktor Borsche in Bolivien
- Dienstag, 16. Oktober 2012, 22.00 - 22.30 Uhr
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Er ist 54 Jahre alt, hat eine große Familie und einen anspruchsvollen Chefarztposten in der Diakonie Bad Kreuznach – aber Dr. André Borsche reicht das nicht. Seit vielen Jahren engagiert sich der Plastische Chirurg zusammen mit vielen anderen Kollegen bei der deutschen Zweigstelle von "Interplast". Regelmäßig fliegt er in die ärmsten Regionen der Welt, um dort zu helfen.
Vor Jahren hatte André Borsche ein Schlüsselerlebnis: Er war in Guinea und es warteten Hunderte von Afrikanern auf Hilfe. Teils Verbrennungsopfer, teils Kinder, die mit schweren Gesichtsentstellungen zur Welt gekommen sind. Er hat zwei Wochen lang Tag und Nacht mit den afrikanischen Ärzten dort operiert, war fix und alle - aber unheimlich glücklich, einen Beruf zu haben, mit dem er so praktisch helfen kann. Seitdem opfert er regelmäßig mindestens ein Drittel seines Jahresurlaubs, um die zu operieren, die sonst keine Chancen hätten.
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Galerie: Dr. André Borsche fliegt regelmäßig in die ärmsten Regionen der Welt, um dort zu helfen.
Doch noch immer gibt es Neuland für den in der Dritten Welt erfahrenen Chirurgen. Im Sommer 2010 reist er erstmals nach Bolivien, um dort Hilfesuchende zu operieren. Das lateinamerikanische Land besitzt kein Krankenkassensystem, keinerlei soziale Absicherung. Jede Behandlung muss selbst bezahlt werden. Die Krankenhäuser sollen zwar per Gesetz alle Kinder bis zum 5. Lebensjahr umsonst behandeln, aber das wird bisher kaum umgesetzt. Die Patienten, viele davon Indios, haben Gesichts- und Handfehlbildungen, Kiefer- oder Gaumenspalten, schwerste Verbrennungsnarben oder Verstümmelungen.
Im Krankenhaus unterhalb von El Cristo, dem Wahrzeichen von
Cochabamba, ist es für ihn dann sehr bewegend und
beeindruckend. Es kommen mehr Menschen in seine Sprechstunde, als
er behandeln kann. Er muss deshalb bei den ersten Untersuchungen
entscheiden, wem er wirklich helfen kann und wen er vertrösten
oder sogar ganz enttäuschen muss. Denn Zeit und Kraft sind
limitiert und manchmal ist ein Fall auch zu kompliziert oder ganz
hoffnungslos. Vielen aber kann er zum Glück helfen. Und am
Ende seines Urlaubs im OP bleibt dann sogar ein bisschen Zeit,
endlich den Berg von El Cristo zu besteigen und die Stadt
wenigstens einmal von oben zu besichtigen.
Eine Weltweit-Reportage von Ines Jacob
Redaktion: Britta Windhoff
Stand: 11.09.2012
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