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Sendung vom 01. Dezember 2009
James Turrell: „Third Breath, 2005“
Kann man sehen lernen? Eine Antwort auf diese Frage gibt der amerikanische Lichtkünstler James Turrell. Für das Lichtzentrum in Unna hat er einen Betonturm bauen lassen, einen 14 Meter hohen Behälter für Luft und Licht. Im würfelförmigen Untergeschoss empfängt den Besucher eine Camera obscura: Auf dem Fußboden ist ein Lichtbild zu sehen, auf eine kreisrunde Fläche aus poliertem Stein projiziert. Es ist ein Stück vom Himmel, den Turrell für uns herunter holt. Treppen führen vom Dunkeln ins Helle, in das zylinderförmige Obergeschoss, den „Skyspace“, der zum Himmel geöffnet ist. Eigentlich ist es nicht mehr als ein Loch im Dach. Aber der Ausschnitt rahmt den Himmel ein und lässt ihn als Bild über uns schweben.
James Turrells „Third Breath“ ist ein quasi religiöser Ort der Lichtverehrung, ein Ort, der Zeit braucht und sich mit der Zeit verändert. Beim Sonnenuntergang tauchen LED-Leuchten den Raum in wechselnde Farben. „Gewöhnlich benutzen wir Licht, um Dinge zu beleuchten“, sagt James Turrell. „Meine Idee ist es, das Licht selbst zu zeigen, damit wir es nicht nur mit den Augen sehen, sondern mit dem Körper fühlen können“. Und so verfolgen wir, wie sich parallel zur Raumfarbe auch der Himmel verändert. Über eine knappe Stunde lang, eine magische Lichtmeditation. Es ist eine Schule des Sehens, in der wir lernen, das Licht wahrzunehmen oder auch den Himmel, zum Beispiel den Himmel über Unna.
James Turrell - Geometrie des Lichts
Katalog zur Ausstellung im Zentrum für Internationale
Lichtkunst, Unna, 2009
Hrsg. im Auftr. der Kulturbetriebe Unna von Ursula Sinnreich
Hatje Cantz Verlag 2009, Preis: 35 Euro
Claudia Kuhland
Stand: 18.11.2009