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Meisterwerke
Sendung vom 09. März 2010
Emil Schumacher: Palmarum
Eine Leinwand, fast vier Meter breit: Durch stumpfe,
brüchige Partien mäandert glänzender Lack. Ein
Relief aus Krusten und Furchen. Zwischen staubig sandigen
Flächen zerläuft Farbe wie zähflüssige
Schlacke. Ein Bild, das etwas durchgemacht hat. Es trägt die
Spuren eines anderen Gemäldes und einer anderen Zeit in
sich.
Emil Schumacher (1912-1999), Mitbegründer der Abstrakten Kunst
in Deutschland und wichtigster Vertreter des Informel, schuf
„Palmarum“ 1991 auf dem Keilrahmen eines
zerstörten Bildes, das er mit zwei weiteren Bildern 1964
für die Documenta III gemalt hatte. Als er nach dem Ende der
Ausstellung das erste Bild noch einmal überarbeitete,
vernichtete er es versehentlich.
27 Jahre später überführte Emil Schumacher die
Dynamik des ursprünglichen Gemäldes in die Bildsprache
seines Spätwerks. Dabei machte er den Malprozess selbst
anschaulich: das Zögern, die Behutsamkeit, die heftigen
Attacken. „Die Leinwand kommt mal vor und weicht wieder
zurück wie bei einem Fechter. Das Bild sehe ich als ein wildes
Tier an, das man zähmen und herausfordern muss.“
Geprägt von zwei Weltkriegen, entwickelte Emil Schumacher von
den 50er Jahren bis zu seinem Tod 1999 eine Kunst, die sich dem
plakativen Abmalen der Welt verweigert und doch das Destruktive
wiedergibt. Ständig war er auf der Suche nach
ungewöhnlichen Materialien und neuen
Ausdrucksmöglichkeiten. Seine künstlerische Arbeit war
ein Kampf mit der Fläche, ein rhythmisches Frage- und
Antwortspiel, Abstraktion, die nah an der Wirklichkeit bleibt.
Emil Schumacher. Leben in der Malerei.
Gespräche und Texte
Hrsg. von Ernst-Gerhard Güse
Hatje Cantz Verlag 2008; Preis: 24,80 Euro
Martina Müller
Stand: 23.02.2010
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