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Sendung vom 04. Mai 2010
Peter Schmitz: Synagoge
Vis-à-vis des Bochumer Planetariums steht ein Würfel aus Stein des Kölner Architekten Peter Schmitz. Er hatte 2005 mit seinem Entwurf den Wettbewerb für eine neue Synagoge gewonnen. „Wer ein Haus baut, der will bleiben“ – dieses Motto hatte der Gemeindevorstand für den Bau vorgegeben. Etwas Dauerhaftes sollte entstehen.
2007 wurde das neue Gotteshaus der jüdischen Gemeinde von
Bochum, Herne und Hattingen eingeweiht - siebzig Jahre nach der
Zerstörung der alten Synagoge durch die Nazis. Der Sandstein
kommt aus Israel, die Mauerung ist eine Reminiszenz an den
Backsteinexpressionismus im Ruhrgebiet. Dazu ein fein gewebter
Teppich aus Davidsternen.
Architektur und Innenausstattung entwickelte Peter Schmitz im
ständigen Dialog mit der Gemeinde. Den Wunsch nach einer
Kuppel erfüllte er mit einem abgehängten Baldachin. Ein
Schirm, der über dem Gebetsraum schwebt – erhaben,
feierlich, leicht. Kalligraphie hebräischer Schriftzeichen
– die Namen der zwölf Stämme Israels. Transparenz
und Offenheit kennzeichnen die Ostwand. Gebetet wird mit Blick nach
Osten - in Richtung Jerusalem. Chanukka-Leuchter, der Torah-Schrein
und die siebenarmige Menora. Im Halbkreis die Plätze für
Frauen und Männer. Am Sabbat, dem siebten Tag der Woche, wird
die Torah-Rolle aus dem Schrank genommen und ein Abschnitt aus der
Bibel vorgelesen. Die fünf Bücher Mose, ein Lesezyklus,
der sich über das ganze Jahr verteilt und dann von neuem
beginnt.
Jüdische Familien lebten seit dem 17. Jahrhundert im
Ruhrgebiet. Im November 1938 brannten die Synagogen. Jüdisches
Leben wurde ausgelöscht. Das neue Gotteshaus ist Heimat
für über eintausend Gläubige, ein Ort der Begegnung
– offen für alle.
Buchtipps
Jan-Pieter Barbian, Michael Brocke, Ludger Heid (Hrsg.): Juden im
Ruhrgebiet. Vom Zeitalter der Aufklärung bis in die
Gegenwart
Klartext Verlagsgesellschaft 1999 (vergriffen)
Feuer an Dein Heiligtum gelegt: Zerstörte Synagogen 1938
Nordrhein-Westfalen
Hrsg. von Michael Brocke
Verlag und Druckkontor Kamp GmbH Bochum 1999 (vergriffen)
Martina Müller
Stand: 16.03.2010
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