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Meisterwerke
Sendung vom 22. November 2011
Edward Burne-Jones: Bildnis Maria Theresa Zambaco
"Ein Bild ist für mich ein schöner romantischer Traum von etwas, das es nie gab, nie sein wird - in einem Licht, besser als es je zu sehen war - in einem Land, das man nicht bestimmen oder erinnern kann, nur ersehnen - eine göttlich schöne Form. Und dann - wache ich auf", schrieb Edward Burne-Jones (1833-1898). 1870 porträtierte er ein Wesen seiner Träume: die in London lebende Griechin Maria Theresa Zambaco.
Schimmerndes Licht auf mattgrüner Seide, leuchtend blaue
Perlen und ein weiß abgetupfter Teint betonen Blässe und
Zartheit der melancholischen Schönheit. Der Vorhang
öffnet sich für eine Göttin. Fast erschrocken zieht
Amor, ständiger Begleiter der Venus, den blauen Samt
zurück und gibt den Blick frei auf die Inkarnation der Liebe
und des erotischen Begehrens. Die Porträtierte scheint in
einem mittelalterlichen Gebetbuch zu blättern. Daneben eine
Feder mit einer Botschaft: "Maria, 26 Jahre, 7. August 1870,
gemalt von Edward Burne-Jones."
Doch es handelt sich nicht um eine schlichte Schreibfeder: Amors
Liebespfeil hatte den Maler getroffen. Im Gebetbuch findet sich die
Illustration eines Liebesliedes - ein versteckter Hinweis auf die
Amour fou zwischen dem verheirateten Burne-Jones und der
geschiedenen Maria Zambaco. Eine skandalöse Beziehung im
Viktorianischen Zeitalter. Am Ende standen Verzweiflung,
Selbstmorddrohungen und die Rückkehr des Malers zu seiner
Familie. Die Blüte des brennenden Buschs: ein christliches
Mariensymbol. Blumen verbinden die Geliebte mit der Sinnlichkeit
der Venus und dem Leid der Muttergottes.
Reale Leidenschaft und sakrale Verklärung - die "femme fragile" bannt Burne-Jones auf die Leinwand, nachdem er sich von Maria bereits getrennt hatte. Es ist die späte Liebeserklärung eines poetischen Künstlers in prosaischen Zeiten. In der Hochphase der Industrialisierung und des Materialismus flieht er in eine mystisch verträumte Kunstwelt. Das intime Porträt war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es blieb im Besitz der Verlassenen und kam erst im 20. Jahrhundert auf den Kunstmarkt - 1965 in das Clemens-Sels-Museum in Neuss.
Martina Müller
Stand: 08.11.2011
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