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WESTPOL
Sendung vom 31. Januar 2010
Deutsch mangelhaft
Die Schulkinder sollen vom ersten Tag an dem Unterricht folgen und sich beteiligen können. Deshalb wird einiges für Kinder mit mangelhaften Deutschkenntnissen schon im Vorschulalter getan. Stichworte: Sprachstandserhebungen und Förderprogramme. Ein halbes Jahr ist jetzt der erste Jahrgang der vom Land geförderten Kinder in der Schule. Nach Erkenntnissen von Lehrern und Verbänden hat sich einiges zum Guten bewegt. Aber es bleibt noch viel zu tun.
Sprachstandserhebung und Förderung schon im Kindergarten, damit alle Kinder, mit und ohne Migrationshintergrund, besser in der Schule mitkommen - das ist ein großes Projekt der Landesregierung. Bundesweit ist sie damit Vorreiter. Nun ist das erste Schulhalbjahr gerade um und es lässt sich erstmals feststellen, was die Offensive der Landesregierung zur Sprachförderung gebracht hat. Nach einer Umfrage des Lehrerverbandes VBE wurden die Erwartungen nicht erfüllt: Etwas mehr als die Hälfte der Lehrer konnte keine Verbesserungen bei den Sprachfähigkeiten feststellen.
Im Gesprächskreis beginnt jeden Morgen für die 1b der Dortmunder Vincke-Grundschule der Unterricht. Immer gleich. Durch ständiges Wiederholen sollen die Kinder besser Deutsch sprechen lernen. Sie machen sich gegenseitig Mut. Alle 25 Kinder haben Migrationshintergrund. Die Hälfte dieser Schüler, und das ist neu, erhielt im Kindergarten erstmals die zusätzliche Sprachförderung.
Christiane Mika, Schulleiterin: „Wir können schon sagen, dass es keine generelle Verbesserung der Sprach- und Sprechfähigkeit der Kinder gibt. Wir stellen in Teilen fest, das die Kinder so einen fachbezogenen Wortschatz haben, das sie uns zum Beispiel Gemüsesorten oder Obstsorten benennen können. Aber das es ihnen weiterhin durchaus schwer fällt, in längeren Satzzusammenhängen richtig zu sprechen.“
Und ohne gute Sprachfähigkeiten kommen die Kinder beim Lernen nur mühsam voran. An der Vincke-Grundschule haben die 1. Klassen täglich bereits 5 Stunden Unterricht. Nur so bleibt genügend Zeit, die Kinder zu fördern. Die Mädchen lesen nach dem ersten Halbjahr schon ganz gut. Den Jungs fällt es viel schwerer. Trotz Sprachförderung in der Kita haben sie noch Probleme, nicht nur hier, sondern an vielen Schulen landesweit. Das haben die Lehrerverbände festgestellt.
Bei einer Anhörung in dieser Woche im Landtag forderten Experten mehr Fachkräfte in den Kitas und eine bessere Kooperation mit den Grundschulen.
Prof. Cornelia Giebeler, Uni Bielefeld: "Wir brauchen eine kompetente, durchgängige Förderung und Unterstützung der Kinder in sprachlichen Bereichen, aber auch in anderen Bereichen und zwar von der Kindertagesstätte bis in die Grundschule hinein und darüber hinaus."
An der Ludgeri-Grundschule im Münsterländischen Billerbeck läuft die Sprachförderung genau so.
Die Schule hat extra eine Sozialpädagogin, die in engem Kontakt zu den Kitas steht. Sie ist speziell ausgebildet und fördert Kinder mit Sprachproblemen gezielt. Die Eltern werden mit einbezogen. Heute ist Michelles Mama dabei. Sabine Apaydin, Mutter :„Es hilft ihr viel, das deutliche Sprechen, weil sie wird mit ja mit nem Ausländer groß, ihr Papa ist ja Ausländer, der spricht ja anders.“
In Billerbeck klappt der Übergang von der Kita nahtlos, auch deshalb, weil die Ludgeri-Schule die einzige am Ort ist.
Dirk Eikmeyer, Schulleiter: „Es gibt regelmäßigen Austausch in Form von Konferenzen, wo wir über unsere Anforderungen sprechen, über unsere Förderprogramme, so dass wir wissen, was in den Kindertagesstätten läuft, aber auch die Kindertageseinrichtungen wissen, was wir erwarten, wenn die Kinder zu uns in die Schule kommen.“
Und deshalb sind bei diesen Erstklässlern eben erste Fortschritte spürbar. Was bislang nur für die Kitas galt, will der Familienminister nun auf die Grundschulen ausdehnen.
Armin Laschet, CDU, Familienminister NRW: “Diese neue Kultur der Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule muss noch besser werden. Wir brauchen einen Bildungsentwurf von 0 bis 10 Jahren, wo keine Brüche sind und wo die Sprachförderung nahtlos in die Grundschule übergeht.“
In Dortmund können sie davon nur träumen. Hier fehlen die Fachkräfte in den Grundschulen und in den Kitas. Die Landesregierung hat bei der Sprachförderung einen Anfang gemacht, aber es ist eben nur ein Anfang.
Stand: 31.01.201000