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WESTPOL
Sendung vom 21. Februar 2010
Weiter Ärger um Bauaufsicht
Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor einem Jahr versprach die Politik Konsequenzen. Vor allem bei der Trennung von Bauherrenschaft und Bauaufsicht wollten die Regierenden offenkundige Mängel abstellen. Nun treten an der U-Bahn-Baustelle fast täglich weitere grobe Baumängel auf und wieder steht die Aufsicht im Fokus der Kritik. Westpol fragt nach: Was hat die Politik eigentlich wirklich getan? Folgten den Ankündigungen Taten? Eine nüchterne Bilanz.
"Wir bauen mit Sicherheit". Was am Zaun der Kölner U-Bahn-Baustelle Heumarkt prangt, ist für die Anwohner blanker Hohn. Auch für Anna-Gertrud Lückerath. Sie wohnt quasi am Abgrund. Ihr Vertrauen in die Verantwortlichen hat die 71-Jährige längst verloren. "Auch jetzt kommen keine Informationen für uns Anlieger", klagt sie. "Ich finde das unmöglich. Es ärgert mich, macht mich traurig und ich habe Angst." Vertrauen verspielt - durch Mängel, Machenschaften, Manipulationen. Eilig werden am Heumarkt in dieser Woche Stahlplatten eingezogen. Steigt das Grundwasser, muss der Schacht geflutet werden.
Doch längst geht es um mehr als Eisendiebstahl und gefälschte Protokolle, es geht um das undurchsichtige System der Bauaufsicht. Das allerdings, so glaubt Manfred Tiedemann vom Bundesverband der Prüfingenieure, haben die Verantwortlichen noch gar nicht begriffen. "Alle Diskussionen, die wir derzeit über Köln verfolgen können, deuten eher darauf hin, dass man an den Symptomen herum doktert, aber sich die eigentlichen Ursachen noch nicht richtig vorgenommen hat. Die liegen an ganz anderer Stelle, weil die hoheitliche Aufgabe der Bauüberwachung an ein Wirtschaftsunternehmen delegiert wurde, die KVB, die in Mehrfachfunktion überfordert war."
Bauherr und Bauaufsicht in einer Person - wie in diesem Fall bei den Verkehrsbetrieben. Genau das sollte nicht mehr möglich sein. Ministerpräsident Rüttgers kündigte vor einem Jahr an: "Bauaufsicht und Baudurchführung müssen voneinander getrennt werden (…). Es ist grundsätzlich zu klären, ob die bauaufsichtlichen Verfahren angemessen und die Aufgaben richtig zugeordnet sind." Doch grundsätzlich geklärt wurde nichts. Zwar ist in Köln inzwischen ein Ingenieurbüro eingeschaltet, das Grundproblem aber bleibt. Noch immer kann sich der Bauherr selbst kontrollieren. Möglich macht das eine Bundesverordnung.
Untragbar, kritisiert die zuständige Aufsichtsbehörde für NRW, die Bezirksregierung Düsseldorf. Nach Westpol-Recherchen fordert sie in einem internen Bericht Änderungen, wie Verkehrsdezernent Matthias Vollstedt vor der Kamera bestätigt. "Meines Erachtens muss da Klarheit geschaffen werden. Deswegen ist der Vorschlag der Bezirksregierung auch, diese Norm entweder zu streichen oder zumindest grundlegend zu modifizieren. Diese ständige Möglichkeit, dass es zu Interessenkonflikten kommen kann, wenn man sich einer sachkundigen Person bedient, darf man gar nicht erst aufkommen lassen." Auf die Frage, ob er mit der Landesregierung schon darüber gesprochen hat, antwortet er: "Der Regierungspräsident hat die Landesregierung insoweit schon informiert."
Doch die blockt ab, hält an der umstrittenen Verordnung
fest. Änderungen über eine Bundesratsinitiative? Für
Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) unnötig. "Nur
aufgrund dieser Vorschrift war es möglich, die externen
Dritten hinzuzuziehen. Denn man bedient sich jetzt der Spezialisten
von Außen zur Erfüllung der eigenen Aufgabe. Das ist
genau auf Basis dieser Vorschrift passiert. Das ist richtig so und
schützt die Menschen jetzt gerade in Köln." Absurd,
meint der verkehrspolitische Sprecher der NRW-Grünen, Horst
Becker. Die Landesregierung ignoriere Bedenken der
Aufsichtsbehörde. "Ich glaube, dass Herr
Lienenkämper den ganzen Vorgang hier im letzten Frühjahr
nicht ernst genommen hat. Und bis heute nicht ernst genug nimmt und
jetzt irgendwie versucht zu erklären, dass er etwas getan
hätte, obwohl er in der ganzen Zeit nichts getan hat."
Auch Manfred Tiedemann vom Bundesverband der Prüfingenieure
fordert Änderungen. "Wenn wir nicht schnellstens dazu
lernen und den Kurs ändern, müssen wir damit rechnen,
dass es weiterhin zu solchen Vorgängen, wie wir sie in
Köln erlebt haben, kommen kann."
Zaudern, Zögern, Aussitzen. Anna Gertrud Lückerath hat
aus dem Bau-Skandal ihre ganz persönliche Lehre gezogen, sie
trägt das wichtigste immer bei sich. Man könne ja nie
wissen.
Stand: 21.02.201000
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