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WESTPOL
Sendung vom 27. Februar 2011
Subventionsgrab Airport Weeze
Der Flughafen Niederrhein an der holländischen Grenze steckt in finanziellen Schwierigkeiten: der Billigflieger Ryanair als Hauptanbieter verkleinert seine Flotte und schon jetzt hat der private Betreiber Geldprobleme. Schlechte Nachrichten für die Steuerzahler: denn der Kreis Kleve hat den Regionalflughafen mit Millionen-Krediten angeschoben und auch vom Land sind Subventionen geflossen.
Jetzt will der Kreis auf Zinsen verzichten und notfalls weitere Anteile am Flughafen erwerben. Westpol über eine Subventionsspirale, die Experten schon vor dem Start des politischen Prestigeprojekts vorhergesagt haben.
Von Düsseldorf/ Weeze raus in die Welt. Der Regionalflughafen am Niederrhein versteht sich als großer Player, ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Hauptanbieter ist die Billigfluglinie Ryanair, doch jetzt hat sie Verbindungen gestrichen - zu unrentabel. Der Flughafen mit Finanzproblemen. Kredite samt Zinsen, die er einst vom Kreis Kleve bekommen hat, kann er nicht tilgen. Es geht um mindestens 34 Millionen Euro. Deshalb schlägt der Flughafen der Gemeinde nun ein wenig lukratives Geschäft vor: der Kreis Kleve soll Anteile erwerben - also seine eigenen Schulden zurück kaufen.
Eine Tatsache, die bis in den Düsseldorfer Landtag hinein für Unruhe sorgt. Risiko Regionalflughafen. Doch die Kommunalpolitiker wollen davon nichts wissen. Schon im Jahr 2003 wies der damalige Landrat des Kreises, Rudolf Kersting, in einem Westpol-Interview jede Kritik zurück: „Da wird alles negativ geredet, was mutige Investoren hier anstellen.“ Dieser „mutige“ Investor in Weeze ist der niederländische Millionär Herman Buurman. Er hat inzwischen ein ganzes Firmengeflecht rund um den Flughafen aufgebaut – von der Logistik bis hin zu einer Zeitarbeitsfirma.
In einer Analyse der Geschäftszahlen kommt ein Wirtschaftsprüfer zu dem Urteil: Der Flughafen war in den letzten Jahren deutlich im Minus – nur Abschreibungen und Grundstücksverkäufe hätten die Zahlen besser aussehen lassen.
Kreistagssitzung diese Woche in Kleve. CDU und SPD sehen den Flughafen Weeze als „Highlight“ der Region und stimmen dafür, notfalls Anteile am Flughafen zu kaufen – wenn der Betreiber die Zinsen zahlen kann. Bürger und Presse müssen draußen warten. Das Thema Flughafen – nicht-öffentlich. Nachfragen unerwünscht. Ein Blankoscheck für den Flughafen. Die Opposition ist empört – darf sich aber nur bedingt vor der Kamera äußern. Die Verwaltung droht mit Bußgeldern, sollten Details nach außen dringen.
Der Flughafen Weeze – hochgerüstet mit Steuergeld. Und das ist kein Einzelfall. Auch andere Regionalairports in Nordrhein-Westfalen – etwa Dortmund, Münster und Paderborn, verschlingen Millionen. Für Chef-Ökonom Eric Heymann von der Deutschen Bank unverständlich. Er fordert: der Bund muss eingreifen und die Vielzahl der kleinen Flughäfen eindämmen. Sie seien ein viel zu großes Risiko: „Der Airport Weeze– ein Flughafen, der durch Investoren groß werden sollte, wird doch nur mit Steuergeldern am Laufen gehalten. Dabei hätte man den Flug ins Ungewisse schon vor Jahren absehen können.“
Stand: 27.02.2011
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