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WESTPOL
Sendung vom 26. Juni 2011
Energiestadt der Zukunft
Das Konzept der "Energiewende" hat zwei Aspekte: zum Umsteuern bei der Energieproduktion kommt das Ziel, Brennstoff einzusparen. Beides will die alte Zechen- und Bergarbeiterstadt Bottrop mit Erfolg kombinieren und sich so zur Energiestadt der Zukunft mausern.
Bottrop – hier gibt es sie noch – die Kohle. Eine Kokerei, eine Zeche – und die Zechensiedlungen. Auf den ersten Blick ein Stück altes Ruhrgebiet. 118.000 Einwohner, die Stadt selbst im Nothaushalt. Für Extras ist eigentlich kein Geld da. Und doch soll alles anders werden – klimafreundlich. Bottrop soll bald Blaupause sein für die Energiestadt der Zukunft. Eine mutige Vision, denn Bottrop startet fast bei Null. Viel Verkehr – in der Innenstadt eine kleine Fußgängerzone, Filialisten – wie überall im Ruhrgebiet.
Wir machen uns auf die Suche. Unser Ziel: Die Kläranlage der Emscher-Genossenschaft. Hier werden die Abwässer von Haushalten und Industrie gereinigt. Dabei fällt tonnenweise Klärschlamm an. In diesen Türmen gärt er vor sich hin. InnovationCity macht daraus Energie, erklärt uns Betriebsleiter Klaus Müller. Aus Schlamm wird hier Methangas und daraus Wasserstoff. Der Wasserstoff wird heute schon verwendet, um ein Wasserstoffkraftwerk an einer Bottropper Schule anzutreiben. Dort wird Wärme und Strom gewonnen.
Weiter geht´s auf eine Abraumhalde. Bottrop ist noch immer eine Kohlestadt. Unter uns die Kokerei Prosper Haniel. 6000 Jobs hängen daran. Der CO2-Ausstoß ist gewaltig. Klaus Müller hat dafür eine Lösung gefunden. Er zählt die Kokerei bei der Klimabilanz erst gar nicht mit. Mehr als ein Schönheitsfehler. Und auch der Energieverbrauch der Skihalle ist ein Problem.
InnovationCity. Es geht um C02-Reduzierung. Die Kokerei, Skihalle. Muss so was weg? Klaus Müller dazu: „Nein, auch für solche Einrichtungen muss in der InnovationCity Platz sein. Es geht darum, die Industrie und Freizeiteinrichtungen so zu gestalten, dass sie möglichst wenig CO2 ausscheiden. Wir wollen ja nicht die Lebensqualität der Bottroper beschneiden und die Industrie vertreiben, sondern gemeinsam mit diesen Einrichtungen die Stadt umbauen“.
Kein Verbot – keine Einschränkungen. Man freut sich, dass die Skihalle nun ein Solardach hat. Damit wird ein Teil des Strombedarfs gedeckt. InnovationCity will mit Maß vorgehen – auch bei der Gebäudesanierung. Keiner soll gezwungen werden. Wohnungsgenossenschaften haben es freiwillig getan. Ein Erfolg. Nebenan die alten Zechenhäuser. Dort steht die Sanierung erst am Anfang. Wer hier wohnt, braucht Fördermittel, um zu investieren. Wie hoch die ausfallen, kann noch niemand sagen.
Und noch ein Problem gibt es: Sämtliche Zechensiedlunge stehen unter Denkmalschutz. Was ist jetzt Ihr Ziel. Wozu wollen Sie die Bewohner dieser Häuser motivieren? „In diesem Wohnungsquartier ist es vor allem die Heizungstechnik, die auszutauschen ist. Hier wird noch sehr viel mit Kohle geheizt. Hier werden wir gemeinsam mit Industriepartner und den Bewohnern Lösungen angehen, die das Problem lösen – darüber auch Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle, die aber das Gesamtbild der Siedlung nicht verfremden“, erklärt uns Klaus Müller von der InnovationCity.
Doch es geht nicht nur um Häuser. Auch Busse machen Dreck. Noch fahren sie mit Diesel. Doch um 13.54 Uhr kommt der erste Wasserstoffbus, der weder stinkt noch qualmt. Ihm sollen weitere folgen. Wir schauen noch beim Bürgermeister vorbei – die Stadt muss bei Investitionen vorangehen – sagt er. Doch das Rathaus ist eine energetische Katastrophe. Die Fassade darf nicht gedämmt werden - Denkmalschutz – und die Heizung ist völlig veraltet. Für eine neue fehlt das Geld – wie bei vielen städtischen Gebäuden.
Dieser Prozess auf dem Weg zur InnovationCity. Wird man da auch mit Widersprüchen leben müssen? Dazu Oberbürgermeister von Bottrop,Bernd Tischler (SPD): „Garantiert. Und wir werden sicher auch immer wieder an Punkte kommen, wo wir sagen, da haben wir uns vertan. Insgesamt, finde ich aber, ist das Thema richtig. Wir sind auf dem richtigen Weg und deshalb bin ich absolut überzeugt davon, dass wir das so tun müssen“.
Klein anfangen – mit einem Elektroauto- auch hier ist mehr noch nicht drin. Bottrop ist eben noch eine normale Stadt - mit Haushaltssorgen und Bürgern, die es oft auch nicht dicke haben. So gesehen ist es aber auch die ideale Testkommune: Wenn InnovationCity hier klappt, dann kann sie überall funktionieren.
Stand: 26.06.2011
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