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WESTPOL
Sendung vom 16. Oktober 2011
Gefahr unter der Dusche
Gefährliche Legionellen, die zu tödlichen Lungenentzündungen führen können, finden sich immer wieder im Warmwasser, ob in der Sporthalle, im Krankenhaus oder auch Zuhause. Vor allem unter der Dusche, wo Sprühnebel entsteht, gelangen die Erreger durchs Einatmen in die Lunge. Der Grund für die Gefahr: Legionellen befinden sich ohnehin im Wasser, vermehren sich aber im warmen Wasser besonders gern. Und weil mittlerweile viele Warmwasserkessel nur noch mit niedrigen Temperaturen fahren, also ideale Brutstätten sind, will der Staat nun handeln: Künftig sollen Hausbesitzer ihre Duschen testen lassen. Kritiker sehen darin bürokratischen Irrsinn.
In der Dusche kann es gefährlich werden – das wissen wir spätestens seit Hitchcock. Das aber allein schon der Wassernebel krankmachen oder gar tödlich sein kann – war doch bislang eher unbekannt. Durch Legionellen. Das sind Bakterien, die im Trinkwasser vorkommen. Oft ist unser Wasser heute nicht mehr heiß genug. Zwischen 25 und 50 Grad Celsius vermehren sie sich explosionsartig und können eine schwere Lungenentzündung auslösen.
Nicole Müller-Gabriel hat es erleben müssen. Nach einer Reise im Juli duscht sie zu Hause in Solingen. Ein paar Tage später liegt sie im Krankenhaus. Legionellen kannte sie nicht mal, sie hat die Temperatur so eingestellt, dass sie für sie angenehm war und sich nichts weiter dabei gedacht. Doch so bewusst krank gefühlt hat sie sich noch nie.
Wegen einer chronischen Erkrankung ist Nicole Müller-Gabriel anfälliger. Aber kein Einzelfall. Allein zu Hause erkranken in Deutschland 32 000 Menschen im Jahr an Legionellen, 1920 davon sterben. Tendenz steigend, warnen Wissenschaftler. Prof. Werner Mathys, vom Hygieneinstitut Uniklinik Münster, vermutet, dass die Legionelleninfektionen zunehmen werden, weil immer mehr ältere Menschen in unserer Gesellschaft leben und, weil wir immer mehr Personen haben, die immungeschwächt sind. Dementsprechend nehme auch der gefährdete Bevölkerungsanteil zu. Außerdem sei die Technik im Bereich der Trinkwasserinstallation immer komplexer, immer schwieriger. Es würden immer mehr Nährböden oder Schlupfverstecke für diese Keime gebildet.
Die verschärfte Trinkwasserverordnung soll sie stoppen. Zum Schutz der Mieter. Ab 1. November müssen alle Wohnhäuser mit großen Warmwasseranlagen auf Legionellen überprüft werden. Unter Strafandrohung. Die meisten Vermieter wissen noch nicht, wie sie das umsetzen sollen. Mindestens 3 Millionen Wohnungen könnten allein in NRW betroffen sein.
Michael Heß, von Haus und Grund Niederrhein, gefällt diese Regelung nicht. Das Ziel sei in Ordnung, doch er befürchtet, dass die Länder und Kommunen personell und organisatorisch nicht in der Lage sein werden die Überprüfungen durchzuführen und, dass deswegen die Kosten und Ausführungen bei den privaten Immobilieneigentümern hängen bleiben.
Tatsächlich kommt einiges auf die Vermieter zu. Das Problem: Noch wissen viele gar nicht, das ihr Haus kontrolliert werden muss. In Frage kommen nur Trinkwasseranlagen, bei denen 3 Liter Wasser in der Leitung stehen können oder mit einem Wasserspeicher, der mehr als 400 Liter fasst….
Ein- und Zweifamilienhäuser sind vom Pflichttest ausgenommen. Denn der Besitzer kann sich selbst schützen, meint der Gesetzgeber:- kann das Wasser laufen lassen und auf mindestens 55 Grad Celsius erhitzen, dann haben die Legionellen keine Chance. Das Energiesparen bleibt dann natürlich auf der Strecke.
NRWs Umweltminister Johannes Remmel, B90/Grüne, meint, dass die Priorität dem Gesundheitsschutz gilt. Das sieht Nicole Müller-Gabriel nach ihrer überstandenen Legionellenerkrankung genauso. Man solle nicht ans Sparen denken und lieber das Wasser etwas länger und heißer laufen lassen, hauptsache keine Legionellen mehr. Und dafür würde sie gern auch eine Wasserprobe bezahlen. Denn die Kosten dafür kommen jetzt auf die Mieter zu. Nicole Müller-Gabriel ist es das allemal Wert, um die Gefahr aus der Dusche zu bannen.
Stand: 16.10.2011
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