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Brauner Terror auch in NRW?

  • SendeterminSonntag, 20. November 2011, 19.30 - 20.00 Uhr.

Nicht nur der Nagelbombenanschlag in Köln und der Mord an einem Dortmunder Kioskbesitzer sollen auf das Konto der „Zwickauer Zelle“ gehen. Möglicherweise gibt es auch weitere Verbindungen der Gruppe nach NRW. Immer mehr Fälle Rechter Gewalt werden neu aufgerollt. Haben die Behörden die Gefahr von Rechts zu lange unterschätzt?

NRW: Rund 640 "erkannte" Neonazis

"Der Hitler von Köln"

Remagen gestern Nachmittag – unbeeindruckt von den Berichten über rechten Terror marschieren hier etwa 250 Neonazis auf. Der Großteil der Gruppe sind Kameradschaften und autonome Nationalisten aus NRW.

Mittendrin: Axel Reitz Spitzname „Der Hitler von Köln“. In seinen Reden verherrlicht er unverhohlen das dritte Reich, ruft zum Kampft gegen die Demokratie auf. Reitz hat wegen Volksverhetzung bereits knapp zwei Jahre im Gefängnis gesessen. In der Szene ist er eine Schlüsselfigur, verfügt über bundesweite Kontakte und einen engen Draht nach Thüringen. Kannte er auch die NSU, die braue Terrorzelle aus Zwickau?

Wir treffen einen Augenzeugen eines Kameradschaftstreffens. Er will unerkannt bleiben. Er erzählt uns von einem bemerkenswerten Vorfall vom 6. November 2009. Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe sind nach seiner Erinnerung bei diesem Treffen in Erftstadt dabei gewesen. Es soll sich um eine Jahresabschlussveranstaltung der Freien Nationalisten Köln gehandelt haben. Die drei Verdächtigen sollen Probleme beim reinkommen gehabt haben bis Herr Reitz sie persönlich reingeholt hat.

Verbindung nach NRW

Welche Verbindungen hatten die drei also nach NRW? Wir konfrontieren Axel Reitz mit der Schilderung unseres Augenzeugens. Hat er Beate Zschäpe in Erftstadt getroffen? Als Axel Reitz seinen Vortrag hielt, habe das Trio aus Zwickau hinten rechts im Saal gesessen, sagt der Augenzeuge.

Konnten die drei die Neonazi-Veranstaltung hier in der Kneipe Alt-Gymnich offenbar völlig unbehelligt besuchen, ohne dass der Verfassungsschutz etwas davon mitbekommt? Wirklich nicht? Die Verbindungen der Neonazis aus NRW zum Umfeld der Zwickauer Zelle NSU sind offensichtlich. Im Internet finden wir mühelos ein Foto aus dem Jahr 2006. Axel Reitz neben Thomas Gerlach.

Der Thüringer Gerlach wird mittlerweile zum Unterstützerkreis der Terroristen gezählt. Auch zu Ralf Wohlleben und André Kappke bestehen enge Kontakte. Beide stehen im Visier der Ermittler. Und Axel Reitz taucht immer wieder bei den Thüringer Neonazis auf.

Dortmund ist eine der Hochburgen der rechten Szene

Zahlreiche Gewaltaten in Ostdeutschland und NRW

Auch die nordrhein-westfälische Neonaziszene war dazu auf Reisetour, oftmals in Ostdeutschland, auch im Kreis von Jena und hat sich dort mit der hiesigen Neonazuiszene, des sogenannten Freien Netzes in Jena herum getroffen und dort wurden dann gemeinsame Möglichkeiten des Agierens vor Ort und auch des Demonstrierens und Kooperationen erörtert, so der Rechtsextremismusexperte Alexander Häusler.

Aber auch hier in NRW hat sich die Szene längst radikalisiert. Rechtsextremisten verübten zahlreiche Gewalttaten, sogar mit tödlichen Ausgang. Doch die Politik ignorierte häufig den rechtsrextremistischen Hintergrund.

Beispiel: Der Fall Michael Berger

Er erschoss in Dortmund und Waltrop im Jahr 2000 drei Polizisten. Die rechtsextreme Gesinnung des Waffennarrs soll für die Tat angeblich keine Rolle gespielt haben. 2005 ersticht ein Dortmunder Neonazi den Punker Thomas Schulz, genannt Schmuddel, in einem U-Bahnhof. Auch dieser Fall findet keinen Eingang in die Statistik.

Aber auch ohne diese Fälle ist die Zahl der Gewalttaten erschreckend hoch. Fast jeden zweiten Tag gibt es laut Statistik in NRW einen Übergriff von rechts. Wir treffen ein Opfer, nennen wir ihn Stefan. Nach einer Party von Neonazis wird der Schüler 2008 brutal zusammengeschlagen. Grund: sie halten ihn für einen Linken. Stefan, der nicht erkannt werden möchte, erleidet einen Kieferbruch, Nieren- und Blasenverletzungen und eine Gehirnerschütterung.

Besonders schlimm waren für ihn die psychischen Folgen, die ungefähr eineinhalb Jahre anhielten. Er wurde mehrmals am Tag ohnmächtig und konnte sich nicht mehr in großen Menschenmengen aufhalten, auch die Schule konnte er nicht mehr besuchen.

Rechte "Hot Spots" können sich schnell entwickeln

Fehlende Anhaltspunkte

Alle Verfahren gegen seine Peiniger wurden von den Ermittlungsbehörden eingestellt. Fazit: für einen rechtsextremistischen Hintergrund gebe es keine Anhaltspunkte. Anna Conrads fordert, dass die Gewalt von Rechts in NRW ernster genommen wird. Braunen Terror, auch im Kleinen, gibt es nicht erst seit die Zwickauer Zelle aufgeflogen ist.

Der Staat hat es Neonazigrößen wie Axel Reitz und anderen in den letzten Jahren zu einfach gemacht. Auch gestern in Remagen. Die Polizisten finden bei ihm Pfefferspray - ein Verstoß gegen die Auflagen. Mitmarschieren darf er am Ende trotzdem. Bewahrheiten sich seine Kontakte zur Braunen Terrorzelle könnte sich das in Zukunft ändern.

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Stand: 20.11.2011


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