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WESTPOL
Sendung vom 15. Januar 2012
Die Lüge von der Wärmedämmung
Wer sein Haus gut dämmt, spart am Ende bares Geld. So das Versprechen. Doch die Wirklichkeit ist anders: Für die meisten lohnt sich die Sanierung nicht. Mit verschiedenen Fördertöpfen versuchen Bund und Land, Anreize für Eigentümer zu setzen.
Burkhard Allebrodt hat noch keine Wärmeschutzfenster in seinem Häuschen. Der Rentner aus Kamen hatte eine Energieberatung bislang hinausgezögert. "Ich hab jetzt endlich mal Zahlen auf dem Tisch, ich weiß wie hoch die Summen sind, die auf mich zukommen würden", erklärt Allebrodt. "Und, um ehrlich zu sein, wenn ich das jetzt so sehe, dann sind das Bereiche, die mich schon ein bisschen schockieren."
Energieberater Ulrich Lehmann rechnet ihm vor, was er in den Klimaschutz investieren müsste: Neue dreifach verglaste Fenster kosten 20.000 Euro, die Dachdämmung 35.000 Euro, die Dämmung der Fassade 30.000 Euro. Dazu käme eine Lüftungsanlage, ohne die ein voll isoliertes Haus zu feucht wird, sowie die Kellerdecke. Insgesamt knapp 100.000 Euro müsste Burkhard Allebrodt investieren, um 60 bis 70 Prozent der Heizkosten zu sparen. Die jährliche Einsparung würde somit 1.200 Euro pro Jahr betragen, erläutert Lehmann - und nennt das Ergebnis mit Blick auf die Lebenserwartung des Rentner "ernüchternd".
Ernüchternd ist die energetische Sanierung auch für die Wohnungsgesellschaft in Bochum. 40 Prozent der Wohnungen wurden modernisiert, unter ihnen die Häuser in der Kreuzkampstraße. Elf Prozent der Kosten darf die Wohnungsgesellschaft auf die Miete drauf schlagen. "Wir hätten bis 1,90 Euro pro Quadratmeter erhöhen können", erläutert Norbert Riffel, Geschäftsführer der VBW Bochum. "Und wir haben das Ganze gestoppt bei einem Euro, weil wir festgestellt haben, das wir ansonsten einfach eine Belastung erzeugen, die deutlich über dem Mietspiegel liegt."
Und das könnten die meisten Mieter in Bochum nicht bezahlen. Wie Alice Ortmann. Die Köchin lebt seit Jahrzehnten hier. Ihre Miete ist durch die Sanierung um 60 Euro im Monat gestiegen, aber sie spart nur 30 Euro bei den Heizkosten. "Meine Situation ist so, wenn die Miete stärker gestiegen wäre, dass ich das dann nicht mehr hätte aufbringen können", so Alice Ortmann.
Aber auch die Wohnungsgesellschaft kann nicht auf Dauer für den Klimaschutz draufzahlen. Dirk Mobers von der Energieagentur des Landes appelliert an die Hausbesitzer, weiter zu denken. Langfristig würden die Investitionen sich rechnen. Und kurzfristig gäbe es von Bund und Land günstige Kredite. "Die Förderprogramme sind sehr gut ausgestaltet, die Konditionen sind sehr gut", erläutert Mobers. "Es muss eine Kontinuität da sein, dass man auch wirklich diese Programme zu den Konditionen, dann auch nutzen kann. Aber eine deutliche Aufstockung ist meines Erachtens zur Zeit nicht erforderlich."
In Kamen erfährt Burkhard Allebrodt unterdessen, dass er, wenn er richtig sanieren will, Teile seiner Fassade abreißen müsste. Das schreckt den 63-Jährigen erst recht ab. Und seine Kinder haben auch kein Interesse daran. Wie bei vielen. "Wir haben hier in der Siedlung überwiegend ältere Menschen, die also auch gar nicht wissen, wer das Gebäude letztendlich übernimmt und die sind alle nicht bereit, die ich kenne, ihr Haus mit so hohen Kosten zu belasten", so der Rentner.
Auch die Wohnungsgesellschaft in Bochum will die hohen Kosten nicht überall tragen. Die Häuser in der Altenbochumer Straße wurden nur gestrichen, sanieren lohnt sich nicht. "Da, wo es nicht geht, hängt es an der Akzeptanz der Mieter, der Menschen, die dort wohnen", so Norbert Riffel, Geschäftsführer der VBW Bochum. "Wenn ich denen nicht mehr Miete abverlangen will und ich als Eigentümer von Häusern nicht gezwungen bin, Dinge zu tun, die nicht wirtschaftlich sind, dann kann es eigentlich nur über eine Förderung oder einen Zuschuss gehen."
Dirk Mobers von der Energieagentur NRW setzt andere Schwerpunkte. "Das Finanzielle ist natürlich das eine. Wir haben die Konditionen bei Ein-Prozent-Kreditzins für eine energetische Modernisierung. Ich glaube, viel weiter runtergehen kann man nicht. Und trotzdem hilft es nicht. Geld allein ist es nicht, sondern wir müssen hier informieren, motivieren, das Gebäude anzugehen.“
Burkhard Allebrodt in Kamen ist jetzt informiert, aber immer noch nicht motiviert. Denn ihm helfen die Förderkredite nicht. Sein Energieberater kann das verstehen. Er fordert deshalb von der Politik richtige Zuschüsse. "Diese Zuschüsse müssen so hoch sein, dass sie die Nachteile für den Einzelnen überwiegen und auch die Mehrkosten, die entstehen, ausgleichen", so Energieberater Lehman. Doch das will der Staat nicht finanzieren. Bleibt alles wie es ist, dann scheitert der Klimaschutz am Ende an den Häusern.
Stand: 15.01.2012
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