Peer Steinbrück - ein Psychogramm
- Sonntag, 09. Dezember 2012, 19.30 - 20.00 Uhr
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Etwas arrogant, schlagfertig und klug, so wird Peer Steinbrück oft beschrieben. Wie ist er wirklich? WESTPOL hat mit Freunden und Feinden, engen Vertrauten und politischen Beobachtern gesprochen.
Eigentlich nutzt Peer Steinbrück die große Bühne gerne für sich selbst. Doch am Sonntag (09.12.2012) beim Bundesparteitag in Hannover wählt er eine andere Strategie. Gegenüber der Partei zeigt er sich zurückhaltender und demütiger als sonst.
Der Politiker
Peer Steinbrück ist ein markanter Typ. Einer, der von sich selbst überzeugt ist. Manchmal zu sehr. Der Journalist Daniel Friedrich Sturm hat ihn begleitet. Dabei lernt er einen durchaus selbstherrlichen, aber auch offenen, neugierigen Politiker kennen - einen mit Ecken und Kanten. "Steinbrück ist einfach ein Typ, zu dem die meisten Menschen eine Meinung haben - positiv oder negativ. Und er muss jetzt darauf achten, dass es vielleicht noch ein paar mehr werden die ihn gut finden", meint Sturm.
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Wie ist der SPD-Kandidat Peer Steinbrück wirklich?
Der Mensch
Doch dazu muss Steinbrück im Wahlkampf lernen, offener für die Bedürfnisse anderer Menschen zu sein. Oft fehlen ihm dabei das Fingerspitzengefühl und die Feinfühligkeit für Situationen. Häufig wirkt er unbeholfen und verkrampft. Gerade bei Frauen kommt sein Humor nicht an. "Er hat sicher Defizite bei Frauen, das ist ja unübersehbar, auch die, was die Herzlichkeit angeht, auf Leute spontan zuzugehen. Aber er kompensiert das mit einer sehr guten Analyse und guten Reden, die er halten kann", findet Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ergänzt: "Ich habe ihn erlebt als Kollegen und später auch als Ministerpräsidenten, da war er sozusagen mein Chef. Ich habe nie das Problem gehabt - Frauen sind für ihn exakt auf Augenhöhe. Es war ihm völlig egal, ob ihm ein Mann oder eine Frau gegenübersaß“.
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Höhn: "Er hat sicher Defizite bei Frauen"
Der Impulsive
Doch er muss sein Temperament in den Griff bekommen. Im Stress verliert er schon mal die Selbstbeherrschung. "Die Zunge von Peer Steinbrück ist schon recht stark und der Weg vom Sprachzentrum zu dem Sprechorgan ist bei Peer Steinbrück schon sehr kurz, manchmal zu kurz. Da kommt ihn schon mal eine Bemerkung über die Lippen, die er hinterher bereut", weiß Steinbrück-Biograf Daniel Friedrich Sturm.
Der Distanzierte
Groß geworden ist er im gutbürgerlichen Hamburg-Uhlenhorst. Der Vater war Architekt. Peer Steinbrück hat nie am Hungertuch genagt, hat keine klassische sozialdemokratische Karriere hinter sich. Der 65-jährige mag Kino, Literatur, Kunst und beim Schach das Spiel Mann gegen Mann. "Er ist kein Mannschafts-Spieler. Gerhard Schröder hat Fußball gespielt. Steinbrück Tennis und heute Schach", so Daniel Friedrich Sturm.
Der Stratege
Der Einzelgänger liebt die große Bühne. Bundeskanzler in spe - das ist seine Welt. In der Finanzkrise erarbeitet er sich einen guten Ruf als Finanzfachmann. Als einer der auch der Kanzlerin sagt, wo es lang geht. Sein Vorbild: Helmut Schmidt. Vom Altkanzler lässt er sich dann auch öffentlichkeitswirksam bescheinigen, dass nur er das Zeug zum Kanzler habe.
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Steinbrücks Vorbild ist Altkanzler Helmut Schmidt
Der Machthungrige
Erfahrungen als Regierungschef macht Steinbrück in Düsseldorf. 2002 übernimmt er die Führung der rot-grünen Regierung. Kaum im Amt kommt es zum Eklat: Er sucht den Bruch mit den Grünen, will einen Neustart mit der FDP. Doch sein Vorhaben scheitert. Er muss klein beigeben. Bärbel Höhn erinnert sich: "Peer Steinbrück hat einen großen Vorteil. Er ist sehr lernfähig. Er lernt vor allem auch aus Niederlagen."
Der Pragmatiker
Der Kandidat hat am Sonntag in Hannover gezeigt, wie lernfähig er ist und auf sozialdemokratische Herzensthemen wie Bildung, Frauen und Gerechtigkeit gesetzt. Dafür bekam er ein gutes Ergebnis. Nach verkorkstem Start stehen die Zeichen jetzt auf Neuanfang.
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SPD-Kanzlerkandidat mit gutem Ergebnis
Stand: 09.12.2012
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