Kampf um den Blutmarkt
- Sonntag, 16. Dezember 2012, 19.30 - 20.00 Uhr
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Die Versorgung von Kranken und Verletzten mit Blutkonserven ruht auf drei Säulen: DRK, Kliniken und privaten Blutspendediensten. Laut Gesetz sollen sie eng zusammen arbeiten, denn es geht um Daseinsvorsorge und nicht um Marktwirtschaft. Hinter den Kulissen aber wird mit harten Bandagen um Marktanteile gekämpft.
Was im Kühlhaus des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes in Hagen lagert, ist wertvoll. Jeder Beutel mit dem Standardkonzentrat aus roten Blutkörperchen kostet etwa 80 Euro. Beutel mit weißen Blutkörperchen sind teurer – sie kosten das drei- bis sechsfache. Die Zahlen verdeutlichen: Es ist ein lukrativer Markt.
Walter von Horstig vom DRK-Blutspendedienst West sieht das anders: "Also wir tun uns ein bisschen schwer damit, das als Markt zu bezeichnen. Wir sehen letztendlich den Patienten, der versorgt werden muß." Heiner Trobisch von der Gesellschaft für Transfusionsmedizin widerspricht: "Das DRK verkauft ja nun Blutplasma an die pharmazeutische Industrie. Das hat mit Wohltaten oder mit Altruismus nun gar nichts zu tun. Das ist ein reines, knallhartes Geschäft."
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Blutspenden sind knapp
Die Äußerungen zeigen: Die Fronten sind verhärtet. Dabei gelten für die verschiedenen Blutspendedienste klare Regeln, festgeschrieben im Transfusionsgesetz. Es erteilt einen Versorgungsauftrag an alle Spendeorganisationen. Und weiter heißt es darin: "Das Transfusionsgesetz verpflichtet die Spendeeinrichtungen zur Zusammenarbeit." Die Wirklichkeit sieht anders aus: Um das Spenderblut wird mit harten Bandagen gekämpft.
Die Blutspendedienste streiten auch vor Gericht
So wie am Verwaltungsgericht Mainz vor zwei Wochen: Der Blutspendedienst West des DRK zieht gegen die Uni-Klinik Mainz zu Felde. Es geht um eine Aufwandsentschädigung von 26 Euro, die die Uni Klinik ihren Blutspendern zahlt - und zwar auch dann, wenn die Klinik zu Blutspendern raus fährt. Das passt dem DRK nicht. Mobile Blutspendetermine betrachtet die Organisation als ihre ureigenste Sache. Die offizielle Argumentation: "Blut ist ein Organ, und dieses Organ gibt der Spender freiwillig.", sagt Walter von Horstig. "Wenn er auf der anderen Seite eine Aufwandsentschädigung erhält, die deutlich höher ist als der Aufwand, den er tatsächlich hatte, so ist die Frage, ob der Aufwand nicht eine versteckte Vergütung ist." Und das sei laut Gesetz verboten, so von Horstig.
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Der Streit ums kostbare Blut geht bis vor die Gerichte.
Eine Aufwandsentschädigung ist aber erlaubt. So steht es im Gesetz. Und auch die Mainzer Richter machten deutlich: 26 Euro - das ist nicht zu viel. Zumal die Blutspendedienste des DRK selbst mit großzügigen Präsenten werben. Etwa einem Schlemmerwochenende oder Kochen mit Prominenten. Dauer-Spender werden mit der Aussicht auf Spielekonsolen oder Tablet-PCs gelockt. Stellt sich die Frage: Ist das dann in Ordnung? "Ja, das sind keine Präsente die von uns kamen, sondern wir haben Partner, die auch für sich werblich dort auftreten", sagt Walter von Horstig. In diesem Zusammenhang würden sie dem DRK Preise für Verlosungen zur Verfügung stellen.
Zu 80 Prozent dominiert das DRK den Blutmarkt
Es ist Messen mit zweierlei Maß. Walter Hitzler ist der Chef der Blutbank an der Mainzer Uni-Klinik - und er hat den Prozess um die Aufwandsentschädigung gewonnen. Verstehen kann er das Vorgehen des Deutschen Roten Kreuzes nicht. Schließlich haben dessen Blutspendedienste schon jetzt eine Marktmacht von 80 Prozent: "Wir haben in Deutschland 4,9 Millionen Vollblutspenden. Davon machen die staatlich-kommunalen-universitären 900.000 aus." Hitzler sieht sich deswegen nicht als ernsthafter Konkurrent.
Vor Ort beim Blutspendetermin des Deutschen Roten Kreuzes vergangene Woche in Langenfeld. Die evangelische Kirche stellt die Räumlichkeiten. Ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um die Organisation. Wer hier herkommt, macht das aus reiner Nächstenliebe. Die Spender geben ihr Blut unentgeltlich. Dass es dann verkauft wird, sorgt für geteilte Meinungen.
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Blutspenden sind nichts weiter als eine Ware.
Blut als Ware - damit macht auch die Gesellschaft für Transfusionsmedizin in Duisburg Geld. Professor Heiner Trobisch ärgert sich schon lange über das Deutsche Rote Kreuz, das sein Institut mehrfach mit Klagen überzogen hat. Er versteht das aggressive Gebaren nicht und fordert faire Partnerschaft zwischen DRK, privaten und staatlichen Spendediensten: "Das ist der einzige Weg, um in Deutschland die Versorgung mit Blutkonserven sicherzustellen", sagt Trobisch. "Keiner der drei ist alleine imstande, die Mengen an Blutkonserven zur Verfügung zu stellen, die gebraucht werden."
Statt einem Miteinander tobt der Kampf ums Spender-Blut und die Markt-Macht. Am Ende leidet das Image der Blutspendedienste insgesamt - und die Spendenbereitschaft könnte sinken. Für die, die dringend eine Blut-Spende brauchen, wäre das fatal.
Stand: 16.12.2012
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