

Farbenblindheit heißt in der Fachsprache eigentlich Rot/Grün-Sehschwäche, denn die Betroffenen können eben diese beiden Farben schlecht auseinander halten. Wie kommt das?

Zuerst müssen wir mal untersuchen, wie das Sehen überhaupt funktioniert. Vorne im Auge sitzt die Linse. Durch sie fällt Licht herein und trifft hinten im Auge auf die Netzhaut. Dort sitzen verschiedene Sinneszellen, nämlich die Stäbchen und die Zapfen, die zu Tausenden auf der Netzhaut verteilt sind. Sie erfüllen beim Sehen unterschiedliche Aufgaben. Die Stäbchen sind dazu da, alle Grautöne zu sehen und die Zapfen ermöglichen, dass wir bunte Farben sehen können. Zapfen gibt es mit 3 verschiedenen Farbstoffen: rot, grün und blau.

Wenn wir eine rote Blume sehen, passiert folgendes: Licht fällt auf die Blume, sie wirft rotes Licht zurück in unser Auge. Das regt die roten Zapfen an, ein Signal zu senden mit der Botschaft: "Die Blume ist rot!". Eine grüne Blume regt grüne Zapfen an, und eine blaue Blume regt blaue Zapfen an. Was passiert, wenn die Blume gelb ist - wir haben ja schließlich keine gelben Zapfen? Eine gelbe Blume regt rote und grüne Zapfen gleichzeitig an. Verwirrung! Wenn ihr mit dem Farbkasten rot und grün vermischt, ergibt das eher ein hässliches Braun. Wie kann das denn im Auge Gelb ergeben? Das hat mit Licht zu tun und nennt sich additive Farbmischung. Wenn ihr mit einer Taschenlampe grünes Licht und rotes Licht auf die gleiche Stelle strahlen würdet, wäre das, was ihr seht, Gelb. Rotes und blaues Licht ergibt ein helles Pink (Magenta) und grün und blau ein helles Türkis (Cyan). Mischt man alle drei Farben, ergibt das Weiß. Mit Licht werden Rot, Grün und Blau also heller, wenn man sie zusammenmischt. Und je nach Mischverhältnis kann man alle möglichen Farben wiedergeben.


Anders ist das, wenn ihr anstatt Licht die Farben Eures Malkastens (also Stoffe) mischt. Was da passiert nennt man subtraktive Farbmischung. Mischt man hier zwei Farben zusammen werden sie dunkler, aus Pink und Gelb wird Rot, aus Türkis und Gelb wird Grün und aus Pink und Türkis wird Blau - alle Farben zusammengemischt ergeben fast Schwarz.
Sehen funktioniert aber nur mit Licht. Es kommt also zur additiven Farbmischung. Und so werden rote und grüne Zapfen angeregt, wenn gelbes Licht in unser Auge fällt. Wenn nun jemand eine Rot/Grün-Sehschwäche hat, dann fehlen ihm rote Zapfen - er hat dann fast nur Blaue und Grüne. Das hat zur Folge, dass er Rot schlecht bis gar nicht von Grün unterscheiden kann. Beides sind für ihn einfach verschiedene Grün/Gelbtöne, denn nur die grünen und blauen Zapfen werden bei Lichteinfall angeregt.
Ah!
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