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Weihnachtsgeschichten aus NRW

Unterwegs mit Stefan Pinnow

  • SendeterminSamstag, 24. Dezember 2011, 08.20 - 09.50 Uhr.
  • WiederholungsterminSonntag, 25. Dezember 2011, 02.15 - 03.45 Uhr (Wdh.).

Es weihnachtet sehr im Land zwischen Rhein und Weser. Stefan Pinnow macht sich mit der „Advents-Isetta“ auf die Reise durch NRW, auf der Suche nach Traditionen rund um das Fest der Feste. Dabei trifft er interessante Menschen, die ihm ihre „Weihnachtsgeschichte“ erzählen.

Stefan Pinnow macht sich mit der „Advents-Isetta“ auf die Reise durch NRW und sucht nach Traditionen rund um das Fest der Feste.

Weihnachtsmarkt für die Sinne und die Seele

Die Reise durch das weihnachtliche Nordrhein-Westfalen beginnt und endet im historischen Eifelort Kronenburg im südwestlichen Zipfel von NRW. Jedes Jahr am ersten Adventswochenende findet dort der traditionelle Weihnachtsmarkt statt. Einer der schönsten in der Eifel - sagen viele - weil er die Sinne und die Seele berührt. Feuerstellen und frische Zweige an historischen Häusern und Hütten sorgen für die besondere Atmosphäre in den verwinkelten Gassen von Kronenburg - es riecht nach Weihnachten.

Stefan Pinnow auf dem Weihnachtsmarkt
Stefan Pinnow besucht den Weihnachtsmarkt in Kronenburg.

Unterwegs mit dem Advents-Auto

Stefan Pinnows Reisegefährtin ist eine rot-weiße Isetta BMW aus dem Jahr 1958. Im Volksmund auch 'Knutschkugel' genannt. Der 12 PS starke Winzling besitzt eine ungewöhnliche Türkonstruktion. Der Einstieg ist vorn, die Tür geht hoch. Das ist der Grund, warum die Isetta auch 'Advents-Auto' genannt wurde - in Anspielung an das bekannte Weihnachtslied 'Macht hoch die Tür'.

Eine rot-weiße Isetta fährt über Land
Die rot-weiße BMW Isetta ist Baujahr 1958.

Unsere „Weihnachts(b)engel“

Für die Kinder im Immanuel-Kindergarten in Dortmund-Marten ist die Adventszeit eine ganz besondere Zeit. Dann wird der Baum geschmückt, die Krippe aufgebaut, gebastelt und gebacken. Über Weihnachten lässt sich eine Menge erzählen. Schließlich haben sie das Fest der Feste schon ein paar mal erlebt. Die 11 kleinen Weihnachtsexperten plaudern  gemütlich auf dem Sofa sitzend von Sterncheneis und Tannenbaumplätzchen, von Stromausfall an Weihnachten und warum der Weihnachtsmann gestorben ist und nun Jesus das Christkind ist.

Zwei Jungen unter einem Weihnachtsbaum
Weihnachts(b)engel

Weihnachtshaus und Strohhalmkrippe

Im Weihnachtshaus in Monschau herrscht das ganze Jahr über Adventsstimmung. Auf drei Etagen gibt es dort Weihnachtsartikel und Krippen zu kaufen. Stefan Pinnow erkundet gemeinsam mit Volkskundler Alois Döring vom Landschaftsverband Rheinland die weihnachtliche Kulisse. Der Volkskundler beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Kulturgeschichte der Bräuche und erklärt dem Moderator das „Strohhalm legen“. Diesen alten Adventsbrauch kennt Alois Döring aus seiner eigenen Kindheit. War ein Kind brav, durfte es jeden Tag einen Strohhalm in die noch leere Krippe legen, damit das Christkind an Heiligabend schön weich liegt.

Geschäftsauslage mit Weihnachtsschmuck
Zu Besuch im Weihnachtshaus in Monschau

Früher war mehr Lametta

Früher war alles besser, oder wie Loriot es einmal in der Rolle als „Opa Hoppenstedt“ ausdrückte: früher war mehr Lametta. Wir haben uns gefragt: wie war es denn wirklich und werfen einen Blick zurück. Weihnachten in der Wirtschaftswunderzeit. Als in so manch einem Kaufhaus bereits zu Erntedank der Weihnachtsschmuck im Schaufenster stand, echte Pelzmäntel auf dem Gabentisch lagen und die Carrerabahn darunter. Der
billigste Tannenbaum 33 Pfennig und der teuerste 1 Million D-Mark kostete und eine TV-Moderatorin im Fernsehen Basteltipps gab.

SW-Aufnahme eines Weihnachtsfestes im Wohnzimmer in den 50er-Jahren
Weihnachten in der Wirtschaftswunderzeit

Das Gebäck des Spekulators

In der Adventszeit werden im Freilichtmuseum Kommern Spekulatius gebacken. Der Teig aus Mehl, Zucker, Butter, Eiern und Gewürzen wird in eine Model, eine Holzform, gedrückt. Die beiden Hauswirtschafterinnen Anita Wolfgarten und Brigitte Richarz führen Stefan Pinnow in die alte Technik ein und erklären ihm, woher der Name 'Spekulatius' kommt. Früher wurden die Plätzchen um Nikolaus herum gebacken und deshalb wohl nach dem Heiligen benannt. Der Bischof hatte den Beinamen 'Spekulator' (der Schauende). Eine andere mögliche Herkunft ist das lateinische Wort 'speculum' (Spiegelbild, Abbild). In den Modeln sind Motive eingearbeitet, die im Gebäck als Spiegelbild erscheinen.

Stefan Pinnow mit zwei Hauswirtschafterinnen beim weihnachtlichen
Backen
Anita Wolfgarten, Brigitte Richarz und Stefan Pinnow

Himmlisches Postamt

Über 120.000 Kinder schreiben Jahr für Jahr 'An das Christkind in Engelskirchen'. Sie sind fest davon überzeugt, dass das himmlische Wesen in Engelskirchen zuhause ist. Von Mitte November an richtet die Deutsche Post hier ein eigenes Weihnachtspostamt ein um die Briefe von Kindern aus aller Welt zu beantworten. Am ersten Wochenende im Dezember können Kinder das Christkind sogar besuchen. Wer auch einen Brief vom Christkind erhalten möchte, schreibt an folgende Adresse:
An das
Christkind
51777 Engelskirchen

Ganz wichtig ist, dass die Kinder den Absender deutlich schreiben, denn nur dann kann sich das Christkind auch melden.

Eine junge Frau als Christkind liest einen Wunschzettel
Das "Christkind" erhält Briefe von Kindern aus aller Welt.

Höhlenweihnacht in der Dechenhöhle

Was im Jahr 1984 am Heiligabend in kleinem Kreis begann, lockt mittlerweile Jahr für Jahr an die 5.000 Besucher nach Iserlohn-Letmathe: die Höhlenweihnacht in der Dechenhöhle. An allen Weihnachtstagen sitzen Höhlenmitarbeiter und befreundete Musiker in den Grotten der Tropfsteinhöhle und spielen traditionelle Weihnachtsmusik. Mal ertönen Trompetenklänge, mal ein Gitarrenspiel, mal Gesang und es werden Gedichte vorgelesen. Etwa 50 Minuten dauert die weihnachtliche Führung durch die mit Kerzen beleuchtete Unterwelt. Am Ende singen alle großen und kleinen Besucher in der Kapellengrotte 'O du Fröhliche' und es gibt Glühwein und Waffeln.

Zwei Musikanten und Publikum in einer blau beleuchteten
Tropfsteinhöhle
Höhlenweihnacht in der Dechenhöhle

Engel und andere Flügelwesen

Anna Kestner nennt sie Himmelsboten, die Engel, die sie schon ihr ganzes Leben begleiten. Engel kann einfach jeder brauchen, sie verkörpern das Gute und mit dem Guten umgibt sich die Künstlerin gern. Anna Kestner lebt und arbeitet in der Paasmühle, einer 500 Jahre alte Wassermühle in Hattingen. In ihrer Werkstatt weihnachtet es bereits seit August. Dort entstehen Engel, Nikoläuse und Krippenfiguren aus Holz. Die Paasmühle ist außerdem eine Auffangstation für verletzte Vögel. Zum Beispiel Greifvögel, Graureiher und Schwäne. Momentan sind es über 100 Tiere. Anna Kestner und ihr Mann peppeln die Tiere wieder auf, die häufig von Feuerwehr und Polizei zur Paasmühle gebracht werden.

Engelsfiguren
Engelsfiguren aus der Paasmühle

„Tipp für Stefan“ - Weihnachtsmarkt in Hattingen

Besonders märchenhaft ist der Weihnachtsmarkt Hattingen. Denn dort zieht Frau Holle am 1.Advent mit Kutsche und Weihnachtsparade durch die Gassen der ehemaligen Hansestadt bis zum Rathaus. An den Fenstern des historischen Gebäudes hängen 24 bunt gestaltete Fensterläden. Wenn Frau Holle aus dem riesigen Adventskalender zu den Menschen spricht, hört ganz Hattingen zu. Jeden Adventstag um 17:00 Uhr öffnet sie ein Türchen, erzählt Märchen, liest Geschichten vor und singt mit allen zusammen Weihnachtslieder. Dann lässt es Frau Holle schneien, weiße Flocken und Schokotaler. Am 24. Dezember schüttelt Frau Holle ihre Kissen schon um 11.00 Uhr am Untermarkt aus.

Eine Frau mit einer weißen Nachtmütze schüttelt ein
Kissen aus
Frau Holle schüttelt ihre Kissen

Mit „Mutter Beimer“ auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt

In Hattingen hat Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die „Mutter Beimer“ aus der TV-Serie „Lindenstraße“, ihre Kindheit verbracht. In der St.-Georgskirche wurde sie konfirmiert. Die Schauspielerin plaudert mit Stefan Pinnow beim Glühwein über Weihnachtserlebnisse aus Kindertagen. Ihr schönste Erinnerung: Kurz nach dem Krieg, als es noch kaum etwas zu kaufen gab, standen an Heiligabend ein paar braune Stiefelchen unter dem Tannenbaum. Das Christkind hatte also doch noch etwas gebracht.

Marie-Luise Marjan und Stefan Pinnow trinken Glühwein auf dem
Weihnachtsmarkt
Marie-Luise Marjan und Stefan Pinnow auf dem Weihnachtsmarkt.

Wenn Millionen Lichtlein brennen

Am 3. Dezember 1950 begann bereits die Tradition der Essener Lichtwochen. Schon damals gab es beleuchtete Tannen, Sterne, Glocken und Lichtgirlanden, die die Essener Innenstadt erstrahlen ließen. Heute sind es mehr als eine halbe Millionen Lämpchen, die auf den Essener Lichtwochen für weihnachtliche Stimmung sorgen. Bis Anfang Januar leuchten die Themenbilder und Lichtelemente in der Kulturhauptstadt 2010. Das Ganze bleibt Energie sparend: Die Essener Lichtwochen setzen auf LED-Technik.

Beleuchteter Baum und Leuchtschrift
Mit energiesparender LED-Technik: Die Essener Lichtwochen.

Begegnung mit Rentier George

Eigentlich gibt es 2000 tierische Stars im Duisburger Zoo. Doch in der Weihnachtszeit steht einer besonders oft im Mittelpunkt: Rentier George. Was für seine Artgenossen in Finnland der Weihnachtsmann, ist für George sein Tierpfleger Martin Albertz. Der beste Freund. Und George ist wohl das einzige Rentier im ganzen Land, das an der Leine neben einem Fahrrad läuft. Er war anderthalb, als sein Tierpfleger ihn halfterführig gemacht hat. Ein zahmes Rentier ganz hautnah erleben – das gefällt besonders den Kindern im Duisburger Zoo. Wer Glück hat, darf auch mal im Rentierschlitten mitfahren.

Rentier George und sein Tierpfleger Martin Albertz
Rentier George und sein Tierpfleger Martin Albertz

Herr der Kufengleiter

Die meisten seiner 250 Schlitten sind in einer großen Scheune und einem ehemaligen Gartencenter untergebracht. Seit über 45 Jahren sammelt Horst-August Bollweg aus Bielefeld bereits historische Kufengleiter. Es sind die Linienführung, kleine Details, feine Verzierungen, die den ehemaligen Textilkaufmann so faszinieren. So mancher Schlitten wurde liebevoll restauriert und heraus geputzt. Die schönsten Exemplare verleiht der 74-Jährige. In den Wintermonaten schmücken sie Hotels, Modehäuser und Museen in ganz Deutschland.

Mann steht vor einem historischen Pferdeschlitten
Horst-August Bollweg mit historischem Kufengleiter

Schokonikoläuse aus Xanten

Chocolatier Hans de Fries kreiert in der niederrheinischen Dom- und Römerstadt Xanten süße Hohlfiguren im Bischofsgewand. Die Confiserie de Fries, ein Familienunternehmen, gibt es bereits seit 1824. Jahr für Jahr entstehen hier tausende süßer Nikoläuse und Weihnachtsmänner. Dass die früher recht streng blickten, hatte seinen Sinn, erzählt der Chocolatier aus Leidenschaft. Der Nikolaus galt als Ersatz-Erzieher für die Eltern. Die heutigen Figuren schauen dagegen viel freundlicher aus. Bei der Produktion von Schokoladenfiguren ist jedoch nach wie vor Handarbeit gefragt.

Schokoladen-Nikolaus
Bei der Produktion von Nikoläusen aus Schokolade ist Handarbeit gefragt.

Kunstschnee aus dem Münsterland

Die Firma Snow Business aus Ladbergen liefert für Vorgärten, Schaufenster und Events Kunstschnee. Rund 100 verschiedene Kunstschneesorten hat die Firma in ihrem Sortiment. Auch für große Hollywoodstreifen wie das „Das Bourne Ultimatum“ oder den Film „Der Vorleser“ haben Geschäftsführer Lucien Stephenson und seine Männer ganze Schneelandschaften gezaubert. Das Einschneien der Advents-Isetta ist für sie ein Kinderspiel.

Stefan Pinnow mit einem Begleiter und der Isetta inmitten von
Kunstschnee
Kunstschnee aus Ladbergen

Die Glöckner von Nottuln

Die meisten Kirchenglocken werden heute vollautomatisch geläutet. Es gibt aber Gemeinden, wie Nottuln im Münsterland, in denen ein uralter Brauch wiederbelebt wurde. Im Ort nennt man sie nur die Glöckner, sie selbst sagen „Klocklüder“, so wie es in einer Urkunde von 1360 steht. Mindestens so alt ist der Brauch, den die Männer vor 20 Jahren in Nottuln wiederbelebt haben. Das Beiern. 15 Mal im Jahr steigen die 12 Männer auf den Kirchturm von St.Martinus, legen die Elektronik still und läuten per Muskelkraft. Mit  Händen und Füßen. Die besondere Tonfolge hat ihnen ein alter Glöckner beigebracht.

Ein Mann bringt eine Kirchenglocke zum Schwingen
Ein Glöckner von Nottuln bei der Arbeit

Das Westfälische Glockenmuseum in Gescher

Das Westfälische Glockenmuseum lädt seine Besucher zu einer klangvollen und spannenden Zeitreise durch Geschichte der Glocke und des Glockengusses ein. Über 1.000 Glocken und jede hat einen Namen und eine besondere Bedeutung. Kinder und Erwachsene dürfen damit Glocken unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters auch selbst zum Klingen bringen. Vor allem die geheimnisvolle Wasserglocke sorgt dabei für kribbelnde Spannung, die so schnell wohl niemand vergessen wird.

Besuchergruppe inmitten von Glocken im Ausstellungsraum
Glocken unterschiedlicher Größe und unterschiedlichen Alters gibt es im Glockenmuseum.


Moderation: Stefan Pinnow

Redaktion: Richard Hennecke

Die Sendung ist eine Wiederholung vom 20. Dezember 2009.

Autorin:

Beate Höfener

Stand: 29.11.2009


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