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Fernsehen
Sie ist offen und herzlich, scheinbar unbeschwert wie viele Teenager, eine herbe Schönheit, die ihre armenische Herkunft nicht verleugnen kann.
Ihr freundliches Wesen verwandelt sich, sobald sie den Ring betritt und dann gnadenlos zuschlägt. Denn Susi Kentikian (19) ist seit zwei Jahren Profiboxerin und mit 153 cm Größe eine der kleinsten. Alle 15 Kämpfe hat sie bisher gewonnen, die meisten durch K.O. Im Februar 2007 wurde sie Weltmeisterin im Fliegengewicht.
Was die meist viel größeren Gegnerinnen entmutigt und nicht selten zur Aufgabe zwingt, ist ihre Bedingungslosigkeit. Sie kämpft jedes Mal, als ginge es um ihr Leben. Und irgendwie geht es auch um ihr Leben und das ihrer Familie. Denn die Familie hat mehr als acht Jahre in Asylantenheimen verbracht und in unsäglichen Verhältnissen gehaust. Eine Abschiebung konnte erst im letzten Moment auf dem Flughafen verhindert werden. Da war Susi 14 und hatte bereits eine Reihe von Amateurkämpfen gewonnen. Schon damals hat ihr Ruf als Boxtalent der Familie geholfen.
Ihr damaliger Trainer und viele Freunde hatten mit einer Eingabe an den Petitionsausschuss Erfolg. Das Ausländeramt erteilte ihnen eine Aufenthalts-genehmigung. Die aber galt nur, solange sie nachweisen konnten, dass sie nicht der Sozialhilfe zur Last fielen. Deshalb hetzte der Vater täglich zwischen drei oder vier Minijobs hin und her. Susi putzte nach Realschule und Boxtraining in einem Fitnesscenter. Und ihr vier Jahre älterer Bruder Mikael jobbte nach der Schule. Später arbeitete er bei einem Wachdienst ausgerechnet auf dem Asylschiff, auf dem seine Familie anderthalb Jahre untergebracht war. „Ich passe hier auf, aber die Leute abschieben, das könnte ich nicht. Das habe ich meinem Arbeitgeber auch gesagt.“
Das Elend dieser Jahre steht ihnen, wenn sie sich daran erinnern, ins Gesicht geschrieben. „Wenn alles so zusammen kommt, dann kann man verrückt werden. Der Erfolg von Susi hat uns immer wieder hochgebracht,“ sagt Mikael.
Susi wirkt bei diesen Worten stolz und zugleich bedrückt. Sie spürt, welche Verantwortung auf ihren Schultern lastet.
WDR-Autor Gert Monheim hat Susi und ihre Familie ein Jahr lang immer wieder mit der Kamera besucht. Er zeigt Susi in ihren entscheidenden Boxkämpfen, mit Vater und Bruder als ihre treuesten Fans am Ring. In Rückblenden erzählt die Familie, was sie in den vielen Jahren als Asylbewerber erlebt hat
So ist Susis Portrait auch das Portrait ihrer Familie. Boxen ist mehr als Sport für sie, es ist Ausdruck ihres Lebenskampfes. Nach dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“ hat sie aus dem schlimmsten Elend herausgefunden. Doch der Druck lässt nicht nach. „Weltmeisterin zu werden, war nicht so schwer“, sagt Susi nachdenklich, „schwierig ist es, Weltmeisterin zu bleiben“.
Redaktion: Enno Hungerland
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