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Programmhinweis
Fernsehen
Das Erste, 16.11.2011, 22.45 - 23.30 Uhr
Wiederholung: WDR Fernsehen, Freitag, 25. November 2011, 23.15 – 00.00 Uhr

Der Aidskrieg

ein Film von Jobst Knigge

Das Erste
Über AIDS spricht man auch heute noch nicht. Und doch sind allein in Deutschland weiterhin ca. 85.000 Menschen HIV-infiziert. AIDS ist immer noch nicht heilbar. Man kann zwar heute mit der Krankheit leben, vielleicht auch alt werden – doch zu einem hohen Preis. Wir erinnern 30 Jahre später an die Anfänge, an den „AIDSKRIEG“ der 80er Jahre, und zeigen, wie es sich heute mit AIDS in Deutschland lebt.

30 Jahre AIDS in Deutschland, die traurige Bilanz seitdem: Knapp 30.000 Menschen sind an der Epidemie gestorben. Die Dokumentation zeigt Geschichten vom Tod – aber auch vom Weiterleben. Es sind die Überlebenden eines Krieges, die im Mittelpunkt dieses Films stehen. Menschen im Ausnahmezustand, die sich engagiert haben, während ihre Partner, Familienangehörige oder besten Freunde mit dem Tode gerungen haben. Im Sommer 1981 berichten US-Magazine zum ersten Mal von „einer neuen Seuche“. Im Mai 1982 schreibt “Der SPIEGEL” das erste Mal über AIDS, und in Deutschland werden erste Fälle registriert. „Schreck von drüben“ lautet die Überschrift. Eine geheimnisvolle Krankheit wird beschrieben, die amerikanische Homosexuelle heimsuche. Als Ursache wird der „genusssüchtige Lebensstil“ angenommen. Drogen und Sex. „Vielleicht ist es die Lustseuche des 20. Jahrhunderts, nur nicht so harmlos“, heißt es. Ein Berliner Bakteriologe wird zitiert mit dem Satz: „Für die Homosexuellen hat der Herr immer eine Peitsche bereit.“ Angesichts der „drohenden Apokalypse“ werden Zwangs- maßnahmen gegen Schwule diskutiert. AIDS, so scheint es, könnte die Grundlagen der demokratischen Gesellschaft erschüttern. Der SPIEGEL macht mobil und titelt ab 1982 unaufhörlich zum Thema und schürt Verunsicherung und Unruhe im Umgang mit der Krankheit: „Aids sei eine Epidemie, die erst beginnt“, heißt es dort.

Das Leben mit dem Virus war von Anfang an ein Stigma und ist es noch heute. „Dass die etwas an meine Tür hängen, wie einen Judenstern“, befürchteten Almut und Heinz-Dieter Niemeyer, ein Ehepaar, das sich fast 20 Jahre lang nicht traut, seinen Kindern von der Krankheit zu erzählen. Die Krankenschwester fiel bei einer Blutspende auf. Auch ihr Mann ist infiziert. Schauspielerin Jessica Stockmann musste ihrem Freund, dem Ex-Tennis-Profi Michael Westphal, auf dem Sterbebett versprechen, 10 Jahre zu schweigen. Noch vor wenigen Jahren verlangten Filmproduzenten von ihr vor dem Engagement einen HIV-Test. In der Doku- mentation sprechen Menschen, die seit Jahrzehnten mit dem Virus leben. Politiker, die damals auf unterschiedlichen Seiten des Kampfes stehen. Rita Süssmuth, damals Gesundheitsministerin, erinnert die Zeit als den schlimmsten Kampf ihrer Karriere. Peter Gauweiler, ihr Gegenspieler aus Bayern rechtfertigt seine Politik der harten Hand.

„Der Aidskrieg“ ist ein Film, der die Betroffenen hören und den Gestorbenen gedenken soll: Gründer der deutschen AIDS-Hilfe, Aktivisten der ersten Stunde. Nie öffentlich gezeigte private Filme und Fotos zeugen von dem Leid und Kampf. Alte Archivaufnahmen lassen eine Zeit lebendig werden, in der Menschen öffentlich um ihr Leben kämpfen. Ein Kampf, den viele verloren haben. Und noch immer kommt es jedes Jahr zu 2000 Neuinfizierungen. Viele haben vergessen, was AIDS bedeutet. Diese Dokumentation erzählt eindrucksvoll davon.

Redaktion: Christiane Hinz (WDR)
Veröffentlicht am 12.09.2011, um 12.15 Uhr

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