Sonntag, 11. Oktober 2009
Dokumentation
Die Ära Adenauer steht für Westintegration, Wiederbewaffnung und NATO-Beitritt der Bundesrepublik. Dazu gehören die deutschfranzösische Zusammenarbeit, die Einheit Europas, die Wiedergutmachung für Israel und trotz mancher Krise das Bündnis mit den USA. Der Name Adenauer ist eng verbunden mit sozialer Marktwirtschaft und der Integration von acht Millionen Vertriebenen. Seine politischen Gegner kritisieren, er sei gegenüber ehemaligen Nazis zu nachsichtig gewesen und habe Stalins Wiedervereinigungsangebot aus dem Jahre 1952 nicht "ausgelotet".
Der erste Bundeskanzler forciert von Anfang an die wirtschaftliche, politische und dann auch militärische Integration der Bundesrepublik in den Westen. Das beginnt mit dem nach dem französischen Außenminister benannten Schuman-Plan, dem ersten entscheidenden Schritt auf dem Weg zur wirtschaftlichen Integration, und der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Die scheitert im Sommer 1954 am Veto Frankreichs. Relativ schnell wurde Ersatz gefunden: Die Bundesrepublik wird Mitglied der NATO. Die Einheit Deutschlands ist kein Thema: Stalins Wiedervereinigungsangebot aus dem Jahr 1952 wird nicht ausgelotet, das Elend der DDR-Diktatur im Volksaufstand vom 17. Juni 1953 für alle erkennbar. Weitere Wegmarken der "Ära Adenauer": Die Reise des Kanzlers nach Moskau im September 1955 und die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen, 1957 die Rentenreform. Die Römischen Verträge führten zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.
Im Mittelpunkt der letzten Regierungsjahre Adenauers stehen der Mauerbau, die "Spiegel-Affäre" und der deutschfranzösische Vertrag von 1963. Wichtig auch das Verhältnis zu Israel und die massiven Waffenlieferungen an das Land. Kritisch und neu beurteilt werden Mauerbau und die daraus resultierende Krise im deutschamerikanischen Verhältnis und die Hinwendung Adenauers zu de Gaulle.
Von den Zeitzeugen äußern sich der Adenauer-Experte Hans-Peter Schwarz zu Adenauer generell, aber auch zu dessen Politik der Wiederbewaffnung und zur Stalin-Note; Helmut Kohl, Rainer Barzel und Egon Bahr zur Kanzlerschaft Adenauer, Ernst Benda und Egon Bahr zu Adenauer und dessen Position unmittelbar nach dem Mauerbau; Helmut Schmidt zum 17. Juni und zur Rückkehr der Kriegsgefangenen 1955/56, sowie Egon Bahr und Annemarie Renger, die langjährige Mitarbeiterin von Kurt Schumacher, zum SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Es fehlt auch nicht das "Wunder von Bern" 1954 und dessen politische Einordnung.
Film von: Dieter Weiss, Rolf Steininger
Die 2-teilige Fassung des Films (WDR/ARD, April 2009) ist in der ARD-Mediathek abrufbar:
Zweiteiler: Bonner Republik (1)
Zweiteiler: Bonner Republik (2)
Die weiteren Termine:
18. Oktober 2009:
Bonner Republik (Teil 2) - 1963 bis 1969
25. Oktober 2009:
Bonner Republik (Teil 3) - 1969 bis 1974
1. November 2009:
Bonner Republik (Teil 4) - 1974 bis 1982
8. November 2009:
Bonner Republik (Teil 5) - 1982 bis 1990
15. November 2009:
Bonner Republik (Teil 6) - 1990 bis 1998
Jeweils sonntags ab 15.10 Uhr im WDR Fernsehen.
Ein Begleitbuch zu dieser WDR-Fernsehserie ist im Handel erhältlich: Die Bonner Republik: 1949 bis 1998. Von Heribert Schwan und Rolf Steininger [Propyläen Verlag, ISBN: 978-3549073568].
Themen: Geschichte, Politik/Wirtschaft
Nach dem Krieg brauchte Deutschland ein Grundgesetz. Am 23. Mai 1949 wurde es offiziell verkündet und damit entstand die Bundesrepublik Deutschland. WDR.de blickt auf die Anfänge der Bonner Republik zurück.
Als der Bundestag im Bonner Wasserwerk mit knapper Mehrheit die Entscheidung traf, der Regierungssitz solle zukünftig Berlin sein, war sie Geschichte: Die Bonner Republik, die den Westen Deutschlands regiert und geprägt hatte - durch und mit Menschen, die in dieser Republik an vielen Stellen und in vielen Funktion mitgewirkt und gestaltet haben. Ein Streifzug durch historische O-Töne, lebendig und persönlich, anekdotenreich erzählt.