Samstag, 28. April 2012
Reportage
Procida ist die kleinste und ursprünglichste Insel im Golf von Neapel. Auf nur vier Quadratkilometern leben hier elftausend Menschen. In unterirdischen Kapellen versammelten sich die Inselbewohner zum Gebet, wenn Krieg oder Erdbeben drohten. Ihre Toten wurden hier zum letzten Abschied aufgebahrt und anschließend unter der Kirche bestattet.
Die Totenrituale, die zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens waren, haben sich zwar verändert, nicht aber die Bedeutung des Abschieds und der Erinnerung an die Verstorbenen. Die Procidaner verehrten sie auch deshalb ganz besonders, weil Procida eine Insel der Fischer und Seefahrer ist, die über Jahrhunderte Väter und Söhne auf dem Meer verloren hat.
Jeden Dienstag finden auf dem Friedhof Ausgrabungen statt. Die exhumierten Toten werden gereinigt, in Zinkgefäße gelegt und in den Familiennischen endgültig bestattet. Jährlicher Höhepunkt des Insellebens ist die Prozession zum Namenstag des Schutzheiligen San Michele. Dem Tod ins Gesicht zu schauen, ihn als Teil des Lebens anzunehmen, ist für die Menschen auf Procida gelebter Glaube.
Film von: Annette von Wangenheim
Erstsendung WDR: 23.3.2008
Besuchen Sie auch die Seiten von tag7
Themen: Kultur/Religion, Länder/Völker
Seite teilen