Sonntag, 6. Mai 2012
West ART Meisterwerke

Aus nur wenigen Haus- und Grundrisstypen entstand eine Variation kostengünstiger Gebäude. Mal bekrönt mit pittoresken Glockengiebeln, mal über Eck gestellt mit Schindeln verkleidet. Standardisierte Fenster und Erker in immer neuer Kombination. Jede Haustür erhielt durch das wechselnde Sprossendekor eine individuelle Note.
Verfechter der Bauhaus-Idee mögen da an Bauernromantik denken. Doch Georg Metzendorf war auch Funktionalist: Das verspielte Äußere entpuppt sich im Innern als sachlich, nüchtern und zweckmäßig. Was um 1900 noch ein Privileg der Bessergestellten war, entstand auf der Margarethenhöhe für weniger Gutbetuchte in Serie: Bäder mit separatem WC. Und gänzlich neu: In allen Zimmern erzeugte eine zentrale Heizluftanlage behagliche Wärme. Der Architekt entwarf für den jeweiligen Kleinfamilienbedarf Wohnraum plus Mobiliar. Die Einrichtung konnte über ein zinsloses Darlehen gleich mit erworben werden.
Bis 1934 arbeitete Georg Metzendorf an seiner Vision vom humanen Wohnen. Die Gartenvorstadt Margarethenhöhe - Pilotprojekt und Gegenentwurf zur Unwirtlichkeit der Industriestädte - ist ein Kulturdenkmal von europäischem Rang und bis heute so begehrt, dass Kinder schon nach der Geburt auf die Wartelisten gesetzt werden. Keine ruhrgebietstypische Arbeitersiedlung, sondern eine Wohn- und Erholungsstätte für das kleine und mittlere Bürgertum.
Film von: Martina Müller
Erstsendung WDR: 3.5.2011
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Video-Rückschau: West ART Meisterwerke
Themen: Kultur/Religion
Man sieht sie in Bottrop, Oberhausen und Bochum, in Essen, Gelsenkirchen und Dortmund - Arbeitersiedlungen prägen auch nach dem Zechensterben und Strukturwandel das Gesicht des Ruhrgebiets. Entstanden sind sie während der industriellen Blütezeit des Ruhrgebiets, als die Werksbesitzer Wohnraum für ihre Arbeiter brauchten. Viele Siedlungen entwickelten sich zu eigenen Stadtteilen und bildeten den Grundstein für die heutigen Revierstädte.
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