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Interview mit WDR-Umweltexperte Detlef Reepen

Klimakonferenz: Zurück auf Los

In Bonn verhandeln seit heute (31.5.2010) Vertreter der 182 UN-Mitgliedsstaaten, um einen weiteren Versuch zur Rettung des Erdklimas zu starten. WDR-Umweltexperte Detlef Reepen meint: Die Hoffnungen auf ein Fortkommen sind gering.

Die letzte UN-Klimakonferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen gilt als dramatisch gescheitert. Schon damals sollte eigentlich eine Folgevertrag für das Kyotoprotokoll erarbeitet werden, das 2012 abläuft. Stattdessen gab es nur eine vage Willenserklärung zum Klimaschutz und eine Liste, in die jedes Mitgliedsland seine Klimaschutzmaßnahmen selber eintragen kann. WDR-Umweltexperte Detlef Reepen erklärt, warum nicht nur zwei zögerliche Weltmächte, sondern auch die Eurokrise einen Durchbruch für den Klimaschutz erschweren.


WDR.de: Das Treffen in Bonn gilt als Vorbereitung für die nächste Weltklimakonferenz im Dezember in Mexico. Was steht diesmal auf dem Plan?


Detlef Reepen; Rechte:dpa

Detlef Reepen

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Detlef Reepen: Nach dem Desaster von Kopenhagen geht es jetzt wieder um Grundsätzliches: Um die Lastenverteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, darum, wie man den Waldschutz als Leistung einberechnet. Als die Kopenhagen-Konferenz zuende ging, war klar, dass man um mindestens zwei Jahre zurückgeworfen war. Wir sind jetzt wieder auf dem Stand der großen Klimakonferenz auf Bali im Jahr 2007. Jetzt wird wieder neu berechnet, um wie viel CO2-Ausstoß verringert werden muss, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. All das wussten wir eigentlich schon längst. Es ist ziemlich deprimierend.


WDR.de: Warum tut sich die Staatengemeinschaft so schwer damit, die drohende Dramatik des Klimawandels zu bremsen?


Reepen: Einerseits liegt es daran, dass die beiden größten Klimakiller – die USA, die jetzt „nur“ noch auf Platz zwei liegen, und China – nicht bereit sind, etwas zu tun. Und solange die nichts tun, tun die anderen auch nichts. Ohne, dass diese beiden Staaten in die Pflicht genommen werden, macht ein Klimaschutzvertrag keinen Sinn. Die USA müssten von ihrem enormen CO2-Ausstoß pro Kopf herunterkommen, und China müsste sein Wirtschaftswachstum drosseln. Das will China natürlich nicht. Und das geht über das Thema Klima hinaus: Die Chinesen wollten mit ihrer Weigerung in Kopenhagen auch demonstrieren, dass sie die Weltmacht Nummer 1 sind, vor den USA.


WDR.de: Gibt es noch irgendjemanden, der glaubt, dass China im Klimaschutz einlenken wird?


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Auwirkungen des Klimawandels

Reepen: Nein, niemand glaubt daran. Deshalb liegt die Hoffnung darin, dass die „Allianz der Willigen“, die Länder, die zu Maßnahmen bereit sind, als kleine Gruppe unabhängig voranschreiten – zum Beispiel Norwegen, Frankreich, Deutschland, einige lateinamerikanische Länder – und etwa mit Waldschutz anfangen.


WDR.de: Nach der letzten UN-Klimakonferenz wurden interne Gesprächsmitschnitte veröffentlicht, die die Hinhaltetaktik von Staaten wie China, USA und Indien deutlich werden ließen. Angela Merkel mahnte mehrmals, doch endlich Entscheidungen zu treffen, doch inhaltlich schien wenig Druck von ihr auszugehen.


Reepen: Wir haben von anderen Staaten gehört, dass die Kanzlerin in Kopenhagen eine sehr konstruktive Rolle gespielt habe. Man muss bedenken, dass Deutschland in dieser Runde kein großer Spieler ist. Im Vordergrund standen die ganz großen und einige kleine laute Staaten, wie der Sudan, der auch für andere afrikanische Staaten sprach und der ein großer Querschießer war. Die EU tritt ohnehin insgesamt geschlossen auf, einzelne Staaten dürfen nichts äußern, was nicht vorher im Plenum beschlossen wurde.


WDR.de: Hält Deutschland die einstigen Verabredungen ein?


Reepen: Wir stehen sehr gut da. Deutschland ist eins von nur zwei Ländern, die die Klimaschutzauflagen schon jetzt übererfüllt haben. Dabei spielt zwar der „wall fall profit“ eine Rolle – durch das Ende der DDR und ihrer Industrien gab es einen natürlichen Rückgang der Emissionen - , aber immerhin. Alle anderen Industrieländer liegen knapp bis weit dahinter.

WDR.de: Eines der wenigen Ergebnisse von Kopenhagen war der Beschluss, in den nächsten drei Jahren 30 Milliarden US Dollar in einen Klimahilfsfonds einzuzahlen. Funktioniert das wenigstens?


Reepen: Seit Jahrzehnten ist es das Gleiche: Die Industrieländer versprechen Zahlungen, aber das Geld trifft auf den Konten der UNO niemals ein. Von den 10 Milliarden, die in diesem Jahr im Klimahilfsfonds sein müssten, ist nur ein Bruchteil eingegangen. Der UN-Klimasekretär Yvo de Boer hat angekündigt, dass er die Ländern bei der Vorbereitungskonferenz zumindest zu diesem Punkt zu festen Zusagen drängen will.


WDR.de: Hat die gegenwärtige Eurokrise irgendwelche Auswirkungen auf den weltweiten Klimaschutz?


Reepen: Ja. Die Abmachung, bis 2020 die CO2-Emission um 20 Prozent zu drosseln, werden relativ locker erfüllt. Durch die Eurokrise sind die Industrieproduktionen zurückgegangen, dadurch gibt es weniger Emissionen. Andererseits ist durch die Wirtschaftskrise besonders wenig Geld übrig, das in Energiesparmaßnahmen und Klimaschutz gesteckt werden könnte. Und: Griechenland wird seinen Anteil an den 30 Milliarden Hilfsfonds wohl kaum bezahlen können.

Das Gespräch führte Nina Magoley







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