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Energiegewinnung aus Herbstlaub

"Das Geld liegt auf der Straße"

Von Petra Brönstrup

Aus Herbstlaub lässt sich mehr machen als nur Blumenerde. Diesen Beweis will die Stadt Ibbenbüren liefern. Sie hat bereits den Prototypen für eine Anlage bauen lassen, die aus welken Blättern Energie erzeugt.

Werner Dirkes, Leiter des Ibbenbürener Bau- und Servicebetriebes, wühlt mit beiden Händen in einem Container, der bis zum Rand mit Laub gefüllt ist. "Das ist bares Geld wert", sagt Dirkes und deutet auf die Anlage auf dem Hof des Ibbenbürener Baubetriebs. Ein Prototyp, der nach Angaben von Dirkes bundesweit einzigartig ist. "Damit verwandeln wir Laub in hocheffizienten Brennstoff, mit dem wir heizen können."


"Grüne Kohle"

Das Prinzip ist einfach: Laub wird in einem Behälter zerkleinert, getrocknet und zu Briketts gepresst. "So sieht das Laub dann aus, wenn es aus der Anlage kommt", sagt Dirkes. Er hält einen braunen Klumpen in der Hand, ein Brikett, aus Laub gepresst, der in einem Heizkessel verbrannt wird. "Unsere grüne Kohle!" Dirkes lacht, der Mann aus der Bergbau-Stadt Ibbenbüren mag dieses Wortspiel.

Ibbenbüren, zwischen Teutoburger Wald und einem Ausläufer des Wiehengebirges gelegen, ist Nordrhein-Westfalens nördlichster Kohlestandort. Dort fördert die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH jedes Jahr in einer Tiefe von 1.400 Metern etwa zwei Millionen Tonnen hochwertige Steinkohle. Der Großteil wird im benachbarten Kohlekraftwerk verstromt. Allerdings: Auch in Ibbenbüren ist der Bergbau endlich, hier soll im Jahr 2018 die Förderung eingestellt werden. Schon jetzt sucht die Stadt nach Alternativen. Grüne statt schwarze Kohle könnte eine solche sein.


Auf der Suche nach neuen klimafreundlichen Energieträgern

Briketts aus Laub zur Energieerzeugung; Rechte:WDR/Brönstrup

Briketts aus Laub zur Energieerzeugung

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Die Idee, aus Laub Brennstoff zu machen, kam Dirkes vor etwa vier Monaten. Er saß mit einem befreundeten Ingenieur zusammen. "Wir sprachen darüber, wie wir das viele Herbstlaub besser nutzen können", erinnert sich Ingenieur Tobias Peselmann. Bisher werden die rund 500 Tonnen Laub, die jedes Jahr im Herbst in Ibbenbüren anfallen, kompostiert und zu Blumenerde weiter verarbeitet. "Das", sagt der Leiter des Ibbenbürener Baubetriebs Dirkes, "ist Verschwendung, Laub ist reine Biomasse und – aufbereitet – ein wertvoller Energielieferant."

Energiegewinnung aus Biomasse ist nicht neu. In Erftstadt beispielsweise ist ein Holzheizkraftwerk in Betrieb, das ein Schulzentrum mit Wärme versorgt. Ähnliches gibt es im westfälischen Saerbeck und in dem kleinen Dorf Lieberhausen bei Gummersbach. Auch dort wird aus Holz Energie gewonnen. Aber Laub? 

"Eine ungewöhnliche Idee", heißt es bei der Energieagentur Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Agentur arbeitet im Auftrag des Landes, sie unterstützt die Entwicklung neuer Energietechnologien. Eine Anlage zur Energieerzeugung aus Laub ist auch ihr noch nicht untergekommen. "Toll, wenn das tatsächlich klappen würde", sagt ein Sprecher der Agentur, und er freut sich, dass immer mehr Kommunen in Nordrhein-Westfalen selbst aktiv werden und neue alternative Techniken der Energieerzeugung entwickeln. "Davon ist das Land abhängig."


Wärme und Strom für hunderte Haushalte

Allerdings: Ob der Brennstoff aus Blättern Marktchancen hat, muss sich erst noch zeigen. Die Anlage, die in Ibbenbüren vorgestellt wurde, ist ein Prototyp. "Daraus müssen wir jetzt eine Anlage mit Kapazitäten für viele hundert Tonnen Laub und andere Grünabfälle entwickeln", sagt Ingenieur Peselmann. Nach seinen Berechnungen könnten die 500 Tonnen Laub, die jährlich in Ibbenbüren anfallen, Wärme und Strom für rund 1.200 Einfamilienhäuser in der Stadt liefern. "Und zwar CO2-neutral", ergänzt der Leiter des Ibbenbürener Betriebshofs Dirkes. Tatsächlich fällt bei der Verbrennung von Blättern nur soviel Kohlendioxid an, wie die Blätter selbst während ihres Wachstums aufgenommen haben, bestätigen Fachleute bei der Energieagentur Nordrhein-Westfalen.


Raubbau an der Natur?

"Allerdings sollte man den Bogen nicht überspannen", mahnt Bernd Geschermann, Biomasse-Experte in der Agentur. "Wenn für eine solche Anlage zur Energieerzeugung nicht nur das Laub, das in einer Stadt anfällt, verwendet wird, sondern ganze Wälder leer gefegt werden müssen, um die Anlage dann auch wirtschaftlich betreiben zu können, wäre das Raubbau an der Natur." Laub, sagt Geschermann, sei unverzichtbarer Dünger. "Die Natur braucht die welken Blätter zur eigenen Regeneration."


Betrieb für 2012 geplant

Dirkes hält diese Sorge für übertrieben. "Uns geht es um das Laub in der Stadt, das wollen wir nutzbar machen." Dirkes hofft, dass die Anlage, die jetzt konstruiert wird, mit Kapazitäten für mehrere hundert Tonnen Laub und andere Grünabfälle im Herbst 2012 in Ibbenbüren in Betrieb gehen kann. Der Vorteil für die Bürger wäre, dass das Laub, das einmal jährlich von den Bäumen fällt und für eine Menge Arbeit sorgt, einen ungeahnten Wert bekäme. Das dürfte dann auch andere Städte und Gemeinden interessieren. Dirkes: "Das Geld liegt förmlich auf der Straße."  






Kommentare 

Bisherige Beiträge

Hagen Müller vor 25 Woche(n)
Die energetische Verwertung steht somit gegen die *ökologische*(Kompostierung). Ich will das nicht werten. Stutzig macht mich der Satz am Ende: "Das Geld liegt förmlich auf der Straße!" Wenn man hier genau aus diesem Grunde nicht maßlos übertreibt. Denn entweder hat sich der Kollege in dem Artikel mit der Laubmenge oder mit der Anzahl zu versorgender EFH ca. um den Faktor 10 vertan. Mit reichlich 400 kg Laub das EFH ein Jahr lang mit Wärme und Strom zu versorgen wäre mein Traum. Wenns an Laub mangelt, lass ich mir eben ein oder zwei Großballen Stroh für ca. 25,-? liefern. Man merkt es am Beispiel: Es kann SO nicht stimmen.
B Herbst vor 25 Woche(n)
Da muß aber eine sehr genaue Kosten-Nutzenrechnung vorgenommen werden. 1. Kosten für die Herstellung der Laub"Pelets" oder "Briketts"(Trocknung-Pressen)+ Ermittlung des hierfür benötigten Energieaufwandes + Personalkosten. 2. Ermittlung des Energiegehaltes der Peletts/Briketts pro Tonne + erzielbarer Verkaufspreis der gewonnenen Energie. 3. Ermittlung der zu erwartenden Baukosten (ungeschönt) der erforderlichen "großen" Anlage. usw usw. Bei einer angenommenen nursaisonalen Betriebsdauer dürfte sich das Ganze nicht rechnen. Aber insgesamt finde ich diesen Denkansatz sehr gut, brauchen wir doch dringend neue (nachwachsende) Energienquellen.

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