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Hände greifen in einen Sack Getreide; Rechte: WDR/Bothma
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Vorbereitungen für den Klimawandel

Die Kunst der Anpassung

Von Manuela Braun

Höhere Temperaturen, wenige, aber heftige Niederschläge – auf die Auswirkungen des Klimawandels müssen sich auch die Städte einstellen. In Köln testen Biologen mediterrane Baumarten, Architekten prüfen neue Bauweisen.

"Klimaschutz ist wichtig, aber es wird trotz allem zu Klimaveränderungen kommen," sagt Barbara Kölner vom NRW-Umweltministerium. Sie ist pessimistisch und optimistisch zugleich. Nächte, in denen es in Köln nicht mehr abkühlt. Mehr als doppelt so viele Sonnentage über 25 Grad Celsius wie bisher. Und dennoch: "Es ist möglich, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen." Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst will das Ministerium deshalb in den nächsten zwei Jahren an zusätzlichen Messstationen Daten sammeln und auswerten. Das Ziel: Köln auf die Klimaveränderungen vorzubereiten. "Wir müssen jetzt Maßnahmen einleiten."


Suche nach effektiven Strategien

Zehn neue Messstationen werden ab Januar 2010 in der Großstadt Niederschläge, Temperatur, Feuchtigkeit und Wind messen. 2012 soll dann die Auswertung abgeschlossen sein und Empfehlungen für eine effektive Strategie zur Anpassung an den Klimawandel stehen. Braucht Köln noch einen weiteren Grüngürtel, um ausreichend Schutz vor UV-Strahlung bieten zu können? Müssen Krankenhäuser in Zukunft eher in den kühleren Randgebieten der aufgeheizten Stadt gebaut werden? Muss das Kanalnetz erweitert werden, weil die Niederschläge in der Zukunft extremer ausfallen? "Städte sind kompliziert", sagt Guido Halbig, Projektleiter beim Deutschen Wetterdienst.


Porträt Thomas Luczak ; Rechte:WDR/Braun

Thomas Luczak

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Neue Architektur für heiße Tage

Konkrete Antworten auf diese Fragen gibt es noch nicht. "Der Startschuss für einen Marathon ist gefallen, alle laufen los, aber keiner hat sich Gedanken über den Weg gemacht", sagt Thomas Luczak vom Kölner Haus der Architektur. In Zukunft werden sich Hausbesitzer in der Großstadt weniger Gedanken um die Wärmedämmung als um die Kühlung der Gebäude machen müssen. "Glaspaläste sind dann schwierig." Gefragt ist moderne Technik, die die Nachtkühle speichert, um sie tagsüber abzugeben. Wohnungsanzeigen werden sich mit dem Klimawandel ändern: Statt "lichtdurchfluteter, heller Räume" sind dann andere Qualitäten gefragt, schätzt Luczak. Das Äußere der Häuser wird sich dramatisch verändern - kleine Fenster, überdachte Veranden, Läden, die Helligkeit hineinlassen, direkte Sonneneinstrahlung aber verhindern.


Frischluft für Großstädter

Potenziale für Köln könnten die brachliegenden Industrieflächen sein. "Die müssen einfach zunächst einmal dort ungenutzt bleiben, wo kein wirtschaftlicher Druck entsteht", sagt Luczak. Die Stadt muss für Frischluft sorgen. Mit dem Neubaugebiet Widdersdorf-Süd habe man bereits die Frischluftzufuhr aus dem umliegenden Vorgebirge in die Stadt behindert. Die Stadt müsse ihre Grünflächen mehr vernetzen und den Grüngürtel ausbauen.


Tests im "Waldlabor"

Im Frühjahr 2010 richtet die Stadt ein "Waldlabor" ein. Auf 30 Hektar Ackerfläche wird dann unter anderem ein "Klimawald" mit Spitzahorn und Birke angebaut. "Bisher übliche Baumarten wie Linde oder Buche kommen mit dem zukünftigen trockenen Klima nicht zurecht", erklärt Joachim Bauer vom Kölner Grünflächenamt. An den Straßen in der Großstadt werden zudem seit 2001 bundesweit mediterrane Bäume gepflanzt und beobachtet. Bäume wie die Platane oder die türkische Hasel sind für ein Klima mit hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen besser gewappnet. Doch mit den mediterranen Bäumen taucht noch ein anderes Problem auf, auf das sich Köln einstellen muss: "Die Bäume bringen Schädlinge mit, die in NRW keine Fressfeinde haben."


Park; Rechte:WDR/Braun

Schlechte Aussichten für heimische Bäume

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Bäume in luftiger Höhe

Selbst auf den Dächern könnten Bäume für besseres Klima sorgen, so Architekt Luczak. Schließlich falle der Rhein bei Niedrigstand als Kölns Klimaanlage aus. Auf den Dächern könnte der Regen im Granulat gespeichert und anschließend wieder verdunstet werden. Neben der Kühlung und der Sauerstoffproduktion hätten die Dachgärten damit eine weitere Funktion: Bei heftigen Regenfällen würde nicht die gesamte Wassermenge in die beanspruchten Kanäle rauschen. "Allerdings muss man die Dachbegrünung gegen den Bau von Solarzellen auf den Dächern abwägen", sagt Luczak. Eine eindeutig beste Lösung gebe es bei der Anpassung an den Klimawandel oftmals nicht.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum klimaangepassten Köln liegt aber noch woanders: "Die Finanzknappheit der Stadt ist eine Geschichte, die wir bei unseren Empfehlungen für eine Strategie berücksichtigen müssen", ist sich Guido Halbig vom Deutschen Wetterdienst sicher.






Stand: 14.12.2009, 6:00 Uhr


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