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Interview zum Stand der Verhandlungen in Bonn

Klimakonferenz - und keiner kriegt's mit

Selten hatte eine Vorbereitungskonferenz zum Klimagipfel so wenig Aufmerksamkeit erhalten wie die Verhandlungen in Bonn, die am 17.06.2011 zu Ende gingen. Doch es gibt Hoffnung für den Klimaschutz in schwierigen Zeiten.

Sven Harmeling; Rechte: Germanwatch/Tina Linster

Sven Harmeling

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Die Krise in Griechenland, politische Umbrüche in Nordafrika und der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie: Da landet das Treffen der Delegierten beim UN-Klimasekretariat weit unten auf der Agenda. Dabei geht es auch in Bonn um wichtige Entscheidungen, oder zumindest um deren Vorbereitungen: Ende 2011 findet der nächste große Klimagipfel im südafrikanischen Durban statt. Sven Harmeling, Referent für Klima und Anpassung beim Verein "Germanwatch", hat die Verhandlungen verfolgt.


WDR.de: Herr Harmeling, Sie kommen gerade aus Verhandlungen der Klimakonferenz in Bonn. Wie ist es bisher gelaufen?

Sven Harmeling: Nach einem sehr schleppenden Auftakt Anfang vergangener Woche, als man sich vor allem über die Tagesordnung gestritten hat, sind die Verhandlungen in den letzten Tagen doch relativ konstruktiv verlaufen. An vielen Stellen ist es gelungen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wer welche Positionen vertritt.


WDR.de: Welche Entscheidungen gab es?

Harmeling: Man muss zwischen technischen und politischen Themen unterscheiden. Bei den technischen Themen hat man beim letzten Klimagipfel im mexikanischen Cancun Dinge beschlossen, an deren Umsetzung man nun arbeitet. Zum Beispiel ein Arbeitsprogramm zum Umgang mit den Schäden durch Klimawandel und an einem Programm, das den Austausch von Klimatechnologien fördern soll. Hier haben die Delegierten Entscheidungsgrundlagen erarbeitet, die man in Durban dann sehr gut zum Abschluss bringen kann. Da ist die inhaltliche Diskussion durchaus vorangekommen.


Erdkugel; Rechte: dpa

Was geschieht mit dem Kyoto-Protokoll?

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WDR.de: Und auf der politischen Seite?

Harmeling: Bei der Frage um die Zukunft des auslaufenden Kyoto-Protokolls und den Klimaschutzbemühungen der Industrie- und Entwicklungsländer hat es hier nicht viel Bewegung gegeben. Das ist allerdings keine große Überraschung und war auch nicht zu erwarten. Vor allem die ärmsten Entwicklungsländer haben deutlich gemacht, wie wichtig ihnen die Zukunft des Kyoto-Protokolls ist.


WDR.de: Worüber wurde besonders gestritten?

Harmeling: Nur wenige Länder möchten sich für eine zweite Periode des Kyoto-Protokolls verpflichten. Das Protokoll beinhaltet international vergleichbare Anrechnungsmethoden und klare Überprüfungsmechanismen für den Schadstoffausstoß - wichtige Dinge, die garantieren, dass Versprechungen weitestgehend erfüllt werden. Japan und Russland beispielsweise wollen ein flexibleres System. Wir von Germanwatch denken aber, dass man die zentralen Mechanismen des Protokolls fortführen muss. Gleichzeitig muss man sich darum bemühen, auch die Schwellenländer in den Klimaschutz stärker mit einzubeziehen. Strittig ist natürlich auch alles, was mit der Finanzierung zu tun hat: notwendiger Klimaschutz ebenso wie die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Hier erwarten vor allem die Entwicklungsländer von den Industrieländern, dass sie ihre bisherigen Versprechen erfüllen und auch sagen, wie die Unterstützung in den kommenden Jahren ansteigen wird. Es ergibt wenig Sinn, ambitionierte Klimaschutzstrategien aufzustellen - für die man am Ende keine Finanzierung bekommt.


WDR.de: Immer wieder werden Stimmen laut, die behaupten, das Kyoto-Protokoll sei tot. Wie schätzen Sie das ein?

Harmeling: Wir sehen Kyoto mit den zentralen Anrechnungsregeln als wichtigen Startpunkt, wenn man eine verlässliche internationale Klimapolitik will. Das sollten wir versuchen zu retten. Angesichts der Blockadehaltung einer Länder ist die Zukunft des Kyoto-Protokolls aber eben keineswegs gesichert. Saudi Arabien hat sich hier als sehr destruktiv erwiesen. Auch die USA zeigen sich als klassischer Bremser: Über die Finanzierung nach 2012 wollen sie nicht verhandeln. Aus unserer Sicht spielt da die EU eine zentrale Rolle. Wir plädieren dafür, dass die EU gemeinsam mit den Entwicklungs- und Schwellenländern eine Strategie erarbeitet: Was könnt ihr uns geben, damit wir die Regeln von Kyoto für die Zukunft retten? Und da haben wir den Eindruck, dass da ein ganz intensiver Dialog in Gang kommt, auch auf der Konferenz hier in Bonn.


Häuser vor Kraftwerk-Schornsteinen; Rechte: dpa

CO2-Ausstoß erreicht Rekordhöhen

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WDR.de: Aktuelle Zahlen zum CO2-Ausstoß dokumentieren, dass das 2010 in Cancun beschlossene Zwei-Grad-Ziel zur Klimaerwärmung auf dem Spiel steht. Beeinflussen diese Ergebnisse die Verhandlungen?

Harmeling: Die Botschaft, dass das, was bisher zum Klimaschutz getan wird, bei weitem nicht ausreicht, ist hier angekommen. Schließlich haben sich alle Länder zu dem Zwei-Grad-Ziel verpflichtet.


WDR.de: Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen. Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien muss man hierzulande zunächst mit einem höheren CO2-Ausstoß rechnen. Hat das Auswirkungen auf die Verhandlungen?

Harmeling: Deutschland hat sein Ziel, die Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu verringern, beibehalten - das ist für uns ganz wichtig. Man bekommt hier schon mit, dass sehr gespannt geguckt wird, wie Deutschland das machen will. Natürlich wird auch nach Vorbild-Staaten gesucht, die die Energiewende wirklich ernst nehmen. Darin steckt natürlich auch eine Riesenchance: Wenn Deutschland diesen Weg konsequent geht und nicht auf Kosten des Klimaschutzes aus der Atomenergie aussteigt, kann das hier in den nächsten Jahren eine wirkliche Vorbildwirkung entfalten. Allerdings waren wir auch ein bisschen enttäuscht, dass Deutschland bei einem Workshop Anfang letzter Woche seine Vorhaben nicht aktiver vorgestellt hat. Das wäre durchaus ein angemessener Zeitpunkt gewesen.


WDR.de: Was erwarten Sie für den Klimagipfel in Durban?

Harmeling: Wir sind schon vorsichtig optimistisch. In vielen Bereichen wurden hier Fortschritte erreicht, und Durban kann durchaus zu einem weiteren wichtigen Schritt werden - ohne dass man das Klimaproblem dort lösen wird. Ob Durban ein Erfolg wird, ist aber noch völlig offen.

Das Interview führte Annika Franck.






Kommentare 

Bisherige Beiträge

der Quintessenz-Abstractor vor 184 Woche(n)
Zu Observer und Hammer möchte ich sagen, dass bei fortgesetztem Pessimismus/Fatalismus resp. Klimaskeptizismus natürlich alsbald der Drops gelutscht sein wird. Das beste Antidot dagegen ist saubere Wissenschaft, wie sie von seriösen Forschern rund um den Globus tagtäglich betrieben wird. Leider gibt es gerade im deutschsprachigen Raum ein relatives Defizit an allgemein verständlicher Sachinformation - das Blog des international renommierten PIK-Forschers Stefan Rahmstorf mal ausgenommen. Erfreulich ist, dass der Australier John Cook Beiträge seiner nicht-kommerzielen Informations-Website nun auch in viele Sprachen (u. a. Deutsch) übersetzen lässt, um gegen die Nebelkerzenwerfer aus der Skeptikerszene, die sich zuhauf im Internet tummeln ein Gegengewicht zu schaffen. Merke: Veränderung zum Guten hat in Demokratie immer auch mit der Informiertheit ihrer Bürger zu tun. Insofern ist weitere wissenschaftsgestützte Aufklärung ein wesentlicher Schlüssel.
Rene vor 184 Woche(n)
Man sei gespannt, wie Deutschland die Klimaziele erreichen will. Nun, ganz einfach: Die Zeche für das segensreiche Wirken unserer "Klimakanzlerin" zahlen die Hausbesitzer, Autofahrer und überhaupt die normalen Arbeitnehmer / Mittelstand. Warum diese Leute? Ganz einfach: Bei anderen ist nichts mehr zu holen. Das untere Drittel der Sozialschmarotzer hat sich trefflich in unserem Sozialstaat eingerichtet und an die finanzielle Elite in diesem Land traut sich keiner ran. Wer bleibt also übrig? Aber unsere Okö-Ideologen in CDU, SPD und Grüne werden es geschickt verstehen, uns die Daumenschrauben so anzulegen, dass wir dabei noch glücklich lächeln können. Einig Vaterland in einig Einfalt! In ca. 11 Jahren haue ich hier ab, dann bin ich in Rente.
Observer vor 184 Woche(n)
Um den Klimawandel zu verlangsamen oder gar zu stoppen , ist es viel zu spät. Staaten wie USA, China, Indien, Afrika insgesamt , und sonstige Drittländer halten andere Themen für wichtiger als Umweltschutz. Bis diese Staaten mit ihren Firmen, privaten Haushalten usw. auf unseren Wissens-Technikstand sind vergehen mindestens 50 Jahre. Dinge , die wir heute umweltmäßig verbessern, werden global erst 30-50 Jahre später Wirkung zeigen, somit werden ca. 80 Jahre vergehen bis sich überhaupt etwas verbessern wird. Wir haben die Chancen kläglich vertan. Unsere nachfolgenden Generationen werden uns verfluchen ob unserer Ignoranz und Dummheit.
Hammer vor 184 Woche(n)
Ist den Strategen der Klimarettung denn aufgefallen, dass die globale Temperatur entgegen den Prognosen der Koryphäen seit 10 Jahren ZURÜCKGEHT? Welches 2° Ziel soll denn da gerettet werden, wenn sich das globale Klima derzeit abkühlt. Es wäre doch schade um all die Milliarden, wenn die ausgerufene Klimakatastrophe von selbst ausbleibt und die Erwärmung der Jahre bis 1998 auf einen natürlichen Prozess (z.B. erhöhte solare Aktivität) zurück zu führen wäre!!!
radfahren nicht vermasseln: vor 184 Woche(n)
keine Verstümmelungen
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16.06.2011, 06.00 Uhr


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